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15. August 2006, 18:05 Uhr

Leben aus der Tiefkühltruhe

Forscher haben mit dem Sperma einer 15 Jahre lang tiefgefrorenen Maus posthum gesunden Mäusenachwuchs gezeugt. Die Hoffnung der Forscher: Was bei der Maus geklappt hat, könnte vielleicht auch beim Mammut funktionieren.

Von der Maus zum Mammut - das Experiment bewies, dass auch Sperma aus komplett eingefrorenen Lebewesen noch funktionstüchtig ist© Isabel Stolle/DDP

Wie japanische Wissenschaftler in den "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften ("PNAS"; Online-Vorabveröffentlichung) weiter berichten, lässt sich auch mit Spermien aus Hoden oder Nebenhoden, die ohne weitere Behandlung für Wochen und Monate eingefroren wurden, Nachwuchs zeugen. Die Forscher sind zuversichtlich, dass auch seit Millionen Jahren ausgestorbene Tierarten wie das Mammut nachgezüchtet werden können, wenn es gelingt, Spermien aus den im Permafrostboden konservierten Körpern zu gewinnen.

Zellen bleiben genetisch intakt

Sperma durch Einfrieren zu konservieren und zu einem späteren Zeitpunkt zur Zeugung einzusetzen, ist an sich nicht neu. Die Methode ist nicht nur in der menschlichen Fortpflanzungsmedizin weit verbreitet, sie wird auch in der Tierzucht eingesetzt, oder um das Erbgut bedrohter Tierarten zu erhalten. Bei Mäusen allerdings hat das bisher verwendete Gefrierverfahren mit Hilfe von Frostschutzmitteln den Nachteil, dass das Sperma nach dem Auftauen die Eizellen oftmals nicht mehr richtig befruchtet. Dies trifft vor allem auf bestimmte, in der Wissenschaft häufig eingesetzte Labormäuse zu.

Skelett eines Mammuts - mit der Methode ließe sich aus tiefgefrorenen Mammut-Überresten funktionstüchtiges Sperma gewinnen© Michael Urban/DDP

Die Wissenschaftler um Atsuo Ogura von Bioresource Center in Tsukuba (Japan) suchten also nach einem Verfahren, um Maussperma erfolgreich, aber gleichzeitig auch einfach, Platz sparend und kostengünstig einfrieren zu können. Wie die Untersuchungen zeigten, ist die einfachste Methode, das ganze Tier oder seine Fortpflanzungsorgane ohne jede weitere Behandlung in der Tiefkühltruhe aufzubewahren. Obwohl das Sperma nach dem Auftauen nicht mehr beweglich ist, also quasi tot, bleiben die Zellen genetisch intakt. Per Mikroinsemination in eine Eizelle gespritzt, entstehen daraus gesunde Nachkommen.

In Trockeneis gelagert überstanden

In Trockeneis gelagert überstanden die Fortpflanzungsorgane auch eine Flugreise von Großbritannien nach Japan unbeschadet: Am Zielort angekommen, zeugten die Forscher auch mit diesem Material gesunden Nachwuchs. Das erleichtere den Austausch von genetischem Material zwischen vielen Laboren rund um die Welt, schreiben Ogura und seine Mitarbeiter. (Fachartikel-Identifikationsnummer: DOI: 10.1073/pnas.0605755103)

 
 
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