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19. Mai 2006, 11:28 Uhr

Warten auf die Wirbelstürme

"Katrina", "Rita" und "Wilma" haben 2005 Tod und Verwüstung gebracht. Jetzt warten alle gebannt auf "Alberto", "Beryl" und "Chris". Aber Hurrikan-Vorhersagen müssen mit unbekannten Einflüssen rechnen.

Hurrikan Wilma peitschte 2005 Sturm und Regen über die überfluteten Straßen von Cancun in Mexiko© Paris Barrera/DPA

21 Namen für die Hurrikans der am 1. Juni beginnenden Saison stehen bereits jetzt fest. Auf wie viele Tropenstürme und schwere Hurrikans sich die Menschen in der Karabik, in Mexiko und an der US-Küste mindestens einstellen müssen, wird das Nationale Hurrikan-Zentrum der USA in Miami am kommenden Montag bekannt geben. Eins ist bereits sicher: Über dem Atlantik werden sich wieder mehr Wirbelstürme zusammenbrauen als im statistischen Durchschnitt.

"Unsere Aufgabe ist eine Fünf-Tage-Vorhersage über die Position und Stärke eines Hurrikans und diese alle sechs Stunden auf den neuesten Stand zu bringen", sagt Frank Lepore vom Nationalen Hurrikan-Zentrum in Miami.

Wissenschaft mit vielen Unbekannten

Zehn Mitarbeiter arbeiten vom Beginn der Saison am 1. Juni bis zum Ende 30. November rund um die Uhr an den Vorhersagen. Satelliten und ein Spezialflugzeug liefern die Daten. Das Kleinflugzeug vom Typ "Gulfstream 4" fliegt beispielsweise um einen Wirbelsturm und misst Luftdruck, Temperatur und Bewegung. Die Daten werden dann in einen Super-Computer in Washington eingespeist. Dieser rechnet zwölf verschiedene empirische Modelle durch. "Das erlaubt uns dann eine Schätzung, wo die künftige Position des Sturms sein wird", sagt Lepore.

Die Hurrikan-Vorhersagen haben sich in den vergangenen Jahren verbessert, bleiben aber eine Wissenschaft mit vielen Unbekannten. "Unsere Vorhersage für fünf Tage ist heute so gut wie die Drei-Tage-Voraussage vor 15 Jahren", sagt Lepore. "Man muss sich bewusst sein, dass eine Zahl von Variablen die Bewegung der Tropenstürme beeinflusst. Das ist wie bei einem Floß, das auf einem Fluss treibt. Nur in diesem Fall ist es ein Fluss aus Luft. Man kann erkennen, wie chaotisch die Dinge werden, weil die Atmosphäre nicht wie ein richtiger Fluss durch ein Uferbett begrenzt wird", erklärt Lepore.

Elf Namensstürme pro Saison

Die Dynamik eines Hurrikans werde bis heute nicht vollständig verstanden. "Wir können viel einfacher die Position eines Hurrikans voraussagen als die Intensität", sagt er. Die vergangene Hurrikan-Saison über dem Atlantik brach alle Rekorde. Aus 28 Namensstürmen entwickelten sich 15 Hurrikans. Sieben davon waren bedeutende und sehr zerstörerische Wirbelstürme mit Windgeschwindigkeiten ab 178 Kilometer pro Stunde.

Mit mehr als 1300 Toten war "Katrina" der unheilvollste Hurrikan seit 1928. Den Rekord als heftigster und stärkster Wirbelsturm hält seit dem vergangenen Oktober aber "Wilma". Normal sind nach den Worten von Lepore elf Namensstürme pro Saison, aus denen sechs Hurrikans und daraus wiederum zwei besonders schwere hervorwirbeln.

Der Zusammenhang zwischen globaler Erwärmung und der Zahl der Tropenstürme ist aus Sicht des Hurrikan-Zentrums der USA weiter strittig. "Ich glaube, die Jury ist sich weiter uneins über den Einfluss der globalen Erwärmung auf die Häufigkeit von Hurrikans. Sie beeinflusst aber definitiv die Intensität von Hurrikans (...) Die meisten unserer Wissenschaftler sagen, das ist eine normale Folge eines mehrere Jahrzehnte dauernden Zyklus' über dem Atlantik", sagt Lepore. Die Aufzeichnungen über Hurrikans gingen bis in das Jahr 1851 zurück und zeigten, dass es immer wieder einen langen Zyklus oberhalb und unterhalb der normalen Werte gebe.

Tipps für Touristen

Lepore hat außerdem noch ein paar Tipps für Touristen parat: Als erstes sollten sie ihre Hausaufgaben erledigen. "Wenn ich Tourist wäre, würde ich zuerst mein Hotel anrufen und fragen, ob man während eines Hurrikans bleiben kann und ob es genug Essen, Wasser und Strom von Generatoren gibt." Und falls man mitten im Wirbelsturm steckt? "In Strandnähe ist es keine sehr gute Idee, im ersten oder zweiten Stock des Hotels zu bleiben", sagt der Hurrikan-Experte.

Hans Dahne/DPA
 
 
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