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15. Juli 2009, 20:33 Uhr

Ärzte berichten von erfolgreicher Transplantation

Ein Schuss aus der Schrotflinte zerstörte ihr Leben. Vor fünf Jahren richtete ihr Ehemann die Waffe auf Connie Culp. Ein Wunder, dass sie überlebte. Doch ihr Gesicht war entstellt. Jetzt berichten Ärzte von der erfolgreichen Gesichtstransplantation, nach der die 46-Jährige vor allem eines wieder gewonnen hat: ihr Selbstbewusstsein.

Connie Culp, The Lancet, Gesichtstransplantation

Ein Schuss aus der Schrotflinte zerstörte ihr Gesicht: Connie Culp vor und nach der Transplantation© Reuters/Cleveland Clinic

2004 richtete ihr Mann die Waffe auf sie. Ein Schuss zerstörte Connie Culps Leben und entstellte ihr Gesicht entsetzlich. Die Schrotkugeln zerfetzten ihre Nase, die Wangen und Teile ihres Kiefers. Culps Mann versuchte im Anschluss vergeblich sich zu töten. Sieben Jahre Haft bekam er für die grausame Tat. In einer Klinik in Cleveland transplantierten Ärzte Connie Culp 2008 das Gesicht einer Toten. Nach der bislang umfangreichsten Gesichtstransplantation der Welt zeigte sich die 46-Jährige im Mai auf einer Pressekonferenz erstmals der Öffentlichkeit. Nun berichten ihre behandelnden Ärzte in der Online-Ausgabe des Fachmagazins "The Lancet" erstmals über Einzelheiten der Marathon-Operation. 22 Stunden hatte diese gedauert, 80 Prozent des Gesichtes wurden dabei durch ein Transplantat einer hirntoten Spenderin ersetzt.

Als sich Culp zu der risikoreichen Transplantation entschloss, hatte sie bereits 23 gesichtschirurgische Eingriffe hinter sich, schreiben die Chirurgen um Maria Siemionow vom Cleveland-Krankenhaus im US-Bundesstaat Ohio. Trotz dieser Operation konnte Culp nicht aus einer Tasse trinken, hatte keinen Geschmackssinn und schämte sich, mit ihrem entstellten Gesicht in der Öffentlichkeit aufzutreten.

Culp kann wieder riechen und sprechen

Acht Chirurgen waren dem Bericht zufolge an der Operation beteiligt. Vom Gesicht der Spenderin erhielt Culp die Nase, die Oberlippe, die Unterlider, das obere Gebiss mit Schneidezähnen, den Gaumen und verschiedene Drüsen. In einem ersten Schritt wurden die Knochenanteile des Transplantats entfernt und Venen und Arterien des Spendergesichts mit der Empfängerin verbunden, berichten die Mediziner in "The Lancet". Nach zwei Stunden und 40 Minuten färbte sich das Transplantat rosa - für die Ärzte ein Beweis, dass es durchblutet wurde. Daraufhin verbanden sie die Gesichtsnerven.

Im Anschluss an die Operation bekam Culp Medikamente, um Abstoßreaktionen zu vermeiden. Daneben erhielt sie täglich Sprechtraining, Physiotherapie und psychologische Unterstützung. Am 47. Tag nach der Operation kam es den Ärzten zufolge zu einer kurzen Phase der Hautabstoßung, die aber durch Medikamente erfolgreich behandelt worden sei. Nach einem halben Jahr habe Culp erstmals wieder ein Gefühl im Gesicht verspürt. Oberlippe und Unterlieder zu bewegen, falle ihr immer noch schwer. Der Geruchssinn sei aber wieder hergestellt, außerdem könne die 46-Jährige wieder feste Nahrung zu sich nehmen und deutlicher sprechen.

Vor allem die psychologischen Auswirkungen seien enorm, berichten die Ärzte. "Seit der Operation hat sie ihre Selbstbewusstsein wieder gewonnen", heißt es in dem Artikel. "Sie freut sich darauf, ihr Sozialleben wieder aufzubauen und anderen zu helfen, die ähnlich entstellt wurden."

Insgesamt wurden weltweit bislang sieben Teiltransplantationen von Gesichtern vorgenommen, zwei der Patienten starben nach den Operationen. Die weltweit erste Transplantation dieser Art gelang 2005 in Frankreich an einer 38-Jährigen, deren Gesicht von ihrem Hund zerbissen worden war. Das Krankenhaus in Cleveland war das erste in den USA, das ein Gesicht teilweise transplantierte. Eine vollständige Gesichtstransplantation, die auch die oberen Augenlieder mit einschließen würde, gilt bisher noch als kaum zu bewältigen.

AFP/lea
 
 
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