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4. Juli 2008, 10:44 Uhr

Quallenplage an Europas Stränden

In diesem Sommer werden nach Prognosen von Meeresforschern Unmengen von Quallen den Badespaß am Mittelmeer, an Ost- und Nordsee trüben. Während die Ohrenquallen-Invasion in der Kieler Förde noch harmlos ist, drohen andernorts beim Baden mit Feuerquallen üble Verbrennungen.

Zahlreiche Quallenarten können durch das Gift in ihren Tentakeln Verbrennungen hervorrufen© Colourbox

Wer mit den langen Tentaklen der Feuerqualle (Chiropsalmus) in Berührung kommt, muss mit schmerzhaften Verbrennungen rechnen. Bei Allergikern kann sie sogar Lähmungen hervorrufen. Die Quallenplage ist auch eine schlechte Nachricht für dem Umweltschutz: Denn das immer häufiger werdende Auftreten der schirm- oder glockenförmigen, gallertigen Meerestiere weist auf den schlechten Zustand der Meere hin.

Mitschuld am "demografischen Boom" der Quallen trägt die Erderwärmung, davon ist der Forscher Ricardo Aguilar von der Nicht-Regierungsorganistion Oceana überzeugt. Quallen können sich schneller als Fische, Schildkröten und andere Meeresbewohner an veränderte Bedingungen anpassen, daher haben sie in Zeiten steigender Temperaturen einen Vorteil. Auch die Überfischung der Meere habe zu den Quallen-Plagen der vergangenen Jahre beigetragen, weil die natürlichen Feinde der Nesseltiere - Thun- und Haifische sowie Schildkröten - zunehmend ausgerottet würden. Ulrich Sommer vom Institut für Meereswissenschaften an der Universität Kiel schließt nicht aus, dass zumindest an Ost- und Nordsee der hohe Nitratgehalt des Wassers, der durch die Düngung landwirtschaftlicher Flächen entsteht, die Quallenplagen zusätzlich fördert.

Biologisches Gleichgewicht der Meere ist gestört

Von einem wahren Teufelskreis spricht Andrew Brierley von der schottischen St. Andrews-Universität: Da die Medusen Fischeier und -larven auffressen, tragen sie selbst direkt zur Reduzierung der Fischbestände bei. Außerdem fressen sie den Fischen zunehmend das Plankton weg. "Haben sich die Quallen aber erst einmal etabliert, ist es für Fische schwer, ihren Platz zurückzuerobern." Dies sei bereits in zahlreichen Regionen des Mittelmeers der Fall, erläutert Jacqueline Goy vom Ozeonographischen Institut in Paris. Die zunehmende Präsenz der Medusen zeige, dass das biologische Gleichgewicht der Meere zutiefst gestört sei. "Die Qualle ist ein exzellenter Umweltindikator", sagt sie.

Die rätselhaften, wirbellosen Meerestiere bis heute kaum erforscht: Nur von etwa einem Fünftel der zahlreichen Arten sei der Lebenszyklus überhaupt bekannt, betont Französin Goy. Studien zu den Wanderbewegungen der Quallen, die von Winden und Strömungen abhängen, sind schwierig. Denn die oft durchsichtigen Tiere sind auf Satellitenfotos kaum zu erkennen. Das Forschungsdefizit ist auch darauf zurückzuführen, dass Quallen aus kommerzieller Sicht wenig interessant sind: Nur in einigen asiatischen Regionen werden bestimmte Arten vermarktet und verzehrt. Die Wissenschaftler hoffen, in Zukunft mehr öffentliche Gelder für Forschungen zu bekommen - zumal sich die Plagen zunehmend auf den Tourismus auswirken dürften.

AFP/bub
 
 
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