9. Juli 2003, 17:33 Uhr

Nofretete

Noch heute wird ihr Antlitz bestaunt, doch sie war mehr als eine berückend aussehende Frau: An der Seite ihres Mannes verordnete Nofretete dem ägyptischen Großreich eine radikale geistige Wende.

Archäologie, Nofretete

Die weltberühmte Büste der Nofretete steht in Berlin.©

Mit einem unscheinbaren Haarbüschel fing alles an

Sie sieht atemberaubend aus. Rassiges Profil, elegant geschwungener Hals, volle sinnliche Lippen. Klar und warm ist der Blick, und auf dem Haupt sitzt eine mächtige blaue Krone. Die Frau residiert in der Berliner Schlossstraße, in einem Glaskasten des Ägyptischen Museums.

Dort ist die steinerne Büste, grandios bemalt und von einem Dutzend Scheinwerfern angestrahlt, der Star. Die Skulptur mit der Inventarnummer 21300, bekannt als "Nofretete", lockt Besucher in Massen. Aus aller Welt strömen sie herbei, um das Abbild der First Lady aus dem alten Ägypten zu bewundern. Eine Ikone weiblicher Schönheit; Bildnis einer Legende. Geheimnisumwittert ist das Leben der Regentin aus dem Morgenland. "Manchmal legen Besucher sogar Blumen nieder", sagt Professor Dietrich Wildung, der Direktor des Museums.

Die Berliner Trophäe ist das bedeutendste Fundstück aus der Ära der Herrscherin - das über 3300 Jahre alte Werk eines damaligen Künstlers, vor 90 Jahren aus afrikanischem Sand geborgen. Nach der Mumie der berühmten Königin vom Nil suchten Gelehrte bislang vergeblich. Nun verkündet eine britische Forscherin die archäologische Sensation. Die 36-jährige Joann Fletcher von der Universität York ist davon überzeugt, Nofretetes Leiche aufgespürt zu haben. Im Tal der Könige nahe der Stadt Luxor in Oberägypten wurde sie fündig. "Mit Sicherheit wird die Entdeckung weitreichende Folgen für die ägyptologische Forschung haben", sagt die Wissenschaftlerin stolz.

Mit einem unscheinbaren Haarbüschel fing alles an. Eines Tages geriet das im Kairoer Museum kaum beachtete Teil Joann Fletcher in die Hände. "Die Frisur war eine Art Mary-Quant-Bob, die Haare hingen in zwei Spitzen auf jeder Seite des Gesichtes bis auf die Schultern herunter", bemerkte die Spezialistin für altägyptische Haartrachten. Schnell war klar, dass das Überbleibsel Teil einer hochherrschaftlichen Perücke aus der Zeit der späten 18. Dynastie war, also um zirka 1350 vor unserer Zeitrechnung. Fletchers Neugier war geweckt - das Haarteil stammte aus der Zeit der Nofretete. Wer hatte es getragen?

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Den religiösen Vorstellungen der alten Ägypter zufolge war es wichtig, die Körper Verstorbener, ob Privatleute oder Könige, zu erhalten. Also erfand man die Mumien.

 
 
 
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