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16. März 2006, 14:17 Uhr
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"Schauen Sie, was die Deutschen machen"

Der Wirtschaftsboom in Indien und China hat dramatische Folgen für den Rest der Welt. Im stern.de-Gespräch erklärt Christopher Flavin vom Worldwatch-Institut, warum wir alle umdenken müssen. Von Karsten Lemm, San Francisco

Christopher Flavin: "Die Chinesen und Inder achten darauf, wie wir uns verhalten [...] Das neue chinesische Gesetz zur Förderung alternativer Energien ist sogar in vielen Teilen praktisch direkt nach deutschem Beispiel übernommen worden"© Karsten Lemm

Was passiert, wenn zwei schlafende Riesen erwachen und 2,5 Milliarden Menschen plötzlich denselben Träumen hinterher jagen wie Europäer, Amerikaner und Japaner? Wenn sie ein eigenes Auto wollen, Fernseher, Computer und iPods, wenn sie in Großstädte drängen, statt weiter in Dörfern zu leben wie ihre Eltern und Großeltern. 2,5 Milliarden Menschen, das sind die Einwohner von Indien und China zusammengenommen - 40 Prozent der Weltbevölkerung, die immer mehr Öl verbrauchen, Strom verlangen und fließend Wasser benötigen. Kann das gut gehen?

Nur wenn die beiden Länder andere Wege gehen als die Industriestaaten und wenn die ganze Welt gemeinsam umdenkt, argumentiert Christopher Flavin, Präsident des Worldwatch Institute ( www.worldwatch.org), eines unabhängigen Forschungsinstituts für Umwelt- und Sozialstudien.

"Unser derzeitiges Modell wird nicht länger funktionieren, wenn Indien und China selbst zu Industriestaaten werden", warnte Flavin am Freitag in einer Rede vor dem Commonwealth Club ( www.commonwealthclub.org) in San Francisco, Kalifornien. Am deutlichsten zeige sich das beim Ölkonsum: Derzeit verbrauchen Amerikaner im Durchschnitt mehr als 4000 Liter Öl pro Kopf und Jahr. Die Deutschen konsumieren knapp 1900 Liter, Japaner etwa 2400, Chinesen dagegen nur gut 300 und Inder lediglich 143 Liter pro Kopf und Jahr.

Das Klima steht auf der Kippe

Doch der Energiehunger der beiden Entwicklungsländer wächst dramatisch. Sollten Indien und China jemals so viel Öl benötigen wie Deutschland oder Japan, "müsste doppelt so viel Öl gefördert werden wie heute", sagt Flavin. "Nicht mal die optimistischsten Manager der Ölfirmen glauben, dass das möglich wäre." Und selbst wenn es genügend Ölvorkommen gäbe, um den gigantischen Durst zu stillen - der Erde drohte der Klimakollaps. "Die Umweltverschmutzung hat schon jetzt Dimensionen angenommen, die auf Dauer nicht haltbar sind", warnt der Worldwatch-Präsident. "Die Anzeichen wachsen, dass unser Klima auf der Kippe steht."

Warum er trotzdem Grund sieht, optimistisch in die Zukunft zu blicken, erklärte Flavin, 50, im Anschluss an seine Rede in einem exklusiven Interview mit stern.de.

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