11. August 2011, 21:51 Uhr

Rotes Fleisch erhöht Diabetesrisiko

Eine umfangreiche Studie belegt: Wer häufig rotes Fleisch ist, hat ein höheres Risiko an Diabetes zu erkranken. Vor allem Salami, Schinken oder Steak sollten besser nicht zu oft auf den Teller kommen.

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Vor allem auf rotes Fleisch in verarbeiteter Form sollte besser verzichtet werden©

Wenig Fleisch ist besser für die Gesundheit, das empfehlen Ernährungswissenschaftler schon lange. Vor allem rotes Fleisch vom Rind, Schwein oder Lamm steht im Verdacht, das Risiko für Krebs oder eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zu erhöhen und damit auch das Sterberisiko zu steigern. Nun liefern Wissenschaftler einen weiteren Grund, hin und wieder besser auf Salami, Steaks oder Würstchen zu verzichten: Menschen, die häufig rotes Fleisch verzehren, haben ein erhöhtes Diabetesrisiko.

Den Wissenschaftlern zufolge gibt es allerdings eine einfache Möglichkeit, das Krankheitsrisiko zu verringern: Wer die tägliche Fleischportion durch eiweißreiche pflanzliche Kost, Fisch oder Milchprodukte mit geringem Fettgehalt ersetzt, könnte die Wahrscheinlichkeit einer Diabeteserkrankung um bis zu einem Drittel senken.

Auch unverarbeites rotes Fleisch ungesund

Besonders stark ausgeprägt ist der Zusammenhang zwischen Diabetesrisiko und Fleischverzehr beim Konsum von verarbeiteten Schweine- und Rindfleischprodukten, berichten die Wissenschaftler. Darauf hatten bereits frühere Studien hingedeutet, die vor allem einen Verzicht von behandeltem rotem Fleisch wie etwa Schinken, Salami, Würstchen oder Speck nahelegten. Doch auch der Verzehr von unverarbeitetem rotem Fleisch ist der aktuellen Studie zufolge ungesund. Ihre Ergebnisse präsentieren die Forscher um Frank Hu von der Harvard School of Public Health in Boston nun im "American Journal of Clinical Nutrition".

"Angesichts der epidemieartigen Zunahme von Diabetes Typ 2 und des steigenden Verzehrs von rotem Fleisch weltweit haben die Ergebnisse dieser Studie eine große Bedeutung für die öffentliche Gesundheit", sagt Hu, der das Forscherteam leitet.

Laut Weltgesundheitsorganisation sind weltweit 346 Millionen Menschen an Diabetes erkrankt. In Deutschland ist die Stoffwechselerkrankung bei mehr als sieben Millionen Menschen diagnostiziert. Neunzig Prozent davon leiden unter dem Typ 2, dem sogenannten Altersdiabetes. Bei seiner Entstehung spielen Faktoren wie Übergewicht, ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel eine Rolle.

Für ihre umfangreiche Untersuchung werteten Hu und seine Kollegen Daten von drei Langzeitstudien aus, an denen über einen Zeitraum von 14, 20 und 28 Jahren insgesamt mehr als 200.000 Menschen teilgenommen hatten. Die Probanden gaben alle vier Jahre Auskunft über ihre Ernährung. Insgesamt 13.759 Teilnehmer erkrankten im Laufe der Zeit an Diabetes vom Typ 2.

Für jede der drei Einzelstudien ließ sich ein klarer Zusammenhang zwischen dem Konsum von rotem Fleisch und dem Krankheitsrisiko nachweisen. Weißes Fleisch zum Beispiel vom Huhn, Truthahn und anderem Geflügel gilt als weniger bedenklich.

Schon 50 Gramm Wurst erhöhen Risiko

Für eine zusammenfassende statistische Analyse, die auch Ergebnisse anderer Studien berücksichtigte, nutzten die Forscher Daten von mehr als 442.000 Menschen. Daraus ergab sich: Schon ein 100-Gramm-Steak erhöht das Diabetesrisiko bei einem täglichen Verzehr um 19 Prozent. Dieser Wert stieg sogar auf 51 Prozent, wenn täglich 50 Gramm an Wurst - und damit verarbeitetes rotes Fleisch - konsumiert wurde.

Ein Ersatz dieser täglichen Fleischportionen durch Vollkornprodukte, Nüsse oder fettarme Milchprodukte würde die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung um 16 bis 35 Prozent senken, ergaben die Berechnungen der Wissenschaftler.

Warum rotes Fleisch das Diabetesrisiko steigert, könnte Hu und Kollegen zufolge durch verschiedene Mechanismen erklärt werden: Wer häufig Steak oder Wurst isst, nimmt große Mengen an Eisen auf. Das könne den oxidativen Stress in den Zellen verstärken, der wiederum die Insulin produzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse schädigen könnte. Der besonders starke negative Effekt von verarbeitetem rotem Fleisch könnte auf dem hohen Gehalt an Natrium und Nitrit in diesen Produkten beruhen. Zu berücksichtigen wäre auch, dass Menschen, die viel Fleisch essen, eher zu Übergewicht neigen, was bekanntlich das Diabetesrisiko erhöht.

WSA/lea
 
 
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