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22. Februar 2007, 10:26 Uhr

Mit acht Kilo Gewicht ins Rampenlicht

Eisbärbaby Knut ist der neue Superstar im Berliner Zoo. Doch noch wird der Kleine streng abgeschirmt. Nun wurde bekannt: Spätestens an Ostern soll die Fangemeinde ihren neuen Liebling endlich sehen dürfen.

Klein Knut ist der Superstar im Berliner Zoo© Peter Griesbach/DDP

Frauen sind genauso verzückt von ihm wie Männer, Kinder und Großeltern. Der tapsige Mini-Eisbär Knut mit den schwarzen Knopfaugen, der vor seiner Mutter beschützt und mühsam von Menschen aufgepäppelt werden muss, ist der neue Liebling Berlins. Fragen nach Knut erreichen die Hauptstadt mittlerweile aus Baden-Württemberg ebenso wie aus Sachsen oder Mecklenburg-Vorpommern. Knut, der neue Star im Zoologischen Garten, ist Kult. Nur "richtig gesehen" hat ihn noch niemand.

Ein regionaler Rundfunksender übertrug kürzlich die Geräusche, die Knut beim Wasser schlabbern von sich gibt. Die Nachrichtensendung des größten regionalen Fernsehsenders hat eine Dokusoap gestartet. Längst hat Knut alle Titelseiten der Hauptstadtzeitungen erobert und war auch schon über die Stadtgrenzen hinaus zu bewundern.

Die Kamera ist täglich an Knuts Seite

Bären-Kurator Heiner Klös hat jetzt angekündigt, dass die schon ungeduldig wartende Fangemeinde ihren neuen Liebling in natura erstmals "auf jeden Fall vor Ostern Anfang April oder vielleicht sogar Ende März" sehen kann. Der Zoo rechnet mit einem Ansturm. Aber noch muss der Kleine vor jeder Infektionsgefahr streng abgeschirmt werden. Nur Pfleger Thomas Dörflein hat als einziger Mensch direkten Kontakt. "Acht Kilo muss Knut mindestens drauf haben, und er muss laufen können, bevor er sich richtig den Medien und dem Publikum vorstellen kann", sagt Klös. Nach seinen Worten ist der Mini-Bär erst der 34. Eisbär, der in den vergangenen 50 Jahren in einem Zoo weltweit von Hand aufgezogen wird.

Eine vom Tierpfleger bediente Kamera zeigt täglich, wie Knut das Abenteuer Leben entdeckt. Über fast jeden wackligen Steh- und Gehversuch wird berichtet, und die Tierfreunde nehmen Anteil. Etwa wenn die Videokamera aus der Knut-Kiste überträgt, wie brav das Bärchen nach dem gierigen Schlucken seiner inzwischen mit zerstoßenem Fleisch angereicherten Milch sein "Bäuerchen" macht.

Tierschützer forderten Knuts Tod

Harsche Worte gab es allerdings für einen Tierschützer, der dafür plädiert hatte, den kleinen Bären zu töten, weil er von seiner Mutter nicht angenommen wurde. In der Pflege der Menschen wachse er nicht artgerecht auf, hieß es zur Begründung. Für die Berliner, die für Bären, ihr Wappentier, ohnehin eine Schwäche haben, eine absurde Vorstellung. Der Zoo in Leipzig sah dies kürzlich anders und ließ einen von der Mutter verstoßenen Lippenbären töten. Empörte Tierfreunde erstatteten Anzeige. Die Staatsanwaltschaft ermittelte, erhob aber keine Anklage, weil unter anderem die Welt-Zoo-Naturschutzstrategie eine Handaufzucht ablehnt.

Knut setzt die Tradition vieler "prominenter" Tiere in Berlin fort. Wochenlang unterhielt der anfangs lendenlahme Gorilla Ivo die Leser, Hörer und Zuschauer. Der Silberrücken zeigte überhaupt kein Interesse an seinem Harem mit sieben Damen. Um die Welt ging auch die Freundschaft zwischen der fünf Kilo leichten Katze Muschi und der 500 Kilo schweren Kragenbärin Mäuschen, die sich brav ihre Fischbrötchen teilen. Legende sind auch die ebenso ergötzlichen wie schon fast tragischen Geschichten um die Empfängnis von Panda-Dame Yan Yan. Die Berliner fieberten jedes Mal mit, ob bei Yan Yan die Hormone ausflippten oder die Temperaturkurve stieg. Jedoch scheiterten alle natürlichen Versuche mit dem beißwütigen Partner Bao Bao wie auch künstliche Besamungsexperimente. Vielleicht sind deshalb nun alle so verliebt in das kleine Eisbärenbaby.

44 Tagen im Brutkasten

Knut ist der unbestrittene Superstar. Die Story hat alle nötigen emotionalen Beigaben. Die 20-jährige Eisbärenmutter Tosca bringt am 5. Dezember Zwillinge zur Welt. Sie versorgt die Jungtiere nicht. Ein Zwilling stirbt nach nur vier Tagen. Doch Knut, Geburtsgewicht 810 Gramm, überlebt und schlägt sich nach 44 Tagen im Brutkasten mit seinem immer lauteren Gekreische nach Futter weiter durch. Die Gewichtsangaben, jetzt schon über sechs Kilo, werden vom Publikum ähnlich aufmerksam verfolgt wie Aktienkurse oder Wetterwerte. Nun soll er sogar geadelt werden, jedenfalls, wenn es nach dem Leser einer als seriös geltenden Berliner Tageszeitung ginge. Dann hieße der kleine Bär "Lord Knut" - in Anlehnung an eine frühere Kultfigur der Berliner Rundfunkszene.

Hans-Rüdiger Bein/DPA
 
 
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