Mysterium um Maya-Blau gelüftet

28. Februar 2008, 14:45 Uhr

Als Opfer für den Regengott Chaac warfen die Maya von Chichen Itza Menschen in einen Brunnen. Am Grund dieses Brunnens entdeckten Archäologen schon vor mehr als 100 Jahren ein dicke Schicht blauer Farbe - das Rätsel um dieses Pigment wurde jedoch erst jetzt ganz gelöst.

Blau findet sich auch im Codex Tro-Cortesianus, einer Handschrift aus der Maya-Zeit©

Blau, so steht es in Texten aus dem 16. Jahrhundert war die Farbe der Opfergaben bei den Maya. Wandbilder, Duftharz, Gegenstände aus Holz oder Ton: Sie alle wurden blau bemalt, ehe sie in Chichen Itza dem Regengott Chaac geopfert wurden. Und auch Menschen brachte das mittelamerikanische Volk als Opfer dar. Dabei waren die Maya alles andere als zimperlich: Nachdem die Opfer blau bemalt wurden, legte man sie auf einen Opferblock und schnitt ihnen das Herz aus dem Leib. Anschließend warf man sie in einen Brunnen - "Cenote" genannt.

Schon vor mehr als 100 Jahren untersuchten Forscher den Brunnen. Sie entdeckten am Grund nicht nur zahllose Knochen sowie verschiedenste Opfergaben, sondern auch eine vier Meter dicke Schicht blauer Farbe. Bei dieser handelt es sich nicht um irgendeine Farbe, sondern um Maya-Blau, ein spezielles Pigment. Maya-Blau hat nicht nur Archäologen, sondern auch Chemiker vor Rätsel gestellt: Die Farbe ist extrem widerstandsfähig und hält unter anderem auch Säure stand. Wie das Pigment erzeugt werden kann, fanden Chemiker längst heraus: Erhitzt man eine Mischung des Minerals Palygorskit mit etwas Indigo, entsteht die strahlend blaue Farbe. Wie die Maya selbst das Pigment erzeugten, war jedoch bislang nicht klar.

Herstellung des Pigments war Teil der Zeremonie

Dean Arnold, Anthropologe am Wheaton College in Illinois, und seine Kollegen haben sich dieses Rätsels nun angenommen. Sie untersuchten dafür eine Schale, die 1904 vom Grund der Cenote geborgen wurde und sich seit den 30er-Jahren im Besitz des "Field Museum" in Wheaton befindet. Die Schale enthielt Reste von Copalharz, einer Substanz, die - ähnlich wie Weihrauch - bei Zeremonien verbrannt wurde. Per Rasterelektronenmikroskop identifizierten die Forscher Spuren von Palygorskit und Indigo in der Masse. Die Maya, folgerten sie daraus, verbrannten also Harz des Copalbaums zusammen mit Mineral und Blättern der Indigopflanze. Wahrscheinlich war die Herstellung des blauen Pigments also Teil der Zeremonie, folgern die Forscher.

"Die Maya nutzten Indigo, Copalharz und Palygorskit zu medizinischen Zwecken", erklärt Arnold. "Sie vermischten also drei heilende Substanzen während des Rituals am heiligen Brunnen. Das Ergebnis - das Maya-Blau - war ein Symbol für die heilende Kraft des Regens für diese von der Landwirtschaft abhängige Gesellschaft." Im Norden Yucatans, wo sich Chichen Itza befindet, herrscht von Januar bis Mitte Mai Trockenheit. "Die heilenden Substanzen, die Chaac dargebracht wurden, sollten wieder Regen bringen, damit das Getreide wachsen kann", so Arnold.

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