Kratzt du dich, juckt es mich

12. November 2012, 21:00 Uhr

Wir gähnen, sobald jemand in unserer Gegenwart den Mund öffnet und lachen mit anderen mit – doch auch Juckreiz kann ansteckend sein. Eine neue Studie zeigt, wer dafür besonders anfällig ist.

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Juckt's schon? Beobachten wir andere beim Kratzen, kribbelt und piekst bei manchen Menschen die Haut automatisch.©

Es zwickt und beißt, kitzelt und piekst: Juckreiz ist lästig und schwer zu behandeln, gibt es doch häufig keine körperliche Ursache für das nervige Kribbeln. Britische Forscher um Henning Holle von der University of Hull haben sich dem Juck-Phänomen in einer neuen Studie gewidmet. Deren Ergebnis ist verblüffend: Ob sich ein Mensch vom Kratzen seines Gegenübers anstecken lässt oder nicht, hängt maßgeblich von seiner Persönlichkeit ab. Emotional labile Menschen neigen eher dazu, das Kratzen des Gegenübers zu imitieren, heißt es in dem Journal "PNAS".

Das Forscherteam zeigte Testpersonen Videos, in denen sich Menschen an Brust und Armen kratzten oder klopften. Dabei filmten sie die Probanden heimlich und befragten sie im Anschluss, wie stark es sie jucke. Nach den Kratz-Filmen zwickte die Haut der Testpersonen häufiger, als nach den Klopf-Filmen. Mehr als 60 Prozent der Personen ließen sich zudem vom Jucken anstecken: Während sich die Menschen in den Videos kratzten, fuhren sich auch die Testpersonen mindestens einmal über ihre Haut. Das Kratzen am linken Oberarm schien einen besonders starken Juckreiz bei den Probanden auszulösen.

Empfindliche zwickt’s häufiger

Jede der Testpersonen füllte zusätzlich einen Fragebogen zu ihrer Persönlichkeit aus. Diese Angaben verglichen die Forscher mit den Infos aus dem Videoexperiment. Der Vergleich der Daten zeigte: Emotional labile und unsichere Menschen sind anfällig für das ansteckende Kratzen. Andere juckte es hingehen deutlich weniger.

Schließlich zeigten die Forscher einigen Testpersonen die Videos, während ein Computertomograph ihre Hirnaktivität untersuchte. Allein das Sehen der Kratz-Videos genügte, um Regionen des Gehirns zu aktivieren, die beim Kratzen arbeiten. Bei den labilen Testpersonen arbeitete eine Region besonders stark. Dieser Gehirnabschnitt sei unter anderem bei der Simulation von Handlungen aktiv, schreiben die Forscher. Bei Menschen, die unter ständigem Juckreiz ohne körperliche Ursache leiden, könnte diese "Kratz-Matrix" womöglich übermäßig aktiviert sein, folgerten die Wissenschaftler. Die Funktionen der einzelnen Bereiche müssten aber in weiteren Tests noch entschlüsselt werden.

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