Hunde helfen Langzeitarbeitslosen

8. Mai 2006, 11:09 Uhr

Was braucht ein Langzeitarbeitsloser, damit es ihm gut geht? Das Beste wäre wohl ein Job. Gibt es diesen nicht, dann sollten sich Hartz-IV-Empfänger laut einer Studie einen Hund anschaffen.

Der beste Freund des Menschen bewahrt Langzeitarbeitslose auch vor Verwahrlosung©

Die Pilotstudie des Forschungskreises "Heimtiere in der Gesellschaft" stellte der Vorsitzende Professor Reinhold Bergler auf einem Wissenschaftskongress zur "Mensch-Heimtier-Beziehung" in Ismaning bei München vor. Untersucht wurden die sozialen Verhältnisse von 32 Langzeitarbeitslosen, die Hälfte davon hatte einen Hund.

Hundelose Hartz-IV-Empfänger verwahrlosten eher

Während die Forscher bei Arbeitslosen ohne Hund oft äußere Verwahrlosung registrierten, verkrafteten Hundebesitzer die Arbeitslosigkeit viel besser. Sie standen morgens früh auf, führten ihren Hund Gassi, trafen dabei andere Hundebesitzer und nutzten die freie Zeit, um sich mehr ihrem Haustier zu widmen. Hundelose Hartz-IV-Empfänger dagegen schliefen viel, griffen öfter zur Flasche, verbrachten viele Stunden vor dem Fernseher und hatten viel weniger Kontakt zu anderen Menschen.

"Ein Hund strukturiert den Tagesablauf und erhält soziale Kontakte", fasste Bergler die Ergebnisse seiner Studie zusammen. Er will seine Forschungen zu Hunden und Arbeitslosen unbedingt fortführen. Sollte sich bestätigen, dass Hunde vor Alkoholsucht schützen, wäre ein Kostenfaktor im Gesundheitswesen ausgemerzt, meint Bergler. Der Wissenschaftler fordert auch Familien zum Halten von Haustieren auf: "In eine gesunde Familie gehört ein Haustier, dann funktioniert vieles." Beispielsweise könne das Tier in Krisensituationen hilfreich sein.

"Kinder mit Tieren können sich besser in andere hineinversetzen"

Auch sein Kollege Professor Kurt Kotrschal von der Universität Wien sieht Haustiere als wichtige Begleiter des Menschen und appelliert an Eltern, ihren Kindern den Zugang zu Tieren zu ermöglichen. "Kinder mit Tieren können sich besser in andere hineinversetzen und haben darum in der Gesellschaft die Nase vorn". Für seinen Kollegen Bergler ist es auch wichtig, dass Kinder über Tiere lernen, Verantwortung zu übernehmen und die Stärken und Schwächen eines Lebewesens kennen zu lernen. "Wenn man mit dem Haustier zum Tierarzt geht, sollte man die Kinder immer mitnehmen", fordert er deshalb.

Weil ein Hund viel Auslauf und Beschäftigung braucht, ist er nach Berglers Meinung für Arbeitslose ideal. Bei Kindern aber muss man sich nach Ansicht der Experten gut überlegen, ob und welches Haustier man anschafft. "Man sollte mehrere Wochenenden mit dem Kind ins Tierheim gehen und es Tierbücher lesen lassen, um zu sehen, ob es wirklich ein Tier will", rät Bergler. Für kleinere Kinder empfehlen die Wissenschaftler auch kleinere Tiere, wie Meerschweine oder Katzen. "Hamster sind nachtaktive Tiere und deshalb nicht als Haustiere zum Spielen geeignet. Das ist Tierquälerei", meint Bergler. Kotrschal hat einen besonderen Tipp: "Zahme Ratten sind toll. Das sind sehr soziale Tiere."

Hunde für Kinder ungeeignet Hunde würden die beiden Experten für Kinder weniger empfehlen. Nur wenn ein Hund gut in eine Familie eingebettet sei, könnten Kinder mit ihm umgehen. "Ein Hund muss untergeordnet werden. Wer nicht bereit ist, seinen Hund auch mal in den Hintern zu treten, sollte sich keinen anschaffen", meint Kotrschal. Heimtierbesitzer sollten sich in Ratgebern über ihre Tiere kundig machen und die Ratschläge zur Tierhaltung auch beachten und einhalten, fordern die Experten. Dabei seien die Eltern auch immer Vorbild für die Kinder.

Kotrschal sieht als ein positives Ergebnis seiner Arbeit und der seiner Kollegen, dass Tiere in Altenheimen vor 30 Jahren noch unvorstellbar gewesen seien. Inzwischen hätten 70 Prozent der deutschen Pflegeheime Tiere zu Therapiezwecken. Auch Bergler ist überzeugt, dass er und seine Kollegen den hohen Stellenwert von Haustieren aufzeigen können. Er kann zudem nur jedem raten, sich ein Tier zuzulegen: "Ein Haustier ist eine Quelle ständiger Alltagsfreuden, die negative Erlebnisse überwiegen."

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