Hamburger Psychologen haben einen Fragebogen entwickelt, der den eigenen Liebesstil ermittelt. Und dabei helfen soll, den richtigen Partner zu finden. Im stern.de-Interview spricht Burghard Andresen über situationsbezogene Charakterzüge, und die Grenzen psychologischer Tests.

Bei der allgemeinen Persönlichkeitspsychologie sind Romantik und Sexualität außen vor© Colourbox
Aus der allgemeinen Persönlichkeit, so wie sie in den üblichen Persönlichkeitstests beschrieben wird, lässt sich die Beziehungspersönlichkeit nicht ausreichend vorhersagen. Allgemeine Aggressivität hat beispielsweise keine hinreichende Vorhersagekraft für Aggressivität in Beziehungen. Beispiel: Ein Mann kann zuhause der Frau und den Kindern gegenüber ein Haustyrann sein, aber sowie er zur Arbeit geht oder sich mit Freunden zum Sport trifft, erscheint er als friedfertiger, verträglicher Charakter.
Menschen scheinen ihre Charakterzüge nicht in allen Lebensbereichen gleichermaßen zu verwirklichen. Persönlichkeitszüge sind oft situationsgebunden. Die Liebesbeziehung hat zudem einen Sonderstatus, weil sich Menschen hier auch körperlich aufeinander einlassen. Es kommen qualitativ andere Verhaltensweisen als in anderen Lebensbereichen ins Spiel - wie die Sexualität.
Zudem wird in der allgemeinen Persönlichkeitspsychologie nicht auf die Partnerschaft eingegangen - vor allem der Kernbereich von Romantik und Sexualität bleibt dort außen vor. Aus schwer nachvollziehbaren Gründen hat man in der Beschreibung der allgemeinen Persönlichkeit diese Bereiche ausgelassen. Vielleicht weil sie zu peinlich sind, vielleicht weil man befürchtet, dass Menschen darauf nicht ehrlich antworten. Oder weil man Geschlechtsunterschiede ausklammern wollte. Daraus folgt jedenfalls: Die "allgemeinen Persönlichkeit lässt nicht ausreichend Rückschlüsse auf die intime Beziehungspersönlichkeit zu. So ist der Stand gegenwärtig.
Wir haben einen Fragebogen entwickelt, in dem die typischen Liebesfragen gestellt werden. Was will ich in einer Beziehung? Was sind meine Wünsche, Sehnsüchte? Welche Verhaltensweisen sind typisch für mich in Beziehungen? In diesem Bereich versucht der Fragebogen umfassend zu sein, daher enthält er in der gegenwärtigen Fassung mehr als 600 Fragen. Es werden nicht nur positive Seiten erfragt, sondern es kommen auch negative Aspekte zum Tragen. Das garantiert, dass der Fragebogen später auch in Beratungsstellen, bei problemorientierten Anwendungen genutzt werden kann
Nein, die Liebesstile sind kein Schubladensystem. Teilnehmer bekommen nicht einen Typ zugewiesen, sondern für jeden der neun Liebesstile einen Punktwert, so dass ein individuell "gezacktes" Profil entsteht. Das kann auch scheinbare Widersprüche enthalten: Zum Beispiel kann der Bereich "Sexualität, Begehren und Abenteuer" stark ausgeprägt sein, aber ebenso "Treue, Sicherheit und Anstand". Es gibt eben innerhalb der menschlichen Persönlichkeit Kontraste und Konflikte - dann kommt es darauf an, dass der Einzelne eine Balance findet. Das macht die Sache schwierig, aber auch spannend.
Das erforschen wir noch. Ich glaube, dass sich das System in diesem Bereich bewähren wird, denn aus psychologischer Sicht ist es sehr ausgereift. Allerdings kann kein noch so gutes Testsystem garantieren, dass sich zwei Menschen ineinander verlieben. Schließlich werden bei der Partnerfindung auch Faktoren jenseits der bewussten Psyche wirksam, etwa ob wir jemanden überhaupt riechen mögen.
Eine Kurzversion des Liebesstil-Tests finden Sie im aktuellen stern.
Mehr zum Thema... ...lesen Sie im stern Nr. 49. Die neun Liebesstile und was sie bedeuten: Bestimmen Sie Ihr Beziehungs- und Bindungspersönlichkeits-Profil.