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17. Oktober 2006, 06:30 Uhr

Die Mimik liegt in der Familie

"Schau doch nicht so grimmig drein." Dieser wohlgemeinte Rat geht wahrscheinlich oft ins Leere: Der typische Gesichtsausdruck eines Menschen liegt offenbar in den Genen, vermuten Forscher.

Blinde Sängerin Corinna May: Familienspezifische Signatur im Mienenspiel, die nicht dadurch entsteht, dass der eine sie beim anderen abschaut© David Hecker/DDP

Das typische Mienenspiel eines Menschen wird zumindest zum Teil vererbt. Das zeigt eine vergleichende Studie israelischer Forscher mit 21 von Geburt an Blinden: Obwohl die Probanden die Gesichtsbewegungen ihrer Verwandten nie gesehen hatten, ähnelte ihre Mimik der ihrer Familienangehörigen stärker als der von Fremden, entdeckten die Forscher. Eine unbewusste Imitation des Mienenspiels scheidet aufgrund der angeborenen Blindheit dabei aus. Über ihre Ergebnisse berichten Gili Peleg von der Universität von Haifa und ihre Kollegen in der Fachzeitschrift "PNAS".

Jede Familie verzieht die Miene auf ihre ganz eigene Weise

Während emotionale Gesichtsausdrücke in ihren Grundzügen angeboren und universell sind, unterscheiden sie sich von Mensch zu Mensch in den feinen Muskelbewegungen der Gesichter. So entstehe die persönliche Signatur im Mienenspiel einer jeden Person, schreiben die Wissenschaftler. Ob diese feinen Unterschiede ebenfalls angeboren sind oder aber erlernt werden, wollten die Forscher nun mit ihrer Studie herausfinden. In Interviews analysierten sie dazu die Gesichtsbewegungen der blinden Probanden im Zusammenhang mit sechs unterschiedlichen Emotionen: Ärger, Trauer, Freude, Ekel, Überraschung und Konzentration. Die Ergebnisse verglichen sie anschließend mit den Bewegungen von Verwandten und völlig Fremden.

Die Bewegungen der Gesichtsmuskeln der Blinden hatten mehr Gemeinsamkeiten mit denen ihrer Familienmitglieder als mit denen von Fremden, beobachteten die Wissenschaftler. Besonders deutlich kam diese Ähnlichkeit bei den negativen Emotionen zum Vorschein, da hierfür sehr detaillierte Gesichtsbewegungen nötig sind. Demnach existiere eine familienspezifische Signatur im Mienenspiel, die nicht dadurch entstehe, dass der eine sie beim anderen abschaue, schließen die Forscher. Den komplexen Bewegungen liegen daher wohl auch genetische Ursachen zugrunde.

Autismus-Forschung könnte profitieren

Den Forschern zufolge könnten diese Informationen nun den Anstoß zur Suche nach Genen liefern, die an der Ausprägung der Gesichtsbewegungen beteiligt sind. Die Erforschung von Erkrankungen wie Autismus, bei denen die Gesichtsmimik beeinträchtigt ist, könnten von solchen Studien zukünftig profitieren, schreiben die Wissenschaftler.

DDP
 
 
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