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13. August 2004, 10:46 Uhr

Der 486-Kilo-Mann

Ärzte haben Patrick Deuel aus dem US-Staat Nebraska auf eine strenge Diät gesetzt. Eine große Umstellung für einen Mann, der Berge von Pizzen und Burritos verzehrt hat. Bis vor wenigen Monaten wog er 486 Kilogramm.

US-Amerikaner Patrick Deuel: Berge von Pizzen und Burritos verzehrt© Stuart Villanueva/AP

Der 42-jährige Patrick Deuel aus dem US-Bundesstaat Nebraska hat in den vergangenen Monaten 145 Kilo abgenommen und will weitere 200 los werden. Er befindet sich seit Juni in einem Krankenhaus in Sioux Falls (South Dakota) und wird unter strenger Aufsicht eines Ärzteteams schlanker.

486 Kilogramm - "man stelle sich fünf 93 Kilo schwere Männer zusammen auf einer Waage vor", erläutert ein medizinisches Fachblatt. Nach Medienberichten vom Donnerstag gehörte der Amerikaner damit zu den bisher schwersten Menschen. Der bisherige Rekord liegt bei 634 Kilo, die ein US-Bürger aus dem Staat Washington auf die Waage brachte. Er starb 1983 im Alter von 42 Jahren.

Strenge Diät mit 1200 Kalorien pro Tag

Deuel soll dieses Schicksal erspart werden. Ärzte haben ihn auf eine strenge Diät mit 1200 Kalorien pro Tag gesetzt, die er in fünf kleinen Portionen serviert bekommt. Das ist eine große Umstellung für einen Mann, der es gewohnt war, Berge von Pizzen und Burritos zu verzehren. "Aber jetzt sehe ich endlich Licht am Ende des Tunnels", zitiert die Zeitung "Argus Leader" den ehemaligen Restaurantmanager, der es schon im Kindergartenalter auf 85 Pfund gebracht hatte.

Der Zeitung zufolge trug der etwa 1,80 Meter große Mann so viele Kilos auf seinen Knochen, dass ihm der Tod drohte. Er litt an Herzproblemen, Diabetes, Schilddrüsenkrankheit und schwerer Arthrose - "es war nur noch eine Frage der Zeit, kurzer Zeit", schildert Deuel, der sein Haus in Nebraska seit sieben Jahren nicht verlassen hatte, bis ihn eine Ambulanz im Juni zum drastischen Abspecken ins Krankenhaus brachte.

Es war kein einfaches Unterfangen. Zunächst musste Deuel gewogen werden - auf Grund seiner Masse auf einer Viehwaage. Dann lehnten alle Kliniken in Heimatnähe seine Aufnahme ab, weil die schätzungsweise drei Millionen Dollar teure Behandlung nur zum Teil von seiner Krankenversicherung getragen wird. "Die Türen wurden uns immer wieder vor der Nase zugeschlagen", erinnert sich Deuels Frau Edith. "Die Uhr tickte immer lauter für meinen Mann." Schließlich griff eine Hilfsorganisation ein, die "Liga für menschliche Würde". Sie fand ein Hospital in Sioux Falls im Nachbarstaat South Dakota, das es mit Deuels Pfunden aufnehmen wollte.

Transport per Trage und Rampen

Aber zunächst musste ein Krankenwagen für den Patienten gefunden werden, und den gab es wiederum nur in Denver (Colorado). Es war ein mit einer extra großen und stabilen Trage und Rampen ausgestatteter Wagen. In der Klinik liegt der auf ein Sauerstoffgerät angewiesene Deuel nun auf zwei aneinander gebundenen Betten, und ein Team von Schwestern und Pflegern wird benötigt, um ihn auf der Matratze umzudrehen. Ziel ist es, den Patienten so stark abspecken zu lassen, dass sein schwer angegriffenes Herz eine Operation zur Magenverkleinerung aushalten kann.

Sie wird in den USA immer häufiger durchgeführt - denn die Amerikaner werden immer dicker. Schon fast zwei Drittel der gut 290 Millionen US-Bürger gelten als übergewichtig, Millionen gar als fettleibig. Die US-Regierung hat mittlerweile dem Gesundheitsfeind der Nation den Kampf angesagt. So sollen künftig etwa die Kalorien-, Zucker- und Fettanteile auf Lebensmittelpackungen angezeigt werden.

Sein größter Wunsch: spazieren gehen

Deuel hat es doppelt schwer: Seine Fettleibigkeit ist nicht nur auf extremen Appetit zurückzuführen, sondern nach Angaben seiner Ärzte auch genetisch bedingt. Trotz der Lasten hat er dem "Argus Leader" zufolge aber nie seinen Optimismus verloren. Jetzt blickt er dem Tag entgegen, an dem er mit seiner Frau daheim in Nebraska spazieren gehen kann - sein größter Wunsch. Außerdem will er eines Tages mit all den Krankenschwestern, die ihn betreuen, ein flottes Tänzchen aufs Parkett legen.

Gabriele Chwallek/DPA
 
 
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