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10. August 2006, 15:29 Uhr

Pillen gegen die Prüfungsangst

Konzentriert, angstfrei und hellwach: Studenten würden einiges dafür geben, es zu sein. Sie nehmen auch einiges dafür. Ein Professor der Universität Bremen erzählt, zu welchen Mitteln sie greifen.

Aufgrund des hohen Leistungsdrucks greifen immer mehr Studenten zu Drogen© Kirsten Neumann/DDP

Längst nicht jeder Student geht ungedopt in eine Prüfung. Das sagt Professor Michael Koch, 47, Neuropharmakologe an der Universität Bremen. Er kann zwar keine konkreten Zahlen nennen, "weil bei Umfragen kaum einer die Wahrheit sagt", ist sich jedoch sicher, dass "die Verlockung groß ist, Prüfungsängste, Zeitstress und Formulierungsprobleme bei Studienarbeiten einfach wegzuschlucken." Junge Menschen würden immer häufiger auf Chemie setzen. Grade wenn sie glaubten, den Anforderungen nicht gewachsen zu sein. Koch: "Die Möglichkeiten der modernen Psychopharmakologie sind enorm, wenn es darum geht, in die Chemie des Gehirns einzugreifen."

Die Studenten besorgen sich die Gehirndrogen im Internet. Oder sie üben Druck auf einen Arzt aus, ihnen die gewünschte Arznei zu verschreiben. Ein beliebtes spitzfindiges Argument: "Wenn ich durch die Prüfung falle, bekomme ich Depressionen und werde richtig krank". Also brauche ich das Mittel präventiv - so, wie eine Impfung".

Das Ausmaß der Schäden ist unklar

Die populärsten Mittel sind laut Koch: die "Glückspille" Fluctin, (auch als Fluoxetin oder Prozac auf dem Markt), Wachmacher (Amphetamine) wie Kokain, und neuerdings auch das Mittel Donepezil (gegen Alzheimer) sowie der Wirkstoff Modafinil (gegen Schlafattacken). Statt acht Stunden können Studenten damit bis zu 16 Stunden hellwach und konzentriert arbeiten. Auch Ritalin, eigentlich ein Mittel gegen Aufmerksamkeitsstörungen, regt die Gedächtnisleistung an, und wird schon bei Schulkindern eingesetzt.

Welche Schäden die Substanzen auslösen können, ist unklar. "Tests wurden nur an Erwachsenen gemacht. Die Langzeitreaktionen von Jugendlichen sind noch nicht erforscht", sagt Koch. Sicher sei nur: Bei längerer Einnahme müsse die Dosis immer weiter erhöht werden, um die volle Wirkung zu erreichen. Woran das liegt, erklärt der Professor so: "Wenn wir an einer Stelle in unser biologisches System eingreifen und es chronisch überstimulieren, dann steuert der Körper dagegen, indem er die Empfindlichkeit senkt." Das System werde aus dem Gleichgewicht gebracht.

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Brigitte Zander
 
 
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