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21. März 2007, 07:51 Uhr

Deutschland kann ab 2015 auf Atomstrom verzichten

Greenpeace hat einen "Plan B" für den Klimaschutz. So heißt die Studie, die dem stern exklusiv vorliegt. Die Kernpunkte: Der Verzicht auf Atomstrom soll schon ab 2015 möglich sein, bis 2020 soll der CO2-Ausstoß um ganze 40 Prozent verringert werden können.

Zoom

Der "Plan B" von Greenpeace sieht vor, dass der Staat Offshore-Windparks mehr fördern soll© DDP

Deutschland kann die Klimaschutzziele erreichen und gleichzeitig früher als geplant aus der Kernenergie aussteigen. Zu diesem Ergebnis kommt eine 200-Seiten-Studie der Umweltorganisation Greenpeace, die dem stern vorliegt. Unter dem Titel "Klimaschutz: Plan B" hat das Aachener Institut EUtech im Auftrag von Greenpeace ein nationales Energiekonzept für das Jahr 2020 ausgearbeitet. Demnach kann Deutschland ab 2015 komplett auf Atomstrom verzichten und trotzdem seinen CO2-Ausstoß bis zum Jahr 2020 um 40 Prozent verringern.

Ein Drittel Strom aus erneuerbaren Energien

Voraussetzung dafür sei es, das Potenzial erneuerbarer Energien stärker auszuschöpfen. Sie sollen bis 2020 ein Fünftel des Wärmebedarfs decken und ein Drittel der Strommenge liefern; allein damit würde der Wegfall der Kernenergie mehr als ausgeglichen. Um dies zu erreichen, so die Studie, müsse der Staat Offshore-Windparks stärker fördern und Probebohrungen für die ersten 100 Erdwärmeanlagen über Bürgschaften absichern.

Bei der Stromerzeugung soll künftig stärker auf effizientere Methoden gesetzt werden. Kraft-Wärme-Kopplung soll nach der "Plan B"-Studie stärker gefördert und so insgesamt gegenüber dem heutigen Stand verdreifacht werden. Dies könne unter anderem durch eine Verschärfung des Handels mit Verschmutzungsrechten für konventionelle, die Umwelt stark belastende Stromerzeuger erreicht werden. So fordert die Studie laut stern, "dass der Neubau von Braunkohlekraftwerken finanziell nicht privilegiert wird".

Gesetzgeber soll Stromverbrauch regeln

Für die Verbraucher und die restliche Wirtschaft sieht die Studie eher moderate Maßnahmen vor. Zusammen sollen sie ihren Stromverbrauch um 15 Prozent sowie ihren Wärme- und Treibstoffverbrauch um elf Prozent senken. Dies solle vor allem durch die Einführung gesetzlicher Mindeststandards, analog zu den geplanten CO2-Grenzwerten für Autos, erreicht werden. So sollen Stromverbrauchshöchstwerte für alle elektrisch betriebene Geräte in Haushalten und Industrie gesetzlich festgelegt werden. Durch diese Maßnahmen und den Ausbau hocheffizienter Strom- und Wärmeerzeugung ließen sich 37 Prozent der eingesetzten Energiemenge sparen.

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KOMMENTARE (8 von 8)
 
Lorienn (23.03.2007, 10:50 Uhr)
Blindgänger
@gudrun13, fanator72, _SCT_
Eure Kommentare sind ein typisches Beispiel für die unerwartet weit verbreitete Meinung, dass am Energiemarkt, der in D von 4 Grosskonzernen beherrscht und von der Politik (auch aufgrund des EURATOM-Vertrages) massivst subventioniert wird, der Preis den Kosten entspricht. Leider ist das nicht der Fall und die meisten Menschen lassen sich davon täuschen. Bestimmte Technologien sind geradezu prädestiniert dafür, "versteckte" Kosten zu verursachen. Ein Beispiel von vielen: Während man bei Windenergieanlagen alles kalkulieren kann, angefangen von Materialimport, Entwicklung, Versicherung, Risiko, bis zu Vermarktung, Lebensdauer und Entsorgung, so ist dies bei Atomanlagen überhaupt nicht gewährleistet. Wie sind die "politischen" Kosten des Uranimports?
Wieviel kostet die (bisher völlig ungeklärte und nichtexistente) Entsorgung? Wieso sind Atomanlagen nicht wirklich versichert (GAU-Kosten im Billionen-Euro-Bereich, keine Versicherung möchte dafür haften!)? Diese Risiken trägt der Staat und damit der Steuerzahler. Im Falle eines Gaus gehen nach Schätzungen eine bis mehrere Jahressteuereinnahmen des Staates hops.
Der Punkt ist: Was nicht wirklich gut kalkulierbar und/oder nachweisbar ist, existiert nicht und wird nicht verrechnet. Auch ein Grund, warum der Preis des Atomstroms niedriger liegt als der der EEn, obwohl die Kosten bei weitem höher sind und indirekt über Steuerzahlungen von der Gesellschaft bezahlt werden.
Das war nur ein kleiner Auszug aus dem Abentuer Energiemarkt. Die Quintessenz: Der Energiemarkt existiert de facto NICHT.
Spocks_Kommentar (21.03.2007, 14:06 Uhr)
Es ist wie immer
Es ist wie immer in Deutschland. Kaum sagt einer was, wissen alle, wie es nicht geht, keiner interessiert sich dafür, wie es geht.
Fakt ist: Das Energieproblem muß gelöst werden. Fakt ist auch, das Problem der Klimagase muß gelöst werden. Und Fakt ist ferner, Atomenergie ist die teuerste Energie überhaupt, wenn man alle Kosten einschließlich Abriß und Entsorgung der AKWs berechnet und die Subventionen einrechnet und sie ist die gefährlichste, wie Three Mile Island (wer denkt eigentlich noch an diesen GAU?), Sellafield und Tschernobyl bewiesen haben.
Auch der Ruf nach internationaler Zusammenarbeit taugt bestenfalls dazu, die Entscheidungen zu verschleppen und ausschließlich dazu wird er auch von der Politik eingesetzt.
Was geht also? Straßenbeleuchtung abschalten geht sofort. Güterferntransporte auf Schiene und Schiff und nur regionale Zustellung per LKW geht sofort. Auf Kraft- Wärmekopplung umrüsten geht zumindest sehr schnell. Mittelfristig geht: Arbeitskräfte regional vermitteln spart milliaden Kilometer, Ausbau von Videokonferenzen und ähnlichem vermeidet energieintensive Reisen, politische Signale, die dafür sorgen, daß Firmen möglichst in ihrem Einzugsgebiet arbeiten spart Energie und so weiter.
Damit nicht getan: Die Industrie muß verpflichtet werden, neueste Technik auch auf den Markt zu bringen und nicht in die Schubladen zu legen und mit den alten Produktionsanlagen den alten Schrott weiterzuproduzieren.All das geht und noch viel mehr, ohne die Nordsee mit Rotoren zuzubauen, das geht zusätzlich.
Ausstieg aus der Atomkraft? Kein Problem - heben wir die Rückstellungen auf, mit denen der Staat die Atomindustrie finanziert (ca. 25 Mrd. Euro Steuermehreinnahmen!) und Sie werden sehen, wie schnell die AKW's vom Netz sind.
Aber wie lautet doch das deutsche Motto: Es gibt viel zu tun, lassen wir's liegen.
Skarrin (21.03.2007, 13:41 Uhr)
Hellseher
Außer dem Stern hat das Konzept noch niemand gelesen, trotzdem wissen schon ein paar selbsternannte Hellseher, das bei Umsetzung der Strom um mindestens eine Fantastilliarde Cents teurer würde. Ob die mir wohl auch die Lottozahlen vom nächsten Samstag verraten könnten?
Wer einen ganz normalen Stromanbieter-Vergleich im Internet finden und aufrufen kann, der weiß aber, dass Ökostrom-Angebote teilweise schon billiger sind als die der hochsubventionierten Atomstromfabrikanten.
napperman (21.03.2007, 12:52 Uhr)
Wieso ist Atomstrom billig?
Liebe Mitkommentatoren,
In Frankreich wird ein Großteil des Stromes aus Reaktoren bezogen und trotzdem ist Strom da noch teurer als bei uns. Das Preisargument zieht nicht. Die Energie-Konzerne fahren monströse Gewinne, investieren aber nichts in neue Infrastruktur (s. Stromausfälle letztes Jahr).
@_SCT_:
Wie würdest Du denken wenn eine mit Atommüll beladene Trägerrakete challenger-like über Deinem Haus explodieren würde....
Daisan (21.03.2007, 10:43 Uhr)
Liebe Mitkommentatoren,
bitte vergesst nicht, daß auch und vor allem die "konventionelle" Energie noch deutlich teurer wird - und wenn man die Gesamtbilanz bei Atomenergie betrachtet, sieht das von den Kosten her noch übler aus.
Auch wenn die alternative Energie "teuer" ist, so führt kein Weg dran vorbei.
Und: Gerade bei den umweltfreundlichen Verfahrens- und Herstellungstechnologien sind aufgrund des zunehmenden Masseneinsatzes noch deutliche Preissenkungen drin, da aufgrund von Massenproduktion die Stückkosten noch deutlich gesenkt werden können. Auch werden z. B. Solarzellen durch z. T. neue Produktionsverfahren immer günstiger. Also nicht schwarz sehen,
die konventionellen Energien werden schon in 5 bis 10 Jahren die wirklich teuren sein.
Grüsse
Daisan
_SCT_ (21.03.2007, 09:54 Uhr)
An der Realität vorbei
Beide Vorredner haben Recht. Die Greenpeace Studie geht an der Realität vorbei, indem sie davon ausgeht daß es
a) keinen Markt für Energie gibt
b) Jeder Einzelne in der Bevölkerung vor Geld nicht gerade gehen kann.
c) Der Staat ist auch arm und Finanzhilfen für die Sozialsysteme sind wichtiger (was uach richtig so ist)
Der Markt für Energie diktiert die Preise. Arme oder finanziell abhängige Menschen haben wir hier in D 30 Mio. Diese werden immer den billigsten Strom haben *müssen*.
Deshalb ist die Atomkraft, so furchtbar auch das Entsorgungsproblem ist, das geringste Übel. Sie ist klimaschonend und billig zu haben. Die Brennstoffe reichen noch 100Jahre. Wir müssen uns auf das Entsorgungsproblem des atomaren Abfalls konzentrieren (was ist an der Idee den Müll in den Welraum hinter den Pluto zu schissen so schlecht?) und uns auch und vor allem auf die Kernfusion konzentrieren. Wir müssen auf Gedei und Verderb in den nächsten 20 Jahren aus Kernfusion einen Energieüberschuß holen.
fanator72 (21.03.2007, 09:23 Uhr)
Konzept ist ok. aber...
wie auch schon die Vorschreiberin hege ich Zweifel an der Finanzierbarkeit des Konzeptes. Auf dem Rücken der Endverbraucher ist da schon momentan nix mehr zu machen, da helfen auch finanzielle Anreize für Solaranlagen bei Neubauten nix.
Es nutzt bspw. niemandem, wenn von 12.000 EUR 3.000 EUR erlassen werden, wenn nur 500 EUR generell zur Verfügung stehen?
gudrun13 (21.03.2007, 08:06 Uhr)
Tja liebe Experten von Greenpeace
Ihr habt eine grundlegende Voraussetzung vergessen ...
Erneuerbare Energie muss bezahlbar sein. Öko-Strom ist heue schon der teuerste auf dem Markt. Von WAS sollen Hartz IV Empfänger und arme Leute (so wie wir!) die Energie noch bezahlen? Schon jetzt ist es monatlich ein Kraftakt die Energie-Abshchläge für Wasser, Strom und Gas aufzubringen. Und lebt man dazu auf dem Land wie wir dann geht ohne Auto auch nichts ... Energie muss man sich auch leisten können - geht die Preisentwicklung so weiter dann, liebe Experten von Greenpeace, sitzen 30 - 40 Prozent der Bevölkerung in einigen Jahren mit Fackeln zuhause während der andere Teil der Bevölkerung nur noch biologisch und ökologisch korrekte Energie nutzt.
Leute, Energie muss nicht nur ökologisch passen sie muss auch zwischen Daumen und Zeigefinger passen ...ansonsten habe ich die Wahl zwischen einem Brot und einem Tag Strom oder Gas! Abgesehen davon dass es für arme Menschen - wiederum wie wir! - gar nicht möglich ist die Heizung zu erneuern oder das Haus zu dämmen weil wir es nämlich nicht bezahlen können und die KfW-Bank nur an Personen Kredite vergibt die sie eigentlich gar nicht nötig hätten ...!
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