3. Februar 2009, 11:54 Uhr

Armut, die zu Kopf steigt

Fast 2,5 Millionen Kinder gelten bei uns als "armutsgefährdet". Das ist nicht einfach nur schade oder bemitleidenswert, sondern Grund zu großer Sorge, wie auch Hirnforscher bestätigen. Denn der äußere Mangel kann schon bei Babys zu inneren Reifungsverzögerungen führen, die sie ein Leben lang nicht mehr los werden. Von Frank Ochmann

 
Kopfwelten, Hirnforschung, Kinderarmut

Laut Hartz-IV-Regelung liegt die Kinderstütze bei nur 60 Prozent des Erwachsenensatzes©

Unruhe und auch schlechtes Gewissen machte sich kürzlich breit, als das Bundessozialgericht die geltenden Hartz-IV-Regelungen für Kinder ablehnte und das Bundesverfassungsgericht einschaltete. Das soll die entsprechenden Gesetze kippen. Denn, so die Richter, es ließe sich nicht nachvollziehen, wie der aktuelle Satz der Kinderstütze (211 Euro monatlich bis zur Vollendung des 13. Lebensjahres, also 60 Prozent des Erwachsenensatzes) begründet werde.

In der Tat, wer sagt denn, dass Kinder genau oder wenigstens im statistischen Mittel 60 Prozent der durchschnittlichen Erwachsenenration essen? Haben sie nur 60 Prozent der Stoffmenge am Leib, die ihre Eltern für Kleidung brauchen? Und sind die Kleinen mit 60 Prozent des Hartzschen Freizeit-, Unterhaltungs-, und Kulturbudgets von 71 Euro im Monat, das man den Erwachsenen zubilligt, hinreichend zu bespaßen? Davon muss sich notfalls sogar die Bildung noch ein Scheibchen abschneiden. Denn für diesen Posten wird in Deutschland, dem "Land der Ideen", sozialhilfebedürftigen Kindern genau so viel wie Hartz-Erwachsenen gewährt: null komma nichts.

Nehmen wir für das Folgende eine gedankliche Abkürzung und lassen wir beiseite, dass sicher fast überall in Afrika und vermutlich auch in Bangladesch noch für "reich" gehalten würde, wer bei uns das amtliche Existenzminimum von monatlich 617 Euro unterschreitet. Hier ist nicht Afrika, und hier fließt auch nicht der Ganges. Wer an Elbe, Rhein oder Isar arm ist, sieht selbst in Krisenzeiten den mehr oder minder satten Wohlstand von fast allen anderen - und weiß darum auch schon als Kind, wo sein eigener gesellschaftlicher Platz ist: ganz unten. Das ist weit mehr als ein Schönheitsfehler unseres Sozialstaates.

Entwicklungsstörungen in zwei wichtigen Hirnbereichen

Vom "sozio-ökonomischen Status" sprechen Wissenschaftler, wenn sie Menschen nach Einkommen, Bildung und Beschäftigungsstand einteilen (international abgekürzt "SES" = "socioeconomic status"). Für unser armes Kind ändert sich dadurch zunächst einmal nichts - es bleibt "unten". Weil sich das jetzt aber bis hinauf nach "ganz oben" über klar definierte Stufen vergleichen lässt, können Forscher sich auch der Frage widmen, wie es einem Kind aus dem sozialen Bodensatz im Vergleich zu den anderen ergeht. Besser, schlechter oder genau so? Statistisch lässt sich so zum Beispiel seine Gesundheit beurteilen, auch sein Stressverhalten oder das Konzentrationsvermögen, seine schulischen Leistungen und überhaupt alles, was der kleine Kopf so hergibt. Auch wie der sich über die Jahre entwickelt, lässt sich nun beobachten und jeweils mit der Reifung von Kindern ins Verhältnis setzen, die vielleicht nicht schlauer oder netter, trotzdem aber schon per Geburt "Elite" sind.

Seit etlichen Jahren wird dieses Forschungsfeld beackert. Martha Farah und Daniel Hackman, Psychologen der University of Pennsylvania in Philadelphia, haben jetzt alles zusammengetragen und ziehen eine erschreckende Bilanz. Vor allem in zwei wichtigen Hirnbereichen lassen sich Entwicklungsstörungen festmachen, die mit einem niedrigen Sozialstatus einhergehen: In Arealen der linken Hirnhälfte nämlich, die mit dem Sprachvermögen zusammenhängen, und dazu auch im Stirnhirn, dem "präfrontalen Kortex", der entscheidend dazu beiträgt, wie wir uns tagtäglich verhalten. Dort werden Handlungsalternativen abgeschätzt. Dort wird der Gefühlsstrom aus dem Inneren des Gehirns kontrolliert und reguliert. Dort wird auch anhand sozialer Erfahrungen beurteilt, was "man" so tut in einer bestimmten Situation und was eher nicht. Was also soll aus einem werden, wenn die verinnerlichten Maßstäbe entweder nicht stimmen oder aber nicht angelegt werden können?

Je ärmer, desto zaghafter

Schon früh lassen sich Veränderungen entdecken. Bei gerade mal sechs Monate alten Babys fanden niederländische Forscher der Erasmus-Universität Rotterdam deutliche Einflüsse eines niedrigen Sozialstatus auf das Temperament der Kinder. Die stärkste Beziehung fanden die Rotterdamer bei der Ängstlichkeit der Kinder - je ärmer, desto zaghafter. Und je ärmer die Umgebung war, in der sie aufwuchsen, desto zappeliger waren die Babys. Auch wenn diese frische Studie noch manche Frage offen lässt und mit ähnlichen Untersuchungen verglichen werden muss, gibt es doch klare Tendenzen, die sich in der Entwicklung von über 7000 Kleinkindern verschiedener ethnischer Herkunft abzeichnen. Schon in den Köpfen von Kindern, die erst wenige Monate alt sind, lässt sich wenigstens statistisch ablesen, aus welcher gesellschaftlichen Schicht sie stammen.

Es wäre trotzdem zu einfach, frühkindliche Prägungen als einen biologischen Panzer zu sehen, aus dem es zeitlebens kein Entrinnen mehr gibt. Immer wieder lassen sich einzelne Biografien finden, die das eindrucksvoll widerlegen. Was sie aber trotz aller Erfolge nicht vom Tisch wischen können, ist die statistische Last, die Kinder in Armut - auch in "relativer Armut", wie es bei uns offiziell heißt - in jedem Fall tragen müssen. Ihre Herkunft und die Verhältnisse, in denen sich ihr Gehirn entwickeln musste, werden sie ein Leben lang nicht mehr los. Auch dann nicht, wenn sie "es schaffen" und sich vielleicht sogar bis an die Spitze kämpfen, hinauf in den Lebensraum der "Elite". Schwerer als die meisten Altersgenossen aus begüterten Familien haben sie es immer. Nicht weil sie dümmer oder weniger nett sind, sondern allein wegen ihrer Herkunft.

Passt das in unseren "Sozialstaat"? Auch mitten in einer Wirtschaftskrise sind wir noch lange nicht arm genug, um solche Armut zulassen zu dürfen. Und mit nüchternem Blick auf die so oder so gemeinsame Zukunft könnten wir sie uns nicht einmal leisten, wenn uns verkrachte Einzelschicksale gänzlich ungerührt ließen. Literatur: Adler, N. E. et al. 1994: Socioeconomic Status and Heath, American Psychologist 49, 15-24
Evans, G. W. 2004: The Environment of Childhood Poverty, American Psychologist 59, 77-92
Farah, M. J. et al. 2006: Childhood poverty: Specific associations with neurocognitive development, Brain Research 1110, 166-174
Hackman, D. A. & Farah, M. J 2009: Socioeconomic status and the developing brain, Trends in Cognitive Sciences 13, 65-73
Jansen, P. W. et al. 2009: Socioeconomic inequalities in infant temperament - The Generation R Study, Social Psychiatry and Psychiatric Epidemiology 44, 87-95
Raizada, R. D. S. et al. 2008: Socioeconomic status predicts hemispheric specialisation of the left inferior frontal gyrus in young children, NeuroImage 40, 1392-1401

Frank Ochmann

Frank Ochmann Der Physiker und Theologe verbindet als stern-Redakteur natur- und geistes-
­wissenschaftliche Interessen und befasst sich besonders mit Fragen der Psychologie und Hirnforschung. Im März erschien sein Buch "Die gefühlte Moral: Warum wir Gut und Böse unterscheiden können".

Von Frank Ochmann
 
 
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KOMMENTARE (10 von 25)
 
vita (06.02.2009, 08:48 Uhr)
Entscheidung
Ich bin Mitte 30, habe ein Kind, bin allein erziehend und staune über den Stern.
Noch vor ca. einem halben Jahr ein großer Artikel darüber, dass Hilfe bei dieser Klientel nicht ankommt und alle Versuche mit Geld oder ausgebildeten Helfern verpuffen, das gleiche vor ca. einem Jahr mit einem weiteren fundiert wirkenden Artikel.
Nun ein Schwenk in die biologistische Ecke, in der nun Hirnareale von Armut betroffen sein sollen und Schäden nachweisbar sein sollen.
Bisher liest sich das für jemanden, der sich mit Hirnentwicklung beschäftigt tendenziös und die Anzahl der Zitatstellen sollte nicht darüber hinweg täuschen, dass da jemand eine Meinung vertritt, mit Sicherheit aber kein "Wahrheit" verkündet.
Es wird kurz angemerkt, dass es offene Fragen gibt, diese rücken aber bei der Intention des Autors scheinbar soweit in den Hintergrund, dass er nicht mal im Ansatz hinterfragt.
Aber mal weg vom Artikel und hin zum Thema. Hier schrieb jemand, dass Menschen in dieser Lebenssituation selten die Leistungen der Kommune nutzen und das kann ich nur bestätigen.
Bei uns ist sogar die Nutzung der großen Stadtbibliothek für Menschen unter 18 wie auch die der Unibibliothek kostenlos und genutzt wird sie in den seltendsten Fällen von Kindern sozial schwacher. Freizeitangebote, kostenlos von der Stadt oder anderen Trägern angeboten werden, werden nicht genutzt und das Engagement dieser Eltern an Schulen oder Kitas ist mehr als mager.
Nun die Hirnareale heranziehen zu können scheint zunächst einfach.
Aber: haben nun wohlhabend aufgewachsene ALG II-Eltern, die wir zum größten Teil in diesem Land vorweisen können, seit ALG II fehlentwickelte Kinder, weil diesen der Bescheid vom Amt bekannt ist oder sind es nicht doch die Lebensumstände, die zappelige Babys hervorrufen, weil den Tag über der Fernseher das Baby beschallt und Zuwendung Mangelware ist?
Ich wäre mit den Schlüssen in diesen Fällen mehr als Vorsichtig, denn wenn man es weiter denkt, hieße das, dass wir eigentlich eine Welt voll Menschen sein müßten, die Probleme mit der Hirnentwicklung haben...
Dudu (04.02.2009, 14:03 Uhr)
@Euridike
"Es ist schließlich keine Entscheidung, ob man arbeitslos ist oder nicht."
Doch in den allermeisten Fällen ist eine Entscheidung möglich. Man beachte, dass die durchschnittliche Bezugsdauer relativ kurz ist, glaube unter 6 Monaten. Also während des "hohen" Arbeitslosengeld I (bis zu 18 Monate) keine neue Stelle gefunden, aber innerhalb von 6 Monaten beim AlG II. Finde ich schon bezeichnent.
schmutz (04.02.2009, 14:03 Uhr)
@Dudu
Ich schreibe das sie es versuchen. Es ist mehr als schwer und es ist eben nicht immer möglich. Besonders die soziale Teilhabe leidet und diese ist für die gesunde Entwicklung eines Kindes genauso wichtig wie eine gesunde Ernährung. Sicherlich ist es mehr als Bedenklich, das unter sozialer Teilhabe in Deutschland (und nicht nur hier) z.B. auch Kleidung bestimmter Marken zählt, aber dies ist die Gesellschaft in der unsere Kinder aufwachsen. Es ist die Gesellschaft die wir ihnen gegeben haben, denn die Grundlagen dafür haben wir gelegt. Dafür müssen wir uns schämen.
Ich lese aus ihrem Kommentar:
"Aber mal ehrlich, was würde denn geschehen, wenn sich eine Familie mit Sozialhilfe (Hartz IV) alles leisten könnte und es nicht schwer hätte. Ganz einfach, es würde in D. niemand mehr arbeiten gehen."
ebenfalls den Vorwurf der Arbeitsverweigerung heraus, vielleicht haben Sie es so nicht gemeint.
Euridike (04.02.2009, 13:48 Uhr)
@dudu
Ich habe Ihnen da gar nichts unterstellt bzw. unterstellen wollen. Das sind einfach meine Ausführungen zu Ihrer Feststellung, dass wohl in D. niemand mehr arbeiten gehen wollte, hätten Hartz IV-Empfänger genügend Geld. Es ist schließlich keine Entscheidung, ob man arbeitslos ist oder nicht. Man wird es - und viele haben keinerlei Chancen mehr, das vorhergehendes normale Arbeitsleben wieder aufnehmen zu können.
Dudu (04.02.2009, 12:57 Uhr)
@Euridike
Bitte erst lesen, dann denken und anschließend noch einmal nachdenken

Wo habe ich irgendwas von Arbeitsverweigern geschrieben oder einem Arbeitslosen oder einem Hartz IV Empfänger dieses unterstellt? Bitte um das Zitat.
Euridike (04.02.2009, 12:47 Uhr)
@ Dudu
Was für eine Argumentation: wen die Arbeitslosigkeit trifft, der soll möglichst armselig vor sich hin vegetieren, ebenso seine Kinder, sonst wollen die am Ende nicht mehr arbeiten?
.
Dudu, haben Sie schon davon gehört, dass es nicht genügend Lehrstellen und Arbeitsplätze gibt. Dass Arbeiter über 45 (und erst recht jenseits des 50.Lebensjahres) fast keine Chance auf eine normale Stelle mehr haben. Dass wer dann arbeitslos ist sich auf der direkten sozialen Rutschbahn nach unten befindet, inklusive der Kinder?
.
Die Mär von den Arbeitsverweigerern ist doch längst widerlegt, wer will, kann noch lange nicht arbeiten. Und selbst wenn er einen (noch) schlechter bejahlten Job findet, dann kann er noch lange nicht davon leben. - Das ist doch für die Gesamtgesellschaft beschämend und unwürdig!
Euridike (04.02.2009, 12:25 Uhr)
@schmutz - Ja, es ist beschämend!
Ihrem Artikel ist eigentlich nichts hinzuzufügen, Sie haben 100%ig Recht!
Ich wünschte, Ihre Sätze würden unseren Politikern noch lange in den Ohren gällen.
Dudu (04.02.2009, 12:25 Uhr)
@schmutz
Sie schreiben doch selbst, dass es auch unter Hartz IV Bezug möglich ist, die Kinder vernünftig zu ernähren und zu betreuen ....

Das es natürlich schwer ist, steht doch außer Frage, aber es ist machbar, wenn die Eltern es denn wollen. Wollen die Eltern nicht, dann bringt den Kindern eine höhere finanzielle Leistung rein gar nichts.

Aber mal ehrlich, was würde denn geschehen, wenn sich eine Familie mit Sozialhilfe (Hartz IV) alles leisten könnte und es nicht schwer hätte. Ganz einfach, es würde in D. niemand mehr arbeiten gehen.
schmutz (04.02.2009, 12:16 Uhr)
Beschämend !
Das ist das einzige Wort, das zum Thema Kinderarmut fallen sollte. Beschämend für ein Land wie Deutschland, das so etwas gibt. Beschämend sind die Leute, die sofort die "Hartz IV Eltern sind an allem selber schuld" Keule auspacken. Dies ist schlicht eine Lüge. Ich kenne Eltern, die Hartz IV beziehen und diese Leute tun alles, um ihre Kinder Gesund zu ernähren, Vernünftig zu Erziehen und ihnen alle Perspektiven zu bieten. Im Gegensatz dazu sehe bei Kindern aus "gutem Hause" derartige Defizite im sozialen Umgang, das einen das Grauen packt.
Ja, es gibt Familien, die Hartz IV beziehen und denen die Kinder egal sind. Aber diese Leute sind die Ausnahme und nicht die Regel. Es gibt auch Kinder aus reichem Hause, die eine gute soziale Bildung und Erziehung genießen. Beiträge wie der von Maria 100 regen mich dermaßen auf.
Ich bin erschüttert, wie schwer es ist Kinder mit einem lächerlichem Hartz IV Satz Gesund zu ernähren, ihnen Bücher, Kleidung, Theaterbesuche zu bieten. Die betreute Ganztagsschule in unserem Ort kostet über 100,- € im Monat und sie wird nicht vom Amt übernommen. Die Begründung: Sie sind doch Arbeitslos, da haben sie Zeit. Das man sein Kind aber auf eben diese Schule schicken will um arbeiten gehen zu können, das zählt nicht.
Die Bürokratie in Deutschland treibt diese Kinder in die Armut. Sie nimmt ihnen Chancen, Würde, Ehrgeiz. Sie gibt ihnen das Gefühl das ihr Anteil an der Gesellschaft weniger Wert als der des Banknachbarn in der Schule.
Selbst wenn sie als Eltern arbeiten, werden sie mit knapp 40 (!) Jahren arbeitlos und versuchen dann eine neue Stelle zu finden, die der entstpricht die sich sich in 10 Jahren aufgebaut haben.
Liebe Maria1000 man kommt schneller in den Genuss Hartz IV zu bekommen als sie denken. Dann zu behaupten die Eltern wären selber schuld am Elend der Kinder ist so ähnlich als würde man Frauen unterstellen sie wollten ja vergewaltigt werden. Infam, lächerlich und beschämend.
Kinder sind die Schwächsten Mitglieder unserer Gesellschaft, aber sie sind die Zukunft dieses Landes ! Und jedem Kind dem durch Bürokratie, Abstammung, Elternhaus die gleichen Chancen wie einem anderem Kind verwehrt werden ist eine Schande und es verstößt gegen das Grundgesetz dieses Landes, gegen die Grundsätze auf der unsere 60 Jahre alten Demokratie aufbaut.
Kinderarmut ist und bleibt eine Schande für Deutschland ! Statt Milliarden an bankrotte Landesbanken zu verschwenden sollte dieses Geld für die Bekämpfung dieses nicht tragbaren Zustandes verwenden.
Denn nur so sichern wir uns alle Talente unserer Kinder für die Zukunft dieses Landes und wir können uns nicht leisten auch nur ein Talent zu verlieren !

Dudu (04.02.2009, 11:57 Uhr)
Unwissenheit
schützt nicht vor Stern.de
Unglaublich, dieser Redakteur hat studiert?

Es gibt weder einen Warenkorb noch eine Zumessung eines bestimmten Betrages (im Artikel: Freizeit-, Unterhaltungs-, und Kulturbudgets von 71 Euro im Monat). Auch behauptet niemand, dass Kinder nur 60 % des Essensbudget eines Erwachsenen benötigen. Es gibt die EVS. Diese ermittelt, welche Konsumausgaben der "normale" Haushalt so tätigt. Hierbei wird nicht unterschieden, dieser Joghurt ist für Junior, dieser für Papi usw.

Mal abgesehen, benötigt eine 62-jährige Frau sicher auch wesentlich weniger Nahrung, als ein 25-jähriger Mann.

Was die gefühlte Situation anbelangt, ist dass doch ziemlicher Quack mit Sauce. Wer sagt denn, dass das Hartz IV Kind wirklich schlechter darsteht als das Nachbarskind aus einem Arbeitnehmerhaushalt. Nur unsere Medien und die Gesellschaft schreien jeden Tag das Hartz IV Kind an, DU BIST DER ARME, DU BIST DER ARME
und das hat natürlich Folgen auch für das Selbstbewustsein der betreffenden Kinder. Villeicht sollten wir endlich mal aufhören, Hartz IV = Armut zu setzen. Eine 4 köpfige Familie mit 1500 bis 1800 Euro monatlich, ist auch in Deutschland nicht wirklich arm.
Kopfwelten

stern-Redakteur Frank Ochmann berichtet über Aktuelles aus Hirnforschung und Psychologie und kommentiert Denk- oder auch Fragwürdiges.

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