Soll man Diesel und Benziner verbieten? Ist das Hybridmodell von Toyota wirklich konkurrenzlos? Und wie geht man mit den Schadstoffausstoß von Fabriken um? Politik und Wissenschaft überbieten sich mit Antworten auf diese Fragen. Doch einige sind falsch oder voreilig. Von Peter Weyer

Heizkraftwerks in Ostbrandenburg: Schadstoffausstoß von Autos überschätzt?© Patrick Pleul/DPA
Diesel und Benziner werden in 13 Jahren gesetzlich verboten. Danach sollen nur noch Autos mit Wasserstoffantrieb oder Hybridtechnik erlaubt sein. Diese radikale Forderung kommt nicht etwa von Öko-Fundamentalisten, sondern von Markus Söder, dem Generalsekretär der CSU. Derzeit überbieten sich Politiker und Umweltschützer mit derlei Patentrezepten im Kampf gegen die geweissagte Klimakatastrophe. Doch nicht alle Lösungsversuche zur Reduzierung der Autoabgase überzeugen mit Vernunft und Sachkunde.
Einige sind schlichtweg falsch oder voreilig. Etwa die Empfehlung von Renate Künast, Fraktionschefin der Grünen im Bundestag. Sie rief dazu auf, Hybridautos von Toyota zu kaufen. Gemeint war das Modell Prius mit der Kombination von Elektro- und Benzinmotor unter der Haube. Die Promi-Grüne, zuvor als Ministerin mit einem dicken Achtzylinder-Dienstwagen unterwegs, übersah bei ihrer Werbekampagne allerdings den Polo BlueMotion von Volkswagen. Der ist wie der Prius ein vollwertiger Fünfsitzer mit ähnlichen Fahrleistungen, ist rund 8000 Euro billiger, verfeuert aber glatte zehn Prozent weniger Sprit - ohne Hybridtechnik. In der Liga der kleinen Schlucker ist dieser Minderverbrauch schon ein Quantensprung.
Unverständlich erscheint auch das Klimaschutz-Rezept von Umweltminister Sigmar Gabriel. Der vollzog einen Sinneswandel um 180 Grad. Noch vor kurzem ließ der Minister verkünden, das Thema Tempolimit auf Autobahnen "stehe nicht auf der Tagesordnung". Ein paar Wochen später befürwortete Gabriel plötzlich eine allgemeine Geschwindigkeitsbegrenzung von 130 Stundenkilometern. Allerdings nicht aus Gründen des Umweltschutzes. Denn der berge die "ganz große Gefahr, dass sich die Republik darüber streitet und die Autoindustrie sich still und heimlich verdrücken kann." Einfach zu begreifen sind derlei ministeriellen Gedankengänge nicht.
Angesichts der teils überhitzten Treibhausgas-Diskussion mahnt nicht nur EU-Industriekommissar Günter Verheugen vor "hysterischem Aktionismus". Hans von Storch, angesehener Klimaforscher am Helmholtz-Zentrum in Geesthacht, sieht im Klimabericht selbst eine "gewisse Neigung zum Alarmismus". Joachim Schellnhuber, Leiter des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) und Mitautor des aktuellen Weltklimaberichtes, hält sogar Organisations- und Bewertungskorrekturen im nächsten Weltklimabericht von 2013 für erforderlich: "Auch das IPCC wird einem Reformprogramm unterworfen werden müssen."
Ist die düstere Klima-Prognose also völlig überzogen? Ist die wissenschaftliche Methodik zweifelhaft? Alles nur heiße Luft? Leider nein.
Denn die Kernaussagen bleiben von der kleinen Insider-Mäkelei völlig unberührt: Kohlendioxid (CO2) sitzt wie eine Käseglocke über dem Globus und lässt die Wärme nicht ins Weltall entweichen. Auf der Erde steigt die Temperatur. Mit 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit, so der Klimabericht, sind wir Menschen dafür verantwortlich, weil wir immer mehr fossile Brennstoffe wie Öl und Gas verfeuern, wobei CO2 freigesetzt wird.
Auch mit Verbrennungsmotoren auf unseren Straßen. Allerdings nur zu einem geringen Teil. In der Gesamtbilanz aller Kohlendioxid-Produzenten schlagen Autos in Deutschland nur mit etwa 13 Prozent zu Buche. Davon entfallen wiederum rund vier Prozent auf Brummis. Die machen zwar weniger als zehn Prozent am gesamten Fahrzeugbestand aus, aber sie blasen wegen der hohen Spritverbräuche etwa fünfmal mehr Kohlendioxid durch den Auspuff als normale Familienkutschen.
Die allein verursachen nur um die neun Prozent aller jährlichen Kohlendioxide in Deutschland. Weitaus mehr Treibhausgas müssen sich Land- und Forstwirtschaft (31 Prozent), Kraftwerke (26 Prozent) und Fabriken (20 Prozent) zurechnen lassen.