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9. März 2005, 14:13 Uhr

Bakterien, die spinnen

Münchner Forscher haben Bakterien gentechnisch so verändert, dass sie Spinnenfäden produzieren. Erstmals ist so eine Produktion der begehrten Spinnenseide im großen Stil möglich.

Spinnenseide könnte in den unterschiedlichsten Bereichen eingesetzt werden, unter anderem in der Textilindustrie und Medizin© Picture-Alliance

Die transgenen Bakterien können industriell verwendbare, künstliche Spinnenfäden in größerem Stil produzieren, berichtete der Biochemiker Thomas Scheibel von der Technischen Universität München am Dienstag. Er bestätigte damit Angaben der "Apotheken Umschau" (3/2005 A).

Reißfestigkeit geringer als die von echter Spinnenseide

Die Reißfestigkeit der neuen gentechnisch hergestellten Seide entspreche einem Fünftel der echten Spinnenseide und sei damit höher als bei bisherigen künstlichen Spinnenfäden. Bei bisheriger künstlicher Spinnenseide sei lediglich ein Zehntel oder ein Zwanzigstel erreicht worden. "Wir verhandeln jetzt mit den unterschiedlichsten Industriezweigen, um unsere Spinnenseide zu testen und serienmäßige Produkte zu entwickeln", sagte Scheibel.

Spinnennetze sind reißfester und dehnbarer als künstliche Materialien und können in verschiedensten Industriezweigen eingesetzt werden. Unter anderem könnten damit Textilien oder Medizinprodukte hergestellt werden.

Im ersten Ansatz hatten die Münchner Forscher ein mit Hilfe eines genetisch veränderten Virus Insektenzellen zur Produktion eines Proteins angeregt, aus dem sich der Spinnenfaden bildeten. Dieses Verfahren sei aber für die Industrie zu teuer und zu aufwändig gewesen.

Wissenschaftler versuchen laut Scheibel seit 30 Jahren, Spinnenseiden in Wirtszellen herzustellen. Spinnen selbst kommen als Produzenten laut Scheibel nicht in Frage, da sie kannibalistisch seien und deshalb nicht auf einer großen Farm gehalten werden könnten. Es habe unter anderem Versuche mit Ziegen, aber auch mit Tabak und Kartoffeln gegeben. "Das hat geklappt - aber nicht gut. Die Ausbeute war einfach zu gering", erläuterte Scheibel. Zudem seien die Fäden nicht annähernd so gut gewesen wie die echte Spinnenseide.

DPA

 
 
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