Forscher finden Blutreste an Ötzi

2. Mai 2012, 10:59 Uhr

Wissenschaftler haben 5300 Jahre alte rote Blutkörperchen am Gletschermann Ötzi entdeckt. Der älteste Blutnachweis der modernen Forschung könnte für die Gerichtsmedizin von großer Bedeutung sein.

Gletschermann, Ötzi, Forscher, Wissenschaftler

Forscher identifizieren über 5000 Jahre altes Blut am Gletschermann Ötzi.©

Mehr als zwanzig Jahre nach seiner Entdeckung sorgt der Gletschermann Ötzi für eine neue Überraschung. Deutsche und italienische Wissenschaftler haben an ihm rote Blutkörperchen gefunden. Es sei zum ersten Mal gelungen, Blutreste an der 5300 Jahre alten Mumie nachzuweisen, erklärt Albert Zink, Leiter des Instituts für Mumien und den Iceman an der Europäischen Akademie Bozen (EURAC). Damit handele es sich um den ältesten Blutnachweis der modernen Forschung. Ötzis tiefgefrorene Leiche war 1991 in den Ötztaler Alpen an der Grenze zwischen Österreich und Italien entdeckt worden.

"Es gab bislang keine Erkenntnisse darüber, wie lange Blut erhalten bleibt - geschweige denn, wie menschliche Blutkörperchen aus der Kupferzeit aussehen", sagt Zink. Die Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler im "Journal of the Royal Society Interface".

Möglich wurde der Nachweis durch nanotechnologische Verfahren. Zunächst verwendeten die Forscher ein Rasterkraftmikroskop und untersuchten damit Gewebeproben aus der Pfeileinschuss-Wunde am Rücken, die dem Gletschermann offenbar einst das Leben kostete, und aus einer Schnittwunde an seiner rechten Hand. Ein Rasterkraftmikroskop vermisst mit einer feinen Spitze die Oberfläche von Gewebeproben und zeichnet ein dreidimensionales digitales Abbild. "Zum Vorschein kam das Bild von roten Blutkörperchen mit der klassischen 'Doughnut-Form' - der gleichen Form, wie sie bei gesunden Menschen unserer Zeit vorliegt", berichtet Zink.

Danach bestrahlten die Wissenschaftler die Gewebeproben mit intensivem Licht (Raman-Spektroskopie), um auszuschließen, dass es sich um Pollen oder Bakterien handelte. So konnten sie unterschiedliche Moleküle identifizieren. Die daraus gewonnenen Bilder stimmten mit modernen Proben menschlichen Bluts überein, berichtet das Forscherteam.

Neue Erkenntnisse könnten Gerichtsmedizin helfen

Die Wissenschaftler erhoffen sich von der 5300 Jahre alten Blutprobe auch Erkenntnisse für die moderne Gerichtsmedizin und darüber, wie Blutspuren sich mit der Zeit verändern. Bisher sei es kaum möglich, bei Tatortuntersuchungen das exakte Alter einer Blutspur zu bestimmen, sagt Zink.

Die Untersuchungen untermauerten obendrein die These, dass Ötzi direkt an der Verletzung starb und nicht erst Tage danach, wie Zink zufolge zwischenzeitlich vermutet wurde. Denn die Forscher fanden an der Pfeileinschuss-Wunde Fibrin, ein Protein, das die Blutgerinnung steuert.

Ötzi ist einer der am intensivsten untersuchten Menschen überhaupt. Er wurde geröntgt, in Computertomographen geschoben, sein Mageninhalt wurde analysiert, seine Muskeln rekonstruiert, seine Knochen genau untersucht und immer wieder machten sich Experten daran, sein Erbgut zu entschlüsseln. Dadurch ist heute in etwa bekannt, wie Ötzi in der Jungsteinzeit lebte, wie er aussah, wie er bekleidet war, welche Werkzeuge er nutzte und welche Krankheiten er hatte. Demnach litt er unter anderem an Gallensteinen und Fleisch aß er auch, wenn es schon Maden hatte. Kurz vor seinem Tod hatte der Gletschermann Steinbock, Brot und Salat gegessen.

Zum Thema
Schlagwörter powered by wefind WeFind
Bakterien Italien Jungsteinzeit Salat Zink
Wissen
Wissenstests
Wie gut ist Ihr Allgemeinwissen? Wie gut ist Ihr Allgemeinwissen? Kniffliges für Ihr Hirn: Quizzen Sie sich zum Allgemeinwissens-Champion! Mit diesen Fragen und Antworten sammeln Sie zudem genug Stoff für jeden Party-Smalltalk. Zu den Wissenstests
 
Extra
Lebensmittelunverträglichkeiten: Wenn Essen zur Qual wird Lebensmittelunverträglichkeiten Wenn Essen zur Qual wird
Noch Fragen?

Neue Fragen aus der Wissenscommunity

  von Gast 104849: ist es möglich mit 58 Jahren (weibl.) angestellt zu werden?

 

  von hacalu: Bin zur Zeit arbeitslos, bekomme 21 Tage urlaub. Warum wird Samstag und Sonntag als Urlaubstag mit...

 

  von Gast 104798: Lohn für Wiedereinsteiger als Elektriker. Wie hoch ist der Stundenlohn?

 

  von moonlady123456: Flash-Player deinstallieren wegen Sicherheitslücke...?

 

  von Gast 104778: Sim -Karten Wechsel

 

  von Gast 104762: Ich habe bereits einen Minijob, kann man einen zweiten über seinen Ehepartner anmelden ?

 

  von Gast 104747: Wo werden Wrangler Jeans hergestellt

 

  von Gast 104735: Hausbau, steuerliche Vorteile oder auch Nachteile

 

  von Labia: Krankheitsbild

 

  von Amos: Rauchen auch auf dem Balkon bald verboten? Rauchen nur noch im Keller unter Luftabschluß?

 

  von Amos: Ich kapiere es einfach nicht: hätte ich 100.000 Schweizer Franken: wären das jetzt mehr oder...

 

  von StechusKaktus: Was genau kauft die EZB im Rahmen des QE an?

 

  von blog2011: Problem mit dem Downloadhelper auf YouTube im Firefox-Browser

 

  von bh_roth: Gibt es mehr als einen Bundespräsidenten??

 

  von Gast 104252: Umzug eines Hartz iv-Empfängers in das elterliche Haus

 

  von wiesse: Muss ein Inkassobüro den Nachweis erbringen, dass sie den Auftrag vom Auftraggeber erhalten haben

 

  von Reinhard49: wie hoch ist die Kfz-Steuer bei Dieselfahrzeugen

 

  von Gast 104125: Warum weht der Wind VOM Tiefdruckgebiet her ? Zum Luftdruckausgleich müsste ein Tief doch eher...

 

  von Celsete: Muss man sich mit dem System Hartz IV abfinden?

 

  von Amos: Hörte eben: the Secretary General für den Uno-Generalsekretär. Wieso ist das umgekehrt wie im...