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4. April 2007, 14:34 Uhr

Der König und sein schmelzendes Reich

Sie sind die unangefochtenen Könige einer klirrend kalten Eiswelt. Doch während sich in Berlin die Zoobesucher vor Knuts Gehege drängeln, kämpfen die wilden Vettern des Eisbärbabys gegen die Folgen des Klimawandels. Von Marcus Anhäuser

Der Lebensraum der Eisbären schmilzt ihnen buchstäblich unter den Sohlen weg - möglicherweise für immer© Greenpeace/DPA

Knut ist gut. Wer wollte anderes behaupten, wenn selbst dem renommierten Fachmagazin "Nature" das Schicksal des kleinen Eisbären eine Meldung wert ist - natürlich mit Bild. Doch bei aller Begeisterung für den kleinen Knuddel: Am Ende ist er nur das süße Symbol einer vom Aussterben bedrohten Art. Denn während sich die Berliner Zoobesucher vor dem Gehege des kleinen Bären drängeln, kämpfen Knuts wilde Vettern gegen die Folgen des Klimawandels. Das Ende ist ungewiss.

Auch wenn man es dem kleinen Berliner Racker noch nicht ansieht, als Erwachsener wird er ein Vertreter der größten Landraubtierart auf dem Planeten sein. Mit einer halben Tonne Kampfgewicht sind Eisbärmännchen die unangefochtenen Könige der klirrend kalten Eiswelt rund um den Nordpol. Die Königinnen sind nur halb so schwer und bringen ein bis zwei kleine Knuts pro Jahr zur Welt.

Der Mythos vom lichtleitenden Fell

Eisbären sind die geborenen Killer aus der Kälte. "Eine elf Zentimeter dicke Speckschicht kombiniert mit besonderen Fell- und Hauteigenschaften isolieren den Körper exzellent und halten die Körpertemperatur von 37 Grad Celsius auch bei nachweislich minus 37 Grad konstant", sagt Scott Schliebe, einer der Autoren des kürzlich veröffentlichten Zustandberichtes über die Eisbären des U.S. Fish and Wildlife Services. Die schwarz pigmentierte Haut absorbiert Sonnenstrahlung und damit Wärme viel besser als die helle Haut anderer Säuger. Das dicke Fell isoliert den Körper zwar sehr gut, dank vieler kleiner Luftkammern in den Haaren. Allerdings werden die Eigenschaften der farblosen Fellhaare seit Jahren regelmäßig überschätzt.

Es sei ein nicht aus der Welt zu schaffender Mythos, dass die Haare die wärmenden Sonnenstrahlen wie Lichtleitfasern bis zur schwarzen Haut des Bären leiten, sagt Physiker Daniel Koon von der St. Lawrence University in Canton, USA. "Die Haare verhalten sich nicht wie Lichtleitfasern, weder im ultravioletten noch im sichtbaren Licht." Aufgekommen sei die Idee in den achtziger Jahren, als Wissenschaftler feststellten, dass das Eisbärfell im UV-Licht schwarz erscheint, also Ultraviolett absorbiert. "Meine Labormessungen zeigen, dass es gerade mal ein Tausendstel eines Prozents von rotem Licht durch ein Haar von einem Inch (2,54 Zentimeter) Länge schafft. Dieselbe winzige Menge UV-Licht schafft es nicht mal ein Fünftel der Strecke durch dieses Haar", schreibt er auf seiner Homepage.

Sie sind gefeit gegen Kälte - und gegen Hungerperioden

Doch der Eisbär, den die Inuit Nanuq nennen, verfügt über andere Waffen gegen die Kälte. Tatsächlich sind die Bären so gut gegen die Kälte geschützt, dass sie eher mit dem Problem kämpfen zu überhitzen. Es gibt nur wenige Stellen, an denen die Körperwärme einen Ausweg aus dem Speck isolierten Körper findet - wie Schnauze, Nase, Ohren, Fußpolster, die Innenseite der Schenkel und die Schulter, an der Blutgefäße wenige Millimeter unter der Haut verlaufen.

Eisbären sind nicht nur gegen die Kälte gefeit, sondern auch gegen längere Hungerperioden. "Sie haben die unter Bären einzigartige Möglichkeit, den Körper immer wieder nach Bedarf in einen Winterschlaf-ähnlichen Zustand zu versetzen", sagt Schliebe. So fahren sie den Stoffwechsel herunter und verhindern, dass die Fettreserven zu schnell aufgebraucht werden. "Das, zusammen mit der Fähigkeit Fett mit einer Effizienz von 98 Prozent zu verdauen, ist sicher die wichtigste Anpassung an die arktische Umwelt", sagt Schliebe.

Stundenlang harren sie vor den Atemlöchern aus

Das Reich der Eisbären wächst und schrumpft jedes Jahr aufs Neue - von rund 15 Millionen Quadratkilometern im winterlichen März auf etwa sieben Millionen Quadratkilometer im sommerlichen September, ein Verlust etwa so groß wie Australien. Denn was die meisten vergessen: "Etwa zwei Drittel der Arktis sind Meer", sagt Schliebe. Wenn die Temperaturen anziehen, wächst die Meereisgrenze nach Süden bis an die kontinentalen Grenzen Asiens und Amerikas. Dann ist Jagdsaison für die Eisbären. Und sie haben eine Vorliebe: Ringelrobben.

Wie sie jagen, wie sie leben und was ihre Zukunft bedroht

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