Viel Wirbel um heiße Luft

26. November 2012, 09:24 Uhr

Klimavertrag, Kyoto-Protokoll, CO2-Gutschriften: Auf die Politiker der 18. UN-Klimakonferenz, die in Katars Hauptstadt Doha begonnen hat, wartet jede Menge Arbeit. Über diese Themen wird verhandelt.

Klimagipfel, UN, Katar, Doha, Klimawandel

Flammen schlagen aus einem Gasbohrloch in Katar – der Golfstaat gilt als Klimasünder und ist dennoch Gastgeber des UN-Klimagipfels.©

Es geht um die Zukunft der Erde: In Katars Hauptstadt Doha hat am Montag die 18. UN-Klimakonferenz begonnen, Vertreter aus 193 Staaten nehmen an dem zweiwöchigen Treffen teil. Dabei hat es schon einen Hauch Ironie, einen UN-Klimagipfel in dem Golfstaat Katar zu veranstalten: Spritfressende Geländewägen fahren auf Schnellstraßen durch die Wüstenlandschaft, leistungsstarke Klimaanlagen brummen rund um die Uhr auf den Dächern von Wohnungen und Einkaufszentren. Rund 40 Tonnen Kohlendioxid pustet jeder Bewohner von Katar in die Atmosphäre – das ist der höchste Ausstoß weltweit. Und ausgerechnet in Doha, der Hauptstadt Katars, ringen die Politiker um Fortschritte beim Klimaschutz. Worum geht es beim UN-Klimagipfel genau?

Die Politiker müssen gleich an mehreren Baustellen Hand anlegen: So läuft zum Beispiel das Kyoto-Protokoll, das bislang einzige verbindliche Klimaschutzabkommen Ende des Jahres aus. In Doha soll über ein zweites Protokoll - eine Art Kyoto 2 – entschieden werden. Bislang haben sich allerdings nur wenige Staaten dazu bekannt: Die EU zählt dazu, Australien und unter anderem die Schweiz. Das Problem: Damit sind nur 15 Prozent der weltweiten Emissionen erfasst.

Fernes Ziel: ein weltweiter Klimavertrag

Umweltschützer fordern deshalb schon jetzt einen globalen Klimavertrag, der auch die Klimaziele der USA, Chinas und Indiens erfasst. Ein derartiger Vertrag soll bis zum Jahr 2015 entstehen und rund fünf Jahre später in Kraft treten. Die Politiker in Doha müssten einen Fahrplan für den Vertrag ausarbeiten, damit das Werk rechtzeitig verabschiedet werden kann. Klimaschützer geben sich damit allerdings nicht zufrieden: "Die Industrie- und Entwicklungsländer müssen schon jetzt mehr tun", fordert Martin Kaiser, Klimachef von Greenpeace Deutschland.

Ein möglicher Schlüssel wären laut Kaiser Finanzzusagen für Entwicklungsländer: Ärmere Staaten sollen weiterhin Geld für den Klimaschutz erhalten. Ab 2020 wären das jährlich rund 100 Milliarden Dollar. In Doha entscheiden die Politiker über konkrete Finanzzusagen ab 2013 und neue Geldquellen. Denkbar wäre eine Abgabe auf Flüge und den Schiffsverkehr – beides gilt aber als heftig umstritten und schwer durchsetzbar.

Gutscheine gegen Geld

Großes Konfliktpotenzial birgt auch das Erbe des ersten Kyoto-Protokolls: Darin hatten sich die beteiligten Industriestaaten zu CO2-Reduktionen verpflichtet und dafür Verschmutzungsrechte erhalten. Osteuropäische Länder – allen voran Russland – haben ihr CO2-Kontingent wegen des Wirtschaftseinbruchs aber nicht voll ausgeschöpft. Ihre überschüssigen Emissionen wollen sie behalten und künftig als Gutschriften an andere Länder verkaufen. Nach Angaben von Greenpeace handelt es sich dabei um Verschmutzungsrechte für mehr als zehn Gigatonnen CO2 – die EU und Entwicklungsländer stellen sich gegen die Pläne Russlands.

Fest steht: Für die Politiker in Doha gibt es einiges zu tun. Allein das Beispiel des Golfstaates Katar zeigt, wie weit der Weg noch ist.

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