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11. Mai 2008, 09:30 Uhr

Rosen statt Opium

90 Prozent des weltweit produzierten Opiums stammen aus Afghanistan. Ein deutsches Hilfsprojekt unterstützt Bauern dabei, andere Pflanzen anzubauen. Ein Besuch bei der Familie Wadam in der Provinz Nangarhar, die jetzt Rosen pflanzt. Von Martin Fütterer

Aus Rosen lässt sich kostbares Rosenöl gewinnen© Picture-Alliance/DPA

Über dem kleinen Tal Inseray in der afghanischen Provinz Nangarhar liegt ein angenehmer Duft. Er stammt von den Rosen, welche die Familie Wadam hier anbaut. Wohl schon tausend Jahre, so erzählen sie, bewirtschaftet ihre Sippe vom Volk der Paschtunen das Tal. In der Gegend genießen sie hohes Ansehen. Ihr Urgroßvater galt als besonders heilig - an seinem Grab binden Frauen Tücher an die Bäume, wenn sie sich Kinder wünschen - oder einen hübschen Ehemann.

Vor einigen Jahren züchteten die Wadam allerdings keine Rosen. Sie bauten Schlafmohn an, aus dem Opium gewonnen wird. Wie viele Jahre lang sie ihr Geld mit den verbotenen Blumen verdienten, erzählen die Wadam nicht. Mohnanbau war - und ist - in Afghanistan ein Verstoß gegen das Gesetz. Trotzdem stammen 90 Prozent des weltweit produzierten Opiums aus dem Land. 3,3 Millionen Afghanen sind von der Opiumproduktion unmittelbar abhängig. So, wie es die Wadam waren, bis sich ihnen im Jahr 2004 eine vernünftige Alternative bot.

Flucht nach Pakistan

Die Familie hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Anfang der 90er-Jahre mussten sie ins nahegelegene Pakistan fliehen, ebenso wie fünf Millionen andere Afghanen in der größten Flüchtlingsbewegung seit dem 2. Weltkrieg. Jahrelange schlugen die Männer sich und ihre Familien als Lastwagenfahrer und Tagelöhner durch. Als die Taliban im Land eine trügerische Ruhe schafften, kehrten die Wadam in ihr Tal zurück - und fanden es besetzt. Kämpfer Bin Ladens hatten das herrenlose Land für zehn Jahre vom Staat gepachtet, sie nutzten es als Trainingslager und Hauptquartier. Der Taliban-Gouverneur Maulawi Kabir entschied den Streitfall 1999 durch Volksbefragung. Die Bewohner der umliegenden Dörfer stimmten mehrheitlich dafür, dass die Wadam ihr Land wieder in Besitz nehmen und die Kämpfer in ein anderes, unbewohntes Tal abziehen sollten.

"Das Land war verwahrlost", berichtet Mohammad, der zweitälteste der Brüder Wadam. "Die Felder lagen brach und waren verunkrautet, viele Bäume waren durch Schießübungen und Handgranaten zerstört. Beim Abzug haben sie alles Wertvolle mitgenommen". Es habe ihnen fast das Herz gebrochen, ihre Heimat so geschunden zu sehen.

Rosen anstatt Opium

Von diesen Schäden ist heute nichts mehr zu sehen. Ganz im Gegenteil: Über dem Tal liegt ein angenehmer Duft. Seit 2004 bauen die Wadam auf der Hälfte ihres Ackerlandes Rosen an, auf der anderen Hälfte des rund neun Hektar großen Gebietes steht Weizen. Etwa so groß war die Fläche, die sie früher mit Schlafmohn bepflanzt haben. "Wir wissen, dass Opium schlecht ist, und auch der Islam verbietet den Genuss von Drogen", sagt Mohammad Wadam. "Aber wenn die Familie hungert, haben wir keine Wahl."

Seine Sippe gehörte immerhin zu den ersten, die eine andere Wahl traf, als sich eine Alternative bot. Die private Entwicklungshilfeorganisation "Deutsche Welthungerhilfe", schon seit den 90er Jahren in Afghanistan tätig, schlug den Bauern vor, anstelle von Schlafmohn Rosen zu pflanzen. Mit Erfolg: Zwölf Provinzen sind dieses Jahr frei von Mohn, in zehn Provinzen scheint der Anbau abgenommen zu haben.

Das Projekt Vorbild ist ein Projekt in der iranischen Provinz Kerman, in der der Opiumanbau vollständig und nachhaltig durch Rosenanbau verdrängt werden konnte.Von 2004 bis 2007 investierte die Deutsche Welthungerhilfe 133.000 Euro in das Projekt in Afghanistan, die Europäische Union 1,2 Millionen Euro. Für 2008 werden mindestens zehn Liter erwartet (Weltproduktion 3.000 Liter). Weitere Produkte sind Rosenwasser und getrocknete Rosenblüten für den einheimischen Markt. Die Welthungerhilfe und sucht nun Einheimische, die die Destillen als selbständige Unternehmer übernehmen.

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