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5. August 2009, 21:53 Uhr

Baby-Trendwende in ganz reichen Ländern

Je reicher ein Land, umso geringer die Geburtenrate: Jahrelang galt diese Korrelation fast als Naturgesetz und schürte in vielen Ländern die Angst vor dem Aussterben der Bevölkerung. Doch Wissenschaftler der Universität Pennsylvania geben jetzt Entwarnung. Ihre Studie zeigt, dass sich der Trend ab einer bestimmten ökonomischen Entwicklung umkehrt.

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Leere Kinderbetten auf der Neugeborenen-Station der Mainzer Uniklinik. In besonders wohlhabenden Ländern kehrt sich der gängige Trend zu sinkenden Geburtenraten offenbar um© Arne Dedert/DPA

Es ist paradox: Den Menschen in Industrieländern geht es immer besser - und die Geburtenrate sinkt. Dass mit zunehmendem Reichtum weniger Kinder geboren werden, ist ein weltweites Phänomen. Die Angst mancher Länder vor Überalterung oder gar dem Aussterben der eigenen Bevölkerung sei aber unbegründet, schreiben US-Forscher im Wissenschaftsmagazin "Nature". Werde ein bestimmter Grad ökonomischer Entwicklung erreicht, drehe sich der Trend um. In den USA und den Niederlanden steige die Geburtenrate bereits wieder leicht an.

Die Wissenschaftler um Hans-Peter Kohler von der Universität Pennsylvania in Philadelphia analysierten für ihre Studie Daten aus dem Jahr 1975 und dem Jahr 2005 aus 24 Ländern. Sie erfassten jeweils die Geburtenrate und den zwischen 0 und 1 liegenden "Human Development Index" (HDI), der Wirtschaftskraft, Lebenserwartung und Bildungsgrad der Menschen eines Landes berücksichtigt.

Mit steigenden HDI-Werten verzeichneten die Statistiken sinkende Geburtenraten, schreiben die Forscher. Bereits mehr als die Hälfte aller Menschen weltweit lebe in Regionen, in denen die Geburtenrate unterhalb des Wertes liege, der zum Erhalt der Bevölkerungszahlen nötig sei. In vielen hochentwickelten Ländern scheine der Trend zu immer weniger Kindern bereits unumkehrbar und eine fatale Überalterung unausweichlich.

Gebärfreudigkeit nimmt in ganz reichen Ländern zu

Dieser Gesamteindruck trüge jedoch, betont Kohlers Team. Bei sehr hohen HDI-Werten nehme die Gebärfreudigkeit wieder zu, die Geburtenrate steige langsam, aber stetig. Der Verlauf habe etwa die Form eines gespiegelten "J", erläutern die Forscher. Nach einer Talsohle bei einem HDI von etwa 0,85 bis 0,9 gehe es wieder aufwärts mit der Fortpflanzung. Die hochentwickelten Industrieländer müssten also möglichst viel tun, um den Index ihrer Bevölkerung weiter anzuheben - also in Bildung, Gesundheit und Arbeitsplätze zu investieren. Voraussetzung sei zudem eine familienfreundliche Politik, die auf die Gleichberechtigung von Mann und Frau achte.

Trotz der hoffnungsvoll stimmenden Analyse sei aber auch bei weiter steigenden HDI-Werten für die meisten Staaten nicht zu erwarten, dass die Geburtenrate über den für stagnierende Bevölkerungszahlen nötigen Wert steigt. In einigen Ländern verlangsame sich die Überalterung möglicherweise auch nur. Dem könne lediglich eine verstärkte Einwanderung entgegenwirken.

Der "Human Development Index" für Deutschland lag dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) zufolge 2006 bei 0,940. Mehr als 20 Industrieländer wie Island, Norwegen, Australien und Kanada rangierten mit ihren Werten davor.

Deutschland Schlusslicht in Europa

In Deutschland war die Debatte um die richtige Familienpolitik am Montag erneut aufgeflammt, nachdem das europäische Statistikamt Eurostat denkbar schlechte Geburtenzahlen für Deutschland vorgelegt hatte. Den Statistikern zufolge sind die Deutschen beim Kinderkriegen europaweit Schlusslicht. Anders als in allen anderen EU-Ländern sei die Zahl der Geburten in Deutschland im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2007 leicht rückläufig gewesen, so Eurostat in Brüssel.

Dabei lag Deutschland schon im Jahr 2007 auf dem letzten Platz unter den 27 Mitgliedsländern. Auf 1000 Einwohner kamen in Deutschland im vergangenen Jahr nur noch 8,2 Geburten, ein Jahr zuvor waren es noch 8,3 Geburten. Europaweit stieg die durchschnittliche Zahl der Neugeborenen pro 1000 Einwohner im Vorjahresvergleich hingegen um 0,3 auf 10,9.

DPA
KOMMENTARE (10 von 11)
 
dido07 (06.08.2009, 22:28 Uhr)
Dumme Augenwischerei!
Die zählen einfach die Zuwanderer mit - wie hier! Ich nenne das keinen positiven Wandel.
Xennia (06.08.2009, 21:59 Uhr)
weniger, statt mehr!
Langfristig müssen wir total umdenken, denn es ist dringend notwendig, dass sich auch in den reichen Regionen die Bevölkerung vermindert. Heute haben wir in Deutschland 10 Millionen Menschen ohne Arbeit und die Arbeitsmarktkatastrophe kommt erst noch auf uns zu! In 150 Regionen Deutchlands drohen bereits soziale
Unruhen, Bürgerkrieg und schwere Verteilungskämpfe, weil es zu viele
Menschen und zu wenig Erwerbsarbeit gibt. Ca 20 Millionen sind durch die
Massenzuwanderung zusätzlich ins Land gekommen und auch für sie fehlen Arbeitsplätze.
Swissmiss (06.08.2009, 20:46 Uhr)
Wer gebärt eigentlich?
Mich nähme wunder, welche Teile der Bevölkerung genau in den USA und Niederlanden so gebärfreudig sind. In beiden Ländern gibt es doch sehr viele moslimische Einwanderer, von denen viele bekanntlich nichts von Geburtenkontrolle halten. Ich vermute Mal, dass da die Erklärung liegt.
Putinki (06.08.2009, 14:41 Uhr)
Geburtenraten
Reiche Länder können nur eine höhere Geburtenrate haben, wenn der Staat die Geburten subventioniert. Die Reichen haben eher eine normale Geburtenrate von 2,0.
G-OTTO (06.08.2009, 13:06 Uhr)
Geburtenrate
Egal was der HDI Index sagt: deutschland bleibt ein Land, in dem Kinder bekommen und Kinder haben problematisch ist.
1) Kindergärten sind personell schlecht ausgestattet - der beste Platz für Kinder in den ersten 5 Jahren ist eine gute Mischung von Familie und Betreuung (insbesondere für die unsischeren eltern), das ist ohne Verluste an Sicherheit (Einkommen, Rente, Berufschancen) in D nicht zu bekommen
2)Familien werden "gemolken" schon wer den Kindern Resien ausserhalb der Ballermann-Kinderhort-Alle- schunkeln-mit Kultur bieten möchte merkt: in der Nebensison fahren die Kinderlosen fürs halbe Geld
3) Schulen leisten wenig - Ganztagsschulen - sie verwlten die Kinder nur am Nachmittag - mit einem richtigen Programm und guter Pädagogik und gut ausgebildeten Lehrern - ist auch ein Turboabi in 10 Jahren theoretisch kein Problem (einschliesslich glücklicher Kindheit und langen Ferien)
Eltern und Kinder werden von unserem System in den Stress getrieben - reiben sich in sozialneidkämpfen auf. habe bereits in der ersten Klasse Angst um das Abitur etc.
Da wundert die geringe Geburtenrate nicht. Und solange eine ein Mann oder eine Frau, die für die Förderung der Kinder zuhause bleibt, beruflich betsraft, Rentenmässig benachteiligt und gesellschaftlich gebranntmarkt wird, gibt es keine Besserung.
Bei uns bleibt ein Elternteil b.a.W. bei den Kindern - Ergebnis: bei Ferienveranstaltungen, KiGa-Platzvergaben werden wir benachteilgt - die alleinerziehenden oder Doppelverdiener bevorzugt.
Statt alle Erziehenden aufzuwerten.
NEIN: Deutschland spart an der nachwachsenden Generation, Kind sein macht immer weniger Spass, einziges Ziel ist möglichst schnell gross werden um ernst genommen zu werden (und nicht nur als Marktsegment) - so entsteht kein Klima für Familien.
bape (06.08.2009, 12:27 Uhr)
Unfruchtbarkeit???
Es wird ganz vergessen über die "ungewollte Unfruchtbarkeit" zu sprechen.
Diese ist leider nicht ganz zu verachten.
Buntklecks (06.08.2009, 12:01 Uhr)
Ein Haufen Kindergärten hilft nicht.
Hat mal einer daran gedacht das die allgemeine soziale Kälte in Deutschland Kinder verhindert?
Ein Beispiel.
Wenn ich Angst um meinen Arbeitsplatz habe,und nach einem Jahr auch noch Hartz-IV droht, dann kann es noch so viele "Kita's" geben, dann setze ich keine Kinder in die Welt die mich noch mehr kosten.
tomcat68 (06.08.2009, 11:32 Uhr)
Armes Deutschland !!!
solange ein Hund ein höheres Ansehen hat als ein Kind und Deutschland weiterhin so kinderfeindlich ist wie bisher, wird sich daran auch gar nichts ändern.
Das Leben in Deutschland ist zu teuer, die finanziellen Einschränkungen im Mittelstand zu groß, da ist leider wenig finanzieller Spielraum für Kinder. Familien mit Kindern werden Steine in den Weg gelegt, u.s.w.........
Aber, es gibt nichts schöneres, in ein Kinderlächeln zu blicken, morgens, wenn man aufwacht, wenn man mit offenen Amen begrüßt wir, wenn Papa von der Arbeit kommt. Wir müssen unser Kind bzw. Kinder auf das vorbereiten, was in Zukunft kommen könnte, das ist die Aufgabe heute.
LG
Papa mit 1 Kind
Rainhelt (06.08.2009, 09:01 Uhr)
So ein Käse,
die Niederlande haben eine Geburtenrate von ca. 10/1000Einwohner und Jahr. Die USA von ca. 14. Die dritte Welt liegt durch die Bank bei 40-50!!!
Außerdem korreliert die Geburtenraten neben dem "Wohlfühlindex" auch mit der Einwanderung... Na, wo wird wohl der kausale Zusammenhang liegen?
obermotzbruder (06.08.2009, 00:12 Uhr)
Vielleicht haben
es die Deutschen als einzige gecheckt was unseren Kindern in 20 - 30 Jahren blüht? Krieg um Öl und Wasser. Und da bleibt auch Europa nicht verschont.
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