12. Juni 2012, 12:45 Uhr

Beschädigte Klitoris lässt sich heilen

Vor allem in Afrika ist die grausame Tradition noch weit verbreitet: Mädchen werden beschnitten. Weltweit leben Millionen Frauen mit den schmerzhaften Folgen der Verstümmelung. Eine neue OP-Technik verspricht ihnen Hilfe.

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Dieses fünfjährige Mädchen hat die Beschneidung hinter sich, die Angst steht Fay Mohammad noch ins Gesicht geschrieben©

140 Millionen Frauen leben weltweit damit, dass ihre Genitalen verstümmelt wurden, schätzt die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Die grausame Tradition ist Jahrtausende alt und hat das Leben unzähliger junger Frauen zerstört. Eine Studie macht nun einigen Hoffnung: Ihre Behandlungstechnik könne die Schmerzen von beschnittenen Frauen lindern und ihnen sexuelles Lustempfinden zurückgeben, berichtet ein Forscherteam um den Franzosen Pierre Foldès in der jüngsten Ausgabe des britischen Fachmagazins "The Lancet".

Für die Untersuchung hatten die Wissenschaftler 841 Frauen befragt, die sich in Frankreich 2008 und 2009 einer Klitoris-Operation unterzogen hatten. Sie gaben ein Jahr nach dem Eingriff Auskunft über ihr Schmerz- und Lustempfinden. Das Ergebnis: 35 Prozent der Frauen, die zuvor niemals einen Orgasmus hatten, erlebten danach regelmäßig oder zumindest eingeschränkt Höhepunkte. Die Hälfte der Behandelten, die vorher nur eingeschränkt Orgasmen hatte, hatte danach regelmäßige. Eine Verschlechterung trat nur bei sehr wenigen Patientinnen auf. Ein Großteil berichtete zudem über eine Verringerung von Schmerzen.

Viele Frauen können sich Eingriff nicht leisten

"Unsere Erkenntnisse zeigen, dass sich die Klitoris nach einer Genitalverstümmelung chirurgisch wiederherstellen lässt", sagt Foldès. Er macht sich zunutze, dass die Klitoris zum größten Teil versteckt innerhalb des weiblichen Körpers liegt und bei einer Beschneidung in der Regel nur die äußerste Spitze verstümmelt wird. Bei der Operationstechnik wird ein Teil der im Unterleib versteckten Klitoris wieder hervorgeholt.

Wesentlich komplizierter ist der Weg auf den OP-Tisch. Solche chirurgischen Eingriffe würden in ärmeren Ländern kaum angeboten, räumen die Forscher ein. Zudem seien sie weiterhin nahezu unerschwinglich. Ein weiteres Problem: In einigen Ländern klassifizieren Krankenkassen den Eingriff nicht einmal als medizinisch notwendig, sondern als Schönheitsoperation. Zudem wissen viele Frauen überhaupt nichts von möglichen Therapien.

Weltweit werden die Geschlechtsteile von Mädchen oft ohne Betäubung und unter unhygienischen Bedingungen verstümmelt – aus religiösen oder kulturellen Gründen. Häufig wird die Beschneidung mit Glasscherben, stumpfen Rasierklingen oder Teilen von Blechdosen vorgenommen. m Extremfall werden den jungen Mädchen die Schamlippen zugenäht und nur eine kleine Öffnung gelassen. Viele Opfer leiden ihr ganzes Leben lang unter den psychischen und körperlichen Folgen der Beschneidungen. Schwere Blutungen, Probleme beim Wasserlassen, Infektionen und Unfruchtbarkeit zählen zu den schlimmen Folgen der Prozedur.

Vor allem in afrikanischen Ländern ist das blutige Ritual weit verbreitet. Darüber hinaus sind einige Fälle von Genitalverstümmelung in Asien, im Mittleren Osten sowie in Einwandererfamilien in Europa oder Nordamerika dokumentiert. Nach Angaben der Hilfsorganisation Target wird der rund 5000 Jahre alte Brauch noch in rund 35 Ländern praktiziert.

lea/DPA
 
 
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