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11. März 2008, 10:28 Uhr

Todeszone wächst durch Biospritproduktion

Ambitionierte Pläne hat der US-Senat für den Ausbau der Biospritproduktion. Vor allem der Maisanbau soll verstärkt werden - womöglich mit katastrophalen Folgen. Wissenschaftler warnen davor, dass sich durch den erforderlichen Dünger die "Todeszone" im Golf von Mexiko dramatisch ausweiten wird.

Eine Ethanol-Tankstelle in den USA© Picture-Alliance/DPA

Wenn die Vereinigten Staaten in Zukunft noch mehr Biosprit herstellen als bisher, führt das zu einer Katastrophe im Golf von Mexiko. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins "Proceedings of the National Journal of Sciences" (PNAS) erscheint.

Vor kurzem verkündete der US-Senat seine energiepolitischen Pläne, nach denen bis zum Jahr 2022 jährlich bis zu 136 Milliarden Liter Ethanol hergestellt werden sollen. Gut 56 Milliarden Liter davon könnten aus Maisstärke produziert werden - mehr als dreimal so viel wie im Jahr 2006. Wie viel Anbaufläche und Dünger dieser geplante Ausbau der Biospritproduktion erfordern würde, haben Simon Donner von der Universität British Columbia und Chris Kucharik von der Universität Wisconsin untersucht. Das Ergebnis ist alarmierend, Donner spricht von einem Desaster. Ihrer Studie zufolge werde die Produktionssteigerung bei Mais dazu führen, dass die "Todeszone" im Golf südlich der USA noch größer wird und noch mehr Fische sterben, erläutert der kanadische Forscher. "Alle Organismen am Meeresgrund werden wahrscheinlich sterben, und Fische werden abwandern, wenn es geht."

Schon jetzt sei die "Todeszone" an der Mündung des Mississippi 20.000 Quadratkilometer groß. Das entspricht ungefähr der Fläche von Rheinland-Pfalz. Verantwortlich dafür sind Nährstoffe, die durch Überdüngung landwirtschaftlicher Flächen in das Wasser gelangen. Vor allem aus den Staaten Illinois, Iowa, Nebraka und Wisconsin fließen Stickstoffverbindungen und Phosphate über den Mississippi in den Golf von Mexiko, wo sie das Wachstum der Algen verstärken. Wenn die Algen absterben und sich zersetzen, brauchen sie dafür Sauerstoff, der dann wiederum den Fischen fehlt.

Falls die USA bis zum Jahr 2022 soviel Mais zur Herstellung von Biotreibstoff anbauen wie geplant, werden Donner zufolge der Mississippi und der Atchafalaya, der ebenfalls in den Golf mündet, um bis zu ein Drittel mehr mit Stickstoffverbindungen verseucht als bislang. Die von den USA geplanten Gegenmaßnahmen würden zu 95 Prozent scheitern, erklärt Donner, der die voraussichtliche Entwicklung an Hand von Computermodellen abmaß. "Die US-Energiepolitik wird es praktisch unmöglich machen, das Problem der Todeszone zu lösen."

AFP/wüs
 
 
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