Darum haben Schwindler bei Senioren leichtes Spiel

3. Dezember 2012, 21:02 Uhr

Gauner und Ganoven haben es oft auf ältere Menschen abgesehen: Sie öffnen Haustür und Geldbeutel, meist ohne viel nachzudenken. Den Grund für die Gutgläubigkeit wollen Forscher nun entdeckt haben.

Senioren, Elizabeth Castle, Betrüger, Gehirn, Bauchgefühl

Sind Schmuck oder Geld weg, ist die Bestürzung groß: Senioren fallen häufig auf Betrugsmaschen rein.©

Wenn es um Geld geht, zeigen sich Trickbetrüger von ihrer kreativen Seite: Sie klingeln an Haustüren, geben sich als Spendensammler, Heizungstechniker oder lang verschollene Enkel aus. Ihre beliebtesten Opfer sind betagte Menschen - mit gutem Grund. Denn sie gehen den Gaunern besonders schnell auf den Leim. US-Wissenschaftler um Elizabeth Castle wollen den Grund für das leichtgläubige Verhalten von Senioren gefunden haben, heißt es im Magazin "PNAS".

Nach der Studie der Forscher können ältere Menschen schlechter als jüngere einschätzen, ob ein Mensch vertrauenswürdig ist. Senioren würden dazu neigen, selbst zwielichtige Personen als positiv und harmlos einzustufen. Der Grund: Bei Älteren lasse die Aktivität in einer Gehirnregion nach, die normalerweise wie ein Frühwarnsystem ein mulmiges Bauchgefühl erzeugt. Dies könnte erklären, warum Senioren häufiger auf Trickbetrüger hereinfallen.

Die Forscher zeigten einer Reihe von Testpersonen zwischen 20 und 84 Jahren zunächst Fotos von Menschen und fragten sie, für wie vertrauenswürdig sie die Personen halten. Zuvor hatten die Forscher die Menschen auf den Fotos in drei Kategorien eingestuft: vertrauenswürdig, neutral und nicht-vertrauenswürdig.

Die älteren Teilnehmer stuften die vertrauenswürdigen und neutralen Personen meist richtig ein. Doch bei den zwielichtigen Personen lagen sie oft daneben: Die Senioren beurteilten sie zu positiv. "Diesen Effekt fanden wir bei den meisten Älteren", erklärt Studienleiterin Shelley Taylor.

Fehlendes Frühwarnsystem

In einem zweiten Versuch steckten die Forscher Testpersonen in einen Magnetresonanztomographen und ließen sie dort Gesichter auf Fotos beurteilen. Dabei beobachteten sie, was im Gehirn der Probanden passierte. Bei den jüngeren Erwachsenen war beim Betrachten von zwielichtigen Gesichtern eine bestimmte Region im Gehirn aktiv: die anteriore Insula. Während bei den Jungen die Alarmglocken klingelten, zeigten sich die Senioren unbeeindruckt - bei ihnen war die Region nur schwach aktiv.

Aus früheren Untersuchungen ist bekannt, dass die anteriore Insula bei der Risikobewertung eine Rolle spielt. Sie nimmt Gefühle wahr, interpretiert sie und ist so vermutlich an der Entstehung eines Bauchgefühls beteiligt. "Bei den älteren Menschen ist dieses Frühwarnsignal schwächer. Ihre Gehirne schlagen nicht so schnell wie bei Jüngeren Alarm", erläutert Taylor.

Andererseits könnte diese Vertrauensseligkeit auch zum Wohlbefinden vieler Senioren beitragen. Studien zufolge seien sie glücklicher mit ihrem Leben, empfänden negative Gefühle weniger stark oder behielten positive Informationen besser als schlechte. "Die geringe Anfälligkeit für negative Reize könnte dazu beitragen, dass sich Senioren die meiste Zeit gut fühlen", folgern die Forscher.

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