2. Juli 2012, 14:40 Uhr

So verhalten Sie sich bei einem Unwetter richtig

Am Wochenende blitzte es so oft, wie lange nicht. Dabei hat die Gewitter-Saison erst begonnen. Wer in ein Unwetter gerät, sollte sich richtig verhalten - um sich vor gefährlichen Blitzen zu schützen. Von Lea Wolz

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Blitzlicht über Nürnberg: Schwere Unwetter mit orkanartigen Gewitterböen haben in der Nacht zum Sonntag auch in vielen Teilen Bayerns gewütet©

Umgestürzte Bäume, vollgelaufene Keller, rund 100 Verletzte: Schwere Sommergewitter sind am Samstag und Sonntag über Deutschland hinweggezogen - und haben ihre Spuren hinterlassen. Bis zu 40 Liter Regen pro Quadratmeter gingen in einer Stunde nieder, fast 365.000 Mal hat es dem Deutschen Wetterdienst (DWD) zufolge über Deutschland geblitzt. Sturmböen, mancherorts sogar Orkane und Hagel verursachten Millionenschäden.

51 Menschen wurden auf einem Musikfestival in Sachsen bei einem Blitzeinschlag verletzt. Notärzte berichteten, dass einige von ihnen durch den starken Stromschlag durch die Luft geschleudert wurden. Die Festivalbesucher hatten sich in einer Cocktailbar - ein zeltüberspannter Bus in der Nähe eines Turms - untergestellt. Dort schlug nachts der Blitz ein, über metallene Pfähle, Bänke und Befestigungsschnüre verbreitet sich der Strom. Schon am Freitag waren drei Frauen auf einem Golfplatz in Nordhessen von einem Blitz erschlagen worden, eine weitere wurde schwer verletzt.

Warum ist das Wetter momentan in Deutschland so wechselhaft und stürmisch? Und warum blitzt es so häufig? "Die Wetterlage ist momentan sehr instabil", sagt Gerhard Lux, Diplom-Meteorologe beim DWD in Offenbach. Verantwortlich für das Wetterchaos vom Wochenende waren ihm zufolge feucht-warme Luftmassen aus dem Mittelmeerraum. Diese seien mit kühler, von Westen kommender Meeresluft zusammengestoßen und hätten so für viel Bewegung in der Atmosphäre gesorgt.

"Die warme Luft hat mit der kalten entlang einer Linie reagiert, die sich zeitweise von Rheinland-Pfalz bis nach Norddeutschland erstreckte", sagt Lux. Die feucht-warme Luft steigt dabei auf und kondensiert in der Höhe, Wolken bilden sich, es gewittert. Wie Blitze ausgelöst werden, ist zwar noch nicht vollkommen geklärt. Doch einig sind sich die Wissenschaftler über deren Entstehung: Durch die starke Bewegung laden sich die Partikel in der Wolke elektrisch unterschiedlich auf, Spannungen entstehen. "Luftteilchen, Niederschlagspartikel oder auch Hagelkörner reiben aneinander und laden die Atmosphäre auf", erklärt der DWD-Meteorologe.

Blitz unterscheidet nicht zwischen Baumarten

In der Wolke trennen sich positive von negativen Ladungen. Die positiven Teilchen werden in den oberen Teil der Wolke verfrachtet, an der Wolkenunterseite sammeln sich die negativ geladenen Teilchen. "So baut sich ein Spannungsfeld auf, das sich durch eine Art Kurzschluss - einen Blitz - wieder ausgleicht", erklärt Lux. Dabei schlagen nicht alle Blitze in den Boden ein, ein großer Teil entlädt sich zwischen den Wolken.

Im Schnitt werden in Deutschland laut DWD im Jahr zwei Millionen Blitze registriert. Die Stromstärke kann im Blitzkanal kurzzeitig bis zu 400.000 Ampere betragen, innerhalb weniger Millisekunden erhitzt sich die Luft dort auf rund 30.000 Grad Celsius. Zum Vergleich: Die Temperaturen auf der Oberfläche der Sonne sind etwa sechsmal niedriger. Immer wieder werden auch Menschen vom Blitz getroffen. "Die Wahrscheinlichkeit dafür ist zwar auf das ganze Leben gesehen nicht größer als sechs Richtige im Lotto", sagt Lux. "Aber das Risiko steigt natürlich, wenn ich in ein Gewitter gerate und mich falsch verhalte."

Wer von einem Gewitter in freier Natur überrascht wird, sollte daher Folgendes beachten:

  • Am besten ist es, ein festes Gebäude - bestenfalls mit einem Blitzableiter - aufzusuchen. Auch ein Auto bietet Schutz. Fenster unbedingt schließen!
  • Bäume, hohe Türme, Masten und Metallzäune besser meiden. Wer sich gerade in der Nähe aufhält, sollte sich möglichst weit davon entfernen - mindestens hundert Meter.
  • Der Spruch "Eichen musst du weichen, Buchen sollst du suchen" ist Quatsch. Der Blitz macht keinen Unterschied zwischen den Baumarten. Bäume daher generell meiden.
  • Auch Baden ist bei Gewitter lebensgefährlich. Das Wasser sollte sofort verlassen werden.
  • Wenn möglich, feuchte Böden meiden. Nicht auf den Boden legen oder breitbeinig platzieren. In diesem Fall würde sich zwischen Gliedmaßen Spannung aufbauen. Diese entlädt sich, indem der Strom durch den Körper fließt.
  • Auf freiem Feld: Eine Kuhle suchen und sich möglichst klein machen. In die Hocke gehen, die Füße eng zueinander stellen, mit den Armen umschlingen und den Kopf einziehen.
  • Im Gebirge bilden sich Gewitter besonders schnell. Bestenfalls zügig eine Schutzhütte aus Stein aufsuchen. Eine Holzhütte bietet keinen Schutz vor einem Blitz. Falls die Zeit dafür nicht mehr reicht: Schutzhaltung einnehmen.
  • Wer mit dem Fahrrad oder Motorrad unterwegs ist, sollte absteigen und sich in einigen Metern Abstand zu dem Zweirad aufhalten.

Am Wochenende drohen wieder Unwetter

Ein Ende des schwül-warmen Tropensommer ist nicht in Sicht: Nach einer kurzen Abkühlung zum Wochenanfang, klettern die Temperaturen spätestens ab Mittwoch wieder in die Höhe. Insgesamt gehe es wechselhaft weiter, meldet der Wetterdienst donnerwetter.de. Zum Wochenende hin sei erneut mit schweren Gewittern, Hagel, starkem Regen und Sturmböen zu rechnen.

Ohnehin hat die Hauptsaison für Unwetter in Mitteleuropa gerade erst begonnen: In den feucht-warmen Sommermonaten gewittert es dem DWD zufolge deutlich mehr als im Winter. Süddeutschland trifft es dabei häufiger als Norddeutschland, höhere Lagen häufiger als das Flachland. Besonders viele Gewitter sind entlang der Schwäbischen Alb, im Raum Stuttgart, im hessischen Ried, in der Rhön, im Erzgebirge und entlang des Alpenkamms zu verzeichnen, schreibt der DWD.

Wer ein Gewitter herannahen sieht, kann mit einer Faustformel berechnen, wie viel Zeit ihm noch bleibt, um sich in Sicherheit zu bringen: Denn wo es blitzt, donnert es auch. Allerdings bewegt sich der Schall langsamer durch die Luft als das Lichtsignal. Wer wissen will, wie weit das Gewitter entfernt ist, muss daher die Sekunden zwischen einem Blitz und dem dazugehörigen Donner zählen und diese durch drei teilen. Sind es weniger als fünf Sekunden, sollte man Schutz suchen, rät Lux. Denn dann ist der Blitz nur noch gut anderthalb Kilometer entfernt.

 
 
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