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Schrumpelfinger greifen besser

9. Januar 2013, 19:28 Uhr

Sind unsere Hände länger unter Wasser, werden sie runzelig. Das kennt jeder. Doch erst jetzt haben Forscher herausgefunden, welchen Sinn es hat, dass unsere Haut Falten wirft.

Mensch, Haut, Runzelfinger, Wasser, Feuchtigkeit

Schrumpelfinger fühlen sich unangenehm an, sind aber von Vorteil©

Jeder hat das schon einmal erlebt: Ob im Schwimmbad oder beim Spülen des Geschirrs - ist unsere Haut längere Zeit im Kontakt mit Wasser, bekommen wir runzelige Finger. Nun haben Forscher dem Sinn dieses Phänomens nachgespürt und herausgefunden, was es damit auf sich hat: Demnach lassen sich mit aufgeweichten, schrumpeligen Fingern feuchte Gegenstände schneller greifen und transportieren als mit trockenen.

Dies berichten Wissenschaftler um Kyriacos Kareklas von der Newcastle Universität in den "Biology Letters" der britischen Royal Society. Beim Umgang mit trockenen Gegenständen haben Schrumpelfinger hingegen keine Vorteile - allerdings auch keine Nachteile. Die Falten leiten wohl das Wasser ab, so dass die Haftfähigkeit beim Greifen verbessert wird, spekulieren die Forscher.

Um gleich mit einem Vorurteil aufzuräumen: Die Schrumpelhaut entsteht nicht, weil die äußere Hautschicht bei längerem Kontakt mit Wasser aufquillt. Vielmehr steuere das autonome Nervensystem die Bildung der Schrumpelhaut, schreiben die britischen Forscher. Das wiederum lege nahe, dass dem Effekt eine Funktion zukommt. Um dieser auf die Spur zu kommen, baten die Wissenschaftler 20 Probanden zu einem Test.

Mehr Speed mit Schrumpelfingern

Dabei sollten die Versuchspersonen zwischen Zeigefinger und Daumen mehrere Glasmurmeln und kleine Bleigewichte von einem Behälter in einen anderen transportieren. Die Gegenstände lagen in einem Versuch unter Wasser, in einem zweiten Durchgang waren sie trocken. Diesen Versuch führten die Teilnehmer nun zum einen mit trockenen Händen durch, zum anderen mit schrumpeligen Fingern, die sie zuvor eine halbe Stunde in warmes Wasser getaucht hatten.

Das Ergebnis: Trockene Gegenstände transportierten die Teilnehmer grundsätzlich schneller als feuchte, und zwar gleich schnell mit schrumpeligen und mit nicht-schrumpeligen Fingern. Feuchte Gegenstände hingegen bewegten die Versuchspersonen deutlich schneller, wenn ihre Haut an den Fingern faltig war. Dies zeige, dass die Schrumpelhaut einen klaren Vorteil bietet, wenn es darum geht, mit feuchten Gegenstände zu hantieren, schreiben die Forscher.

Überlebensvorteil für die Vorfahren

Wie genau die Runzelhaut einen besseren Griff ermöglicht, müsse weiter untersucht werden, schreiben die Forscher. Möglicherweise leiteten die Falten das Wasser besser von den Fingerspitzen ab, so dass sich die Griffigkeit verbessert. Vielleicht veränderten sich aber auch Hauteigenschaften wie Flexibilität oder Haftfähigkeit. Genau wie an den Fingerspitzen wird auch die Haut unter den Füßen bei längerem Wasserkontakt schrumpelig. Auch in diesem Fall vermuten die Forscher, dass damit eine verbesserte Haftung einhergeht.

Interessant ist nach Ansicht der Forscher die Frage, warum unsere Finger nicht ständig schrumpelig sind. Schließlich werde die Handhabung trockener Gegenstände dadurch nicht beeinträchtigt. Möglicherweise sei bei Schrumpelfingern die Sensitivität geringer oder die Anfälligkeit für Verletzungen größer, vermuten die Experten.

Sie rätseln auch noch darüber, warum die Schrumpelreaktion bei unseren Vorfahren entstanden ist. "Wenn man in der Zeit zurückgeht, könnte das Verschrumpeln der Finger bei Nässe einst dabei geholfen haben, Nahrung aus feuchter Vegetation oder aus Gewässern zu sammeln", sagt Tom Smulders, einer der Autoren der Studie. Schrumpelige Füße könnten im Regen besseren Halt gegeben haben.

lea/DPA

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