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27. Oktober 2009, 13:41 Uhr

Wenn am Pol die Palmen sprießen

Pflanzenfunde in der Arktis belegen, dass dort vor Millionen Jahren ein warmes, feuchtes Klima herrschte. Die gängigen Computermodelle aber versagen, wenn sie diese Verhältnisse rekonstruieren sollen. Und das ist nur ihr jüngster Flop. Von Frank Ochmann

Zoom
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Können die Liegestühle bald in Grönland aufgeklappt werden?© Colourbox

Palmenpollen wurden in der Arktis entdeckt. Können wir die Liegestühle also bald an Grönlands Küste schieben oder auf Spitzbergen schwitzen, während der Wind durch Palmenhaine weht? Glaubt man den lautesten Klimawarnern, dürfte es bis dahin gar nicht mehr so lange dauern. Vorerst allerdings liegt die geografische Sommer-Sonne-Räkel-Zone noch etliche Breitengrade südlich der Heimat von Eisbären und Walrossen.

Was Wissenschaftler aus den Niederlanden und Deutschland in Bohrproben aus dem Jahr 2004 an spektakulären Pflanzenresten entdeckt haben, stammt aus einer Warmzeit, die vor rund 53 Millionen Jahren – nicht zum ersten und nicht zum letzten Mal – tropische Verhältnisse in die Arktis brachte. Pollen von Pinien, Eichen, Haselnussbäumen und eben auch Palmen fanden die Forscher im Meeresboden, nur fünf Breitengrade südlich des geographischen Nordpols in Ablagerungen des Lomonossow-Rückens. Ungefähr an derselben Stelle und nicht etwa am Äquator lag dieser heute ozeanische Gebirgszug auch schon damals. Bislang waren Palmen nur bis zu einer nördlichen Breite von 60 Grad nachgewiesen worden. Das entspricht der Südspitze Grönlands oder der Lage der norwegischen Stadt Bergen. Das jetzt untersuchte frühere Palmengebiet liegt dagegen sogar noch ein ganzes Stück nördlich von Grönland.

Nicht kälter als acht Grad Celsius

Was aber vielleicht noch bemerkenswerter ist, sind die Schlussfolgerungen, die aus diesem überraschenden Fund gezogen werden können. Selbst in den kältesten Monaten, so die Autoren der Studie um den Paläo-Ökologen Appy Sluijs von der Universität Utrecht, kann nämlich die Durchschnittstemperatur in der vermeintlich ewigen Eisregion acht Grad Celsius nicht unterschritten haben. Anderenfalls hätte nicht lange überlebt, was dort oben offenbar blühte und gedieh und sich schließlich als Sediment ansammelte. Und es war sicher nicht nur eine Palme, die sich in den hohen Norden verirrt hatte. Bis zu vier Prozent der jetzt in verschiedenen Proben entdeckten Pollen stammen von Palmen, die demnach ein verbreiteter Teil nordischer Flora gewesen sein müssen.

Besonders spannend ist der nächste Schritt. Was sagen denn gängige Klimamodelle über diese Zeit? Mit aufwendigen Computersimulationen blicken Forscher bekanntlich weltweit in unsere atmosphärische Zukunft. Im Prinzip ist das so wie bei den Wettervorhersagen. Doch gehen die Prognosen der Klimaforscher weit darüber hinaus. Und so beschreiben sie nicht nur, ob es übermorgen in Hamburg regnet oder in München der Fön bläst, sondern sie nehmen sich das globale Geschehen in der Atmosphäre vor, um Vorhersagen für die nächsten Jahre und Jahrzehnte zu gewinnen. Weil diese die Grundlage für praktisch alle klimapolitischen Entscheidungen sind, ist die Genauigkeit der Computermodelle ein Knackpunkt der Klimaforschung.

Die atmosphärische Entwicklung hängt von vielen untereinander oft wieder verknüpften Variablen ab. Von der Landverteilung zum Beispiel und auch vom Kohlendioxidgehalt der Luft darüber. Denn Kohlendioxid - das weiß inzwischen jedes Kind - ist ein so genanntes Treibhausgas: Viel CO2 macht viel Wärme, zuviel CO2 macht zuviel Wärme. So die kinderleichte Regel. Aber wie viel ist zuviel? Das prognostizieren die Klimamodelle. Falls sie verlässlich sind, heißt das.

Da nun ein greifbarer und nicht nur errechenbarer Beleg für die arktischen Klimaverhältnisse und die ungefähre Temperatur vor rund 53 Millionen Jahren existiert, lässt sich testen, wie die Funde zu dem passen, was die Computer für die entsprechenden Bedingungen errechnen. Die dafür ebenfalls noch nötige Kohlendioxid-Konzentration kann für so weit entfernte Zeiträume auf etwas verschlungenem physikalisch-chemischem Weg zum Beispiel aus der Analyse von Plankton-Schalen bestimmt werden. So ungefähr jedenfalls.

Frank Ochmann Der Physiker und Theologe verbindet als stern-Redakteur natur- und geistes­wissenschaftliche Interessen und befasst sich besonders mit Fragen der Psychologie und Hirnforschung. Mehr auf seiner Homepage.

Seite 1: Wenn am Pol die Palmen sprießen
Seite 2: Erschreckend viel Kohlendioxid war in der Luft
KOMMENTARE (10 von 15)
 
NielsBohr (30.10.2009, 11:35 Uhr)
@Frank_Ochmann Endlich den Beitrag loeschen!!!
Es ist immer wieder das Gleiche: Da ja jeder denkt was vom Wetter und somit ja wohl auch vom Klima zu verstehen erscheinen immer wieder diese ramdoesigen Artikel. Und es ist immer wieder das gleiche: Zuerst wird eine Beobachtung/wissenschaftliche Publikation aus dem Zusammenhang gerissen und wie in diesem Fall falsch interpretiert (z.B. Palmen nicht gleich tropisch), dann werden Zweifel gesaet, und danach wird sich ueber Experten laecherlich gemacht (oh was fuer Idioten alle anderen sind, hoho). Das ist einfach nicht redlich, und bevor man sich ueber Umgangsformen anderer beschwert sollte man zuerst mal auf sich selbst schauen. Und mal als Tip: vor 4 Millarden Jahren gab es keinen Sauerstoff in der Atmosphaere, trotzdem hat doch die Erde sich entwickelt, sie braucht also gar keinen atmosphaerischen Sauerstoff, oder?
GeorgHoffmann (30.10.2009, 09:04 Uhr)
Klimaschmock des Monats
@Frank Ochmann
"Wenn Sie es dann auch noch schaffen, selektives Lesen zu überwinden, wäre für die Diskussion wirklich viel gewonnen."
Na so richtig waren wir, glaube ich, noch nicht in die Diskussion eingetreten. Aber wenn Sie mir noch naeher erläutern wollen, was fue Sie "tropisches Klima" bedeutet, wieso Klimamodelle "mal wieder floppen", wenn eine sehr sehr spezifische Anwendung wie Abschätzungen der Biodiversität nicht funktionieren (oder angeblich nicht funktionieren, ich habe diesen Teil ihres Artikels gar nicht so recht gewuerdigt, aber auch zwei verschiedene Beobachtungsklimatologien ergäben sehr unterschiedliche Biodiversitaeten, floppen dann auch die Beobachtungen? Und was sagt das ueber das Klimamodell, wenn man damit nicht die Verteilung von Voegelspecies berechnen koennte?), oder ob das "Floppen" der Modelle wohl gut am ETM2 bemessen werden kann und ob die existierende Literatur zu diesem Event sich schlicht mit dem Wort "die Modelle floppen" zusammenfassen laesst, wenn Sie also irgendeinen dieser Punkte noch erläutern und diskutieren wollen, Sie wissen wo Sie mich im Internet finden könnnen.
Abrazos Georg Hoffmann
Frank_Ochmann (29.10.2009, 18:32 Uhr)
Ein letztes ...
@GeorgHoffmann
1. Nochmals Dank. 2. Wenn Sie es dann auch noch schaffen, selektives Lesen zu überwinden, wäre für die Diskussion wirklich viel gewonnen.

@NielsBohr
Ihnen empfehle ich einen Grundkurs für abendländische Umgangsformen. Das hat der Namensgeber Ihres Pseudos wirklich nicht verdient.

Und nun allen zusammen noch einen schönen Abend!
FO
NielsBohr (29.10.2009, 17:10 Uhr)
@Frank_Ochmann Loeschen
Vielleicht kann man dann auch mal - wenn man so ein Scheiss geschrieben hat - sich korrigieren, oder zumindestens mal Stellung dazu nehmen!
(Nø, jetzt erst recht)
GeorgHoffmann (29.10.2009, 16:04 Uhr)
Klimaschmogg des Monats
@Frank Ochmann
<blockquote>Das kam jetzt aber wirklich überraschend! ;-)</blockquote>
Na, dafuer nicht, wie man so sagt.
Wenn ich auch wirklich ganz und gar nicht mit ihrem Artikel einverstanden bin, will ich auch mal was Nettes sagen. Sie sind der einzige Journalist (soweit ich mich jetzt erinnere), der einfach konsequent die Artikel auf die er sich bezieht hinten dran haengt. Das gibt natuerlich reichlich Pluspunkte. Jetzt muss nur noch dazu kommen, dass Sie zu doch arg komplizierten Themen ein/zwei/drei Fachleute heranziehen und dann eine sinnvoll gewichtete Synthese der existierenden Literatur und Arbeiten durchfuehren und nicht lediglich einen Nebensatz in einem Paper als Bestaetigung ihrer vorher gefassten Meinung heranziehen. Und dann wird das schon.
Frank_Ochmann (29.10.2009, 14:55 Uhr)
Herzlichen Dank
@GeorgHoffmann

Das kam jetzt aber wirklich überraschend! ;-)
Beste Grüße
FO
GeorgHoffmann (29.10.2009, 13:11 Uhr)
Klimaschmock des Monats
Auf meinen Blogg werden ab jetzt immer die schlechtesten journalistischen Arbeiten in einem Monat zum Thema Klimawandel praemiert. Dieser Artikel hat es auf Grund einer Reihe sachlichen Fehler und vor allem seiner schlicht schlampigen journalistischen Arbeit auf Platz 1 geschafft. Der gesamte Artikel hier:http://www.scienceblogs.de/primaklima/2009/10/der-klimaschmock-des-monats-oktober.php
juergenm (28.10.2009, 02:07 Uhr)
Ein paar Bemerkungen zu Klimamodellen
Klimamodelle sind "Modelle", d.h. sie können auch falsch sein (wer hätte das gedacht?)

Andererseits:
Würden wir eine Aktie nur deshalb kaufen, weil unser Großvater vor 80 Jahren damit reich geworden ist?

Fazit:
Die Welt vor 53 Millionen Jahren (!) sagt wenig aus über die Welt in 100 Jahren!

Konsequenz:
Sollen wir das tun, was Großpapa gemacht hat oder selbst denken und unsere Modelle verbessern?
Antipode (27.10.2009, 23:34 Uhr)
53 Millionen Jahre??
Seit Darwin wissen wir dass Pflanzen und Tiere sich in ihrem Genotyp veraendern wenn die Umwelt sich veaendert.
Und jetzt sollen Palmen und Co ploetzlich seit 53 Millionen Jahren unveraendert die gleiche durchschnittliche Mindesttemperatur zum Ueberleben brauchen! Zu dieser Zeit gab es z.B. noch keine Woelfe - Hunde, heute gibt es sie fuer alle Klimazonen (kaeltebestaendig der Schlittenhund, hitzefest der Loewenhund) Ichfinde es sehr schwer dieser Argumentation Glauben zu schenken!
algernon (27.10.2009, 17:59 Uhr)
Forschung ...
Dem Artikel sollte voranstehen : Neue Funde lassen Raum für weitere Spekulationen.
Wir sollten eins nicht vergessen: Es lautet Wettervorhersage und nicht Wetterberechnung.
Es sind auch Klimamodelle mit viel Raum für Spekulationen. Einzige Tatsache: Wir wissen nicht genau wie das mit dem Wetter und dem Klima so weiter geht - also ist es für die Menschheit eins von vielen Problemen, mal schauen ob es aktuell nicht ein paar konkretere gibt.
Kopfwelten

stern-Redakteur Frank Ochmann berichtet jede Woche über Aktuelles aus Hirnforschung und Psychologie und kommentiert Denk- oder auch Fragwürdiges.

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