Kleiner Knochen, große Einblicke

30. August 2012, 20:01 Uhr

Aus einem winzigen Stück Knochen haben Forscher das vollständige Genom des Denisova-Menschen entschlüsselt. Dadurch gelang es, mehr über diese mysteriösen Urmenschen zu erfahren.

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Winziges Fragment: Replik eines Stücks Fingerknochen von einem Denisova-Menschen©

Viel ist über die sogenannten Denisova-Menschen, eine eng mit den Neandertalern verwandte Urmenschenart, nicht bekannt: Ein winziges Stück Fingerknochen und zwei Backenzähne, mehr Fossilien wurden bis jetzt nicht gefunden. Nun ist es einem internationalen Forscherteam um Svante Pääbo vom Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie (MPI) gelungen, weitere Geheimnisse des Urmenschen zu lüften: Mit einer neuen Methode entschlüsselten sie das Genom des Denisova-Menschen mit bis jetzt unerreichter Genauigkeit.

Bereits 2010 hatten die Forscher das Erbgut aus dem Überbleibsel des Fingerknochens entziffert, der in der Denisova-Höhle im Altai-Gebirge in Südsibirien gefunden worden war. Die Analyse ergab: Der Knochen entstammte einem Mädchen, das zu einer bis dahin unbekannten Menschenform gehörte. Nach dem Fundort wurde diese als Denisova-Menschen bezeichnet.

Jetzt nahm das Team um Pääbo sich das Genom mit einer neuen Methode erneut vor und verglich es mit dem Erbgut von Neandertalern und elf heute lebenden Menschen aus aller Welt. Zudem erkannten sie, welches Erbgut des Mädchens vom Vater und welches von der Mutter stammte. Ergebnis: Die genetische Vielfalt des Denisova-Menschen war recht klein. Das Team schlussfolgerte daraus, dass die Population offenbar über keinen längeren Zeitraum hinweg besonders groß war.

Durch die Sequenzierung bekamen die Forscher eine Idee davon davon, wie das Denisova-Mädchen ausgesehen haben könnte: Sie hatte wohl braune Haare und braune Augen und eine dunkle Haut, schreiben sie in ihrer Studie, die in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "Science" veröffentlicht ist.

Der Abgleich der Genome und der genetischen Veränderungen zeige zudem, dass sich der moderne Mensch und der Denisova-Mensch vor mehr als 700.000 Jahren getrennt haben müssen.

80.000 Jahre alter Knochen

In der Analyse entdeckten die Forscher über 100.000 Veränderungen im menschlichen Genom, die erst nach der Abspaltung vom Denisova-Menschen aufgetreten sind. Einige der Mutationen betreffen den Angaben zufolge Gene, die mit Gehirnfunktionen und der Entwicklung des Nervensystems in Verbindung stehen. "Unsere Forschung wird dabei helfen herauszufinden, wie es dazu kam, dass moderne Menschen und ihre komplexe Kultur sich soweit verbreiten konnten, während archaische Menschen nach und nach ausstarben", sagte Pääbo nach einer MPI-Mitteilung.

Erstmals versuchten die Wissenschaftler auch, über die DNA-Sequenz das Alter des Fingerknochens zu bestimmen. Wissenschaftler seien bislang von 30.000 bis 50.000 Jahren ausgegangen. Die Max-Planck-Forscher kommen durch ihre komplizierten Berechnungen nun auf 80.000 Jahre. Für diesen Ansatz brauche man eine unglaubliche Präzision in der Entzifferung des Genoms, sagte der Erstautor der Studie, Matthias Meyer. Sicher sei diese Altersbestimmung anhand der DNA aber noch nicht.

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass Neandertaler und Denisova-Menschen etwa zeitgleich lebten - die einen in Europa und Westasien, die anderen in Ostasien. Doch während vom Neandertaler nahezu komplette Skelette gefunden wurden, gibt es vom Denisova-Menschen bisher kaum Überbleibsel. "Wir haben über die Genetik ein sehr überzeugendes Bild des Denisova-Menschen", sagte Meyer. "Das Problem ist: Uns fehlen die Fossilien dazu."

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DNA Fossilien Genom Neandertaler Ostasien Svante Pääbo
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