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30. Mai 2006, 11:26 Uhr

(Über-)Leben mit Hurrikanen

In Kalifornien beginnt wieder die "Saison": Ein halbes Jahr werden Hurrikane übers Land fegen, diesmal soll es besonders schlimm werden. Also bereiten sich die Bürger vor - und hoffen auf ein glimpfliches Ende.

Ein Archivbild zeigt den Hurrikan "Rita" über dem Golf von Mexico im September 2005© NOAA/AP

Die neue Hurrikan-Saison fängt offiziell an diesem Donnerstag (1. Juni) an, und auch viele Deutsche werden sich wieder im "Auge des Wirbelsturms" befinden. Florida hat sich noch nicht von den schweren Schäden aus dem Vorjahr erholt, da droht dem Sonnenscheinstaat ein neuer Doppelschlag: US-Klimaforscher sagen bis zum 30. November eine überdurchschnittlich aktive Saison voraus, und die Versicherungswirtschaft kündigte zugleich Hunderttausende von Policen oder hob die Prämien für Hauseigentümer kräftig an.

Die deutsche Immobilienmaklerin Anne Bessette lebt in Bonita Springs an der Westküste Floridas und hat das Übliche für die neue Hurrikan-Saison zurechtgelegt: Taschenlampe, Wasservorrat, Cracker. Alle Fischprodukte hat sie aus dem Kühlfach verbannt: "Wenn das auftaut, dann wird es eklig", sagt die 52-Jährige.

"Ich ziehe einen Hurrikan Erdbeben vor"

Wie die meisten Küstenbewohner deponiert Bessette genügend Bargeld zu Hause, weil während der üblichen Stromausfälle nach Hurrikans weder Bankautomaten noch Kreditkarten funktionieren. Per Gesetz will Florida jetzt Besitzer von Tankstellen und größeren Geschäften entlang der Evakuierungsrouten zwingen, Generatoren zu installieren, damit es keine Engpässe bei Benzin und Lebensmitteln mehr gibt.

Insgesamt sieht Bessette einen Wirbelsturm "viel lockerer", nachdem sie in Kalifornien Erdbeben erlebt hat. "Ich ziehe einen Hurrikan Erdbeben vor. Man weiß, dass er kommt, und man kann weg. Auf Erdbeben kann man sich nicht vorbereiten", sagt sie. "Wird der Hurrikan schlimm, bin ich weg."

"Ab Kategorie drei hau ich ab"

Auch der deutsche Gastwirt Martin Busam aus Key West würde beim Nahen eines Hurrikans der Kategorie drei mit Windgeschwindigkeiten von über 170 Kilometer pro Stunde "abhauen". "Ich würde irgendwo hinfliegen, wo es schön ist, und Urlaub machen", sagt der 43-Jährige aus dem badischen Lautenbach. Den Eigentümer des "Martin's" traf im Vorjahr gleich der erste schwere Wirbelsturm. Die Naturgewalt von "Dennis" riss einen Ast von einem riesigen Feigenbaum. Dieser stürzte in den Innenhof des Restaurants und zerstörte die Bar. "Wir konnten drei Monate nicht aufmachen", sagt Busam.

Die Deutsche Angela Hodge (26) lebt seit vier Jahren in Florida, hat geheiratet und arbeitet im Restaurant "Düsseldorf's" in Fort Myers Beach. Erste bittere Erfahrungen machte die 26-Jährige bei Hurrikan "Charley" vor zwei Jahren. "Mein Haus war zerstört, die Terrasse war total überschwemmt, alle meine Pflanzen und Gewürze sind verrottet. Damals wohnte ich noch am Strand."

Die Aussichten für die neue Hurrikan-Saison stimmen die Leverkusenerin nachdenklich. "Dieses Jahr - hm, das könnte natürlich schlimm werden", sagt sie. "Das Schlimmste für mich ist, dass die Brücke ab 60 Stundenkilometer Windstärke gesperrt wird, dann macht das Restaurant zu und dann verliere ich 500 bis 600 Dollar pro Woche. Ich habe eigentlich keine Lust mehr auf Hurrikans."

Mehrere Versicherungsgesellschaften pleite

Auch in dieser Saison gibt es für die 18 Millionen Einwohner Floridas keine Entwarnung. Die US-Klimaforscher haben bis zu zehn Hurrikans vorausgesagt; davon vier bis sechs besonders schwere. Weil Florida in den vergangenen beiden Jahren bereits von acht schweren Wirbelstürmen heimgesucht wurde, haben mehrere Versicherungsgesellschaften Insolvenz anmelden müssen. Andere Versicherer kündigten vor der Saison Hunderttausende von Policen oder hoben die Prämien um bis zu 140 Prozent an. Wer im Umkreis von 1,6 Kilometern an der Küste wohnt, hat Probleme, überhaupt eine erschwingliche Versicherung zu finden.

Hans Dahne/DPA
 
 
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