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13. März 2009, 09:46 Uhr

"Uns läuft die Zeit davon"

Gestern ging die wissenschaftliche Klimakonferenz in Kopenhagen zu Ende. Im stern.de-Interview erklärt Professor Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung mit welchen Folgen des Klimawandels wir in naher Zukunft rechnen müssen.

Zoom
Klima, Klimawandel, Potsdamer Institut fü,r Klimafolgenforschung

Um den Klimawandel noch zu stoppen, müssen wir zügig unser Wirtschafts- und Energiessystem auf Nachhaltigkeit umstellen, warnen Wissenschaftler© Colourbox

Herr Professor Rahmstorf, UN-Wissenschaftler haben vor kurzem Alarm geschlagen: Schädliche Klimafolgen treten offenbar schneller ein als gedacht. Muss das Ziel der Europäischen Union, die Erwärmung auf zwei Grad Celsius zu begrenzen, neu überdacht werden?

Nein, aber die neuen Daten zeigen, dass wir noch entschlossener und rascher handeln müssen, um nicht über die zwei Grad hinaus zu schießen. Wir sollten schnellstmöglich die Trendwende bei den Emissionen schaffen, damit der Klimawandel noch in einem Rahmen bleibt, der unsere Anpassungsfähigkeit nicht völlig überfordert.

Mit welchen Folgen des Klimawandels müssen wir rechnen?

In den nächsten Jahrzehnten wird vermutlich das Problem der wachsenden Dürre in vielen Weltregionen die größten Sorgen machen. Im Mittelmeerraum macht sich das durch die zunehmenden Waldbrände im Sommer bemerkbar. Daneben ist es der immer raschere Anstieg des Meeresspiegels, der die Sturmflutgefahr erhöht. Man denke an Taifun Nargis in Birma im vergangenen Jahr mit über 100.000 Toten– eine solche Sturmflut wird umso schlimmer ausfallen, je höher der Meeresspiegel steigt.

Was erwarten Sie als Ergebnisse des "International Scientific Congress on Climate Change"?

Wir diskutieren hier die neuesten Messdaten und Modellstudien aus aller Welt, um die wissenschaftliche Grundlage für die Klimakonferenz Ende des Jahres in Kopenhagen zu schaffen. Am Ende wird ein dickes Buch für Fachleute entstehen, aber auch eine allgemeinverständliche Broschüre mit den wichtigsten Ergebnissen, die schon im Juni erscheinen soll. Was da genau drinstehen wird kann man erst sagen, wenn die Konferenz mit über 1600 vorgestellten Forschungsarbeiten vorüber ist.

Welche Tendenz zeigen die neuesten Messdaten und Modellstudien?

Die Studien zeigen, dass die Vorgänge wie das Schmelzen des arktischen Meereises oder der Anstieg des Meeresspiegels schneller vor sich gehen, als bisher angenommen. Gute Nachrichten gibt es allerdings hinsichtlich der Lösungen. Es wird immer deutlicher, dass ein rascher Umstieg auf erneuerbare Energien möglich ist und einen zentralen Baustein der Lösung darstellt. Hier wachsen die Investititionen dramatisch, zum Beispiel in die Solarenergie in Kalifornien.

Welche Weichenstellungen müssen Ende des Jahres auf der Klimakonferenz in Kopenhagen erfolgen?

Dort wird über die Zukunft des globalen Klimaschutzes entschieden. Es ist die wohl letzte Chance, sich weltweit auf Emissionsminderungen zu einigen, mit denen man den Klimawandel noch auf zwei Grad begrenzen kann. Die Zeit läuft uns davon.

Der Klimawandel ist nur weltweit zu stoppen. Ist unter dem US-amerikanischen Präsidenten Obama ein Weltklimaabkommen in greifbare Nähe gerückt?

Alles, was ich aus den USA höre, stimmt mich sehr optimistisch. Nach Jahren der Verleugnung des Problems sind die USA wieder aktiv beim Klimaschutz mit dabei und wollen sogar eine führende Rolle spielen.

Was müsste ein Weltklimaabkommen beinhalten?

Ehrgeizige, konkrete Reduktionsziele für die Industriestaaten, die nicht in großer Ferne liegen - etwa den CO2-Ausstoß bis 2020 um 40 Prozent zu reduzieren. Und einen Modus, wie die wichtigsten Entwicklungs- und Schwellenländer mit eingebunden werden können. Alle sitzen in einem Boot – nur gemeinsam können wir die Krise bewältigen.

Macht der Klimawandel die Ärmsten noch ärmer?

So sieht es aus. Die Industrieländer sind für 75 Prozent der zusätzlichen Treibhausgase in der Atmosphäre verantwortlich, aber die Ärmsten der Welt sind den Folgen der globalen Erwärmung, etwa Dürren und Sturmfluten, am schutzlosesten ausgesetzt.

Müssen wir mit Klimaflüchtlingen rechnen? Ist die Europäische Union darauf vorbereitet?

Es ist zu befürchten, dass die Zahl der Flüchtlinge dramatisch ansteigt, etwa wenn es durch Dürren zu größeren Ernteausfällen kommt, oder infolge klimabedingter Extremereignisse oder Landverlusten durch den steigenden Meeresspiegel. Bislang sind Klimaflüchtlinge oder im weiteren Sinne Umweltflüchtlinge im internationalen Recht nicht als anerkannte Kategorie vorgesehen. Es ist also nicht geregelt, wohin sie sich wenden können und wer sie aufnehmen sollte.

Was bedeutet das im Ernstfall konkret?

Vermutlich werden Staatengruppen wie die Europäische Union ihre Grenzen dicht machen. Wir erleben das ja jetzt schon mit den Flüchtlingen aus Afrika. Diese Problematik wird sich verschärfen.

Mehr zur Person

Mehr zur Person Stefan Rahmstorf studierte Physik in Ulm und Konstanz und physikalische Ozeanographie an der University of Wales. 1990 promovierte er in Ozeanographie an der Victoria University of Wellington in Neuseeland. Nach mehreren Forschungfahrten im Südpazifik arbeitete er als Wissenschaftler am New Zealand Oceanographic Institute, am Institut für Meereskunde in Kiel und seit 1996 am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Dort beschäftigt er sich vor allem mit der Rolle der Meeresströmungen bei Klimaänderungen. Rahmstorf ist Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat Globale Umweltveränderungen (WBGU) und einer der Leitautoren des 4. IPCC-Berichts. Zusammen mit dem Leiter des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Hans-Joachim Schellnhuber, hat er 2006 das Buch "Der Klimawandel" veröffentlicht.

Klimakonferenz in Kopenhagen Vom 10. bis zum 12. März hat an der Universität Kopenhagen der "International Scientific Congress on Climate Change" stattgefunden. Tausende Wissenschaftler aus aller Welt kamen dort zusammen, um den neuesten Stand in der Klimaforschung zu diskutieren. Die Ergebnisse werden Ende des Jahres auf der "Climate Change Conference" (COP15) der Vereinten Nationen präsentiert und sollen Entscheidungsträgern in Politik und Wirtschaft als Grundlage für ein neues Weltabkommen zur Bekämpfung des Klimawandels dienen.

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KOMMENTARE (10 von 24)
 
KunibertHurtig (14.03.2009, 12:40 Uhr)
@nightmare_online ...
wenn Sie bei Wikipedia Kohlenstoff eingeben, können Sie lesen, wie das funktioniert. Sollten Sie allerdings der Ansicht sein, Sie könnten sich in 50 oder 100 Km Höhe in der Sonne bräunen, brauchen eine Sonnenschutzcreme mit Schutzfaktor 1.000.000.000 und natürlich einen Vakuumtaucheranzug.
Wenn Sie sich dann zusätzlich der Mühe unterwerfen, bei Wiki ebenfalls Blei (Pb = Plumbum) einzugeben, werden Sie lernen, das Ihr Vorhaben zum Scheitern verurteilt ist.
Im Übrigen bewundere ich Ihre bemerkennswerte Unwissenheit sowie die Nonchalance, mit der Sie diese öffentlich machen. Sie sind sicher ein glücklicher Mensch, der sich unbelastet von Wissen auf der Oberfläche dieser Erde tummelt. Träumen Sie weiter und schließen die Augen empfiehlt ...
Kuni
Sanjoaquin (13.03.2009, 18:27 Uhr)
Glaubensfrage
Der Klimawandel ist eine Glaubensfrage, die wahrscheinlich jeder für sich selber beantworten muss. Ich persönlich glaube nicht daran, dass es möglich ist, das Klima in 100 Jahren vorauszusagen, aber das tut nix zur Sache.
Gehen wir einmal davon aus, dass es so ist, wie Rahmstorf und Konsorten propagieren und schauen wir uns die entsprechenden Lösungen an.
Es ist noch nicht so lange her, dass hier im STERN eine Familie aus Norddeutschland vorgestellt wurde, die sich für 35.000 Euro Photovoltaik aufs Dach gehängt hat. Bei einem subventionierten, also von der Allgemeinheit bezahlten Einspeisepreis von 52 cent pro kwh, "freuten" sich die guten Leutchen über € 2.500,-- pro Jahr, das ist eine Amortisationszeit von 14 Jahren. Beim einem Einspeisepreis von 10 cent pro kwh, was normal wäre, wäre die Amortisationszeit 70 Jahre, die Anlage also längst schon verschrottet.
Meine simple Frage hierzu, die von Rahmstorf und seinen Adep(p)ten bislang immer noch unbeantwortet geblieben ist: Wenn wir seine Theorien nicht in Frage stellen, sondern ganz simpel davon ausgehen, dass die Sonne die Lösung all unserer Energieprobleme darstellt, warum müssenn dann Haushalte in Buxtehude oder Wanne-Eickel damit anfangen? Warum springen nicht Staat, Kommunen und die grossen Energieversorger auf diesen Zug auf, Kapital wird investiert und Rendite ist garantiert?
Bei Solargrosskraftwerken ist es doch genauso wie bei einem Gaskraftwerk. Ein grosses Gaskraftwerk, das Strom für 100 000 Haushalte produziert ist wesentlich billiger als 100 000 kleine Wärmekraftkopplungen. Wenn man sich im gegenständlichen Artikel die Ausführungen des Ozeanologen Rahmstorf über Ökonomie zu Gemüte führt, dann ist das ungefähr so wie wenn ein Psychologe über Automotoren referiert. Und das ist das Problem an der ganzen Geschichte.
sophisticated (13.03.2009, 17:33 Uhr)
@nightmare_online: Es ist nicht so, dass ich den Klimawandel leugne,
aber ich relativiere ihn. Er wird einfach stark übertrieben (Vgl. z.B. http://www.unternehmerische-freiheit.de/kommentare/257.php).
Es ist auch nicht so, dass ich nicht meine, das man den CO2-Ausstoß reduzieren sollte, mehr auf alternative Energien umstellen sollte etc. etc.. Aber, was ich in keiner Weise aktzeptiere ist ein künstlich erzeugter Zeitdruck (mit dem Mittel der Übertreibung!).
Um die zur Debatte stehen Investitionssummen sinnvoll mittel und langfristig anzulegen, muss die Zeit für ein rationales Konzept bleiben. Ansonsten versandet der größte Teil der Milliarden in Fehlinvestitionen unausgereifter Projekte bzw. direkt in den Taschen von Profiteuren.
nightmare_online (13.03.2009, 15:50 Uhr)
@KunibertHurtig
Können Sie mir gerade das Prinzip rüberschicken, wie man aus Stickstoff Kohlenstoff macht? Mit dem gleichen Prinzip werde ich dann aus Blei Gold herstellen. Industriell natürlich. Muahahahaha. Umwandlung von Elementen in andere mit Hilfe von Sonnenstrahlung. Und Umwandlung von Protonen in Neutronen
Ich lach mich weg, sowas unglaubliches liest man sogar hier extrem selten.
Wo lernt man sowas? Auf Lummerland?
nightmare_online (13.03.2009, 15:40 Uhr)
@ElPrimo
Die vertrauen der "Klima-Kanzlerin" zu sehr. D ist keineswegs "Vorreiter" bezüglich Klimaschutz. Der Rückgang der CO2-Produktion pro Kopf war in den letzten Jahren in den USA (!) größer als hier.
In diesem Land werden die CO2-Zertifikate an die Unternehmen verschenkt. Die entstehenden Kosten für die Unternehmen sind also = 0. Es wird sogar noch besser: Die Untnernehmen verscherbeln diese Zertifikate, und machen so zusätzlich Gewinne. Und die (ausländischen) Untnernehmen, die diese Zertifikate kaufen, dürfen dann zusätzliches CO2 produzieren.
Was "die anderen" angeht, da warten Sie mal in aller Ruhe dieses Jahr ab. Die USA werden nämlich als "Ausrede fürs Nichtstun" ruck-zuck wegfallen. DIE sehen das Potential an Arbeitsplätzen (und Geschäften), die mit regenerativen Energien möglich sind. Wenn dieses Jahr vorbei sein wird, werden die D bezüglich Technologie in diesem Bereich überholt haben.
Und was macht D? Wir senken die Steuern für Spritfresser wie den Cayenne.
KunibertHurtig (13.03.2009, 13:18 Uhr)
Treibhausklima …
Die teilweise unsäglichen Kommentare (nicht nur an dieser Stelle)sind fast unerträglich. Kohlenstoff entsteht in der oberen Atmosphäre durch den Zerfall von Stickstoff Isotop: N14 zu Kohlenstoff C14 durch die Aufnahme von einem Elektron durch ein Proton, das dann zu einem Neutron wird.www.de.wikipedia.org/wiki/Kohlenstoff und dort: Isotope
Das C-Atom wird oxidiert zu C + O = CO + O = CO2. Somit sorgt also ein kerntechnischer Prozess, hervorgerufen durch energiereiche Strahlung (hauptsächlich) von der Sonne, für einen ständigen Nachschub an CO2. Die Erde oder Gaia (siehe: James Lovelock, www.de.wikipedia.org/wiki/James_Lovelock) hat auf einer dünnen Grenzfläche, der Biosphäre, im Laufe der Äonen Mechanismen entwickelt, diesen ständigen Nachschub des Klimagases aus der Atmosphäre zu entfernen und in Feststoffe umzuwandeln. Hierbei spielen Erdöl, Erdgas und Kohlenstoff als Kohle nur eine untergeordnete Rolle. Der meiste Kohlenstoff ist in Form von Karbonaten in Mineralien gebunden.
Dieser Prozess ist ein empfindliches Gleichgewicht, das in gewissen Grenzen (ppm CO2 im Atmosphärengas) die Bedingungen aufrecht erhält, die das Leben auf der Erde ermöglichen, in Gang halten und stets reproduzieren. Sinkt der CO2 Gehalt, wird es kälter; Eiszeiten könnten die Folge sein. Wird es wiederum Kühler, gehen die photosynthetischen Prozesse zurück und der Nachschub vom Rand der Atmosphäre (Bei konstantem Eintrag von CO2 durch Vulkane und natürlichen Quellen) erhöht in langen Zeiträumen wieder den CO2 – Gehalt in der Luft, der Klimaeffekt stellt sich ein, es wird wärmer, die Photosynthese setzt wieder verstärkt ein.
Was derzeit durch den Menschen geschieht, liegt darin, dass er einen Teil dieses Kohlenstoffs, des nur in erdgeschichtlichen Zeitzusammenhängen zu verstehenden Prozesses, aus den Tiefen der Erdkruste fördert und durch Verbrennung wieder in die Atmosphäre einträgt. Die Biosphäre hat in dem kurzen Zeitraum seit Auftreten des Menschen keine Mechanismen entwickeln können (Das Abholzen der Wälder wirkt zudem noch kontraproduktiv), diesem enormen Eintrag etwas entgegenzusetzen und so erhöht sich der partielle Anteil des Gases in der Atmosphäre, mit dem beobachtbaren Resultat der Erwärmung durch den Treibhauseffekt (w w w .de.wikipedia.org/wiki/Treibhauseffekt). Es handelt sich nicht, wie vielfach vereinfachend dargestellt, um Reflexion oder Ähnliches, sondern um eine Sekundärstrahlung, die auf folgende Weise entsteht: (ff)
Energiereiche UV-quanten treffen auf ein CO2 Molekül, werden absorbiert, regen er zu einer Schwingung an. Dieser Energieüberschuss wird in Form von zwei IR-quanten (Infrarot- also Wärmestrahlung) wieder abgegeben, das CO2 Molekül kehrt in seinen Grundzustand zurück, ohne sich verändert zu haben!!! Die Infrarotstrahlung erwärmt wiederum das umgebende Gas (die Atmosphäre), was als Treibhauseffekt in Erscheinung tritt und durch den fortwährenden Eintrag sich linear verstärkt, also über historische Zeiträume anwächst.
Es treten nun jedoch, nachdem das alles schon an die 200 Jahre auf dem Weg ist, Sekundäreffekte hinzu, die hier: www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,580213,00.html dargestellt sind. Durch die Erwärmung kommt es jedoch zu biologischer Aktivität, wie z.B. zur anaeroben Zersetzung von Biomassen zu CH4 (Methan). Das Gas ist 23-mal so infrarotaktiv wie CO2, was mit den chemischen Bindungslängen und Kräften zu tun hat, hier aber nicht erläutert werden kann. Mit dem Eintrag von Methangas aus dem ebenfalls über Äonen gespeicherten Methanhydat, startet ein Rückkopplungsprozess, der alles Bemühen um eine Begrenzung des Treibhausgases CO2 durch Kraftwerke und Autos als hilflosen antropen Aktionismus karikiert und schon jetzt zum Scheitern verurteilt. Allein die bei Wikipedia: w w w.de.wikipedia.org/wiki/Methanhydrat aufgeführte Menge im kanadischen Schelfeis würden ca. 9000 Km^3 Methan in die Atmosphäre blasen, was einem Anstieg der Methankonzentration von derzeit 1,75 ppm auf ca. 50 ppm, also 30 mal des derzeitigen Gehaltes entspricht oder, als CO2 Infrarotäquivalent (23 X 30 = 690), 690 fachen Menge an CO2, ergo einer Konzentration von 241500 ppm, mithin 0,2415 % des atmosphärischen Gases.
Dieser Prozess ist durch die im obigen Link auf den Spiegel beobachtbaren Prozesse in Gang gekommen (Schätzing: „Der Schwarm“, Nur dass das Methanhydatschelf nicht in die Tiefen der See abrutscht und einen Tsunami verursacht, sondern ausgast.).
Diese Kreisläufe zu verstehen ist Aufgabe eines jeden, der sich zu dem Thema Klimawandel als ernstzunehmender Diskussionspartner vorwagt, ansonsten ist seinem Argument lediglich als das des vom Prinzip Hoffnung Getragenen zu interpretieren oder, wie vielfach, als ignorante Pöbelei.
Zusätzlich zu den menschlich hervorgerufenen Eintragungen von CO2 kommt es zu positive Rückkopplungen durch Freisetzen von Methan (CH4) z.B. aus den Methaneisschelfen: (siehe Artikel Spiegel, oben)
Diese sind mit mehr oder weniger mächtigen Flözen aus Methanhydrat (MH) bedeckt. Sollte der dort anscheinend in Gang gekommene Prozess sich verstärken und wir extrapolieren, dass im Laufe eines überschaubaren Zeitraums 2 Meter dieser Schichten ihr Methan freisetzen, so sind das:
1,2 X 10^6 X 0,002 = 2400 Km^3 MH-Sediment (MHS).
Bei einer Dichte von 0,9 ergibt das 2160 * 10^9 Tonnen MHS = Ma
MH besteht aus 44 H2O Molekülen und 8 CH4 Molekülen entsprechend
792 Gr H2O und 128 Gr CH4 = 920 Gr MH
126/920 * Ma = 300,52 * 10^15 Gramm Methan. In MOL umgerechnet
300,52 X 10^15 / 16 = 1,858 X 10^16 Mol Methan; 1 MOL entspricht ca. 22,4 Liter daraus folgt:
1,858 X 10^16 X 22,4 = 4,1619 X 10^17 Liter = 10^14 M^3 = 10^5 Km^3 somit
4,1619 X 10^5 Km^3 Methangas.
Bei einer angenommenen Gleichverteilung bis in 20 Km Höhe (wahrscheinlich nur bis ca. 8 Km, aber das macht die Rechnung noch unfreundlicher) und einem Erdradius von 6400 Km ergibt sich:
3,4314 X 10^9 Km^3 Volumen, davon 4,1619 X 10^5 Km^3 Methan, ergibt einen Anteil von
0,1220 X 10^-4 Vol Anteilen entsprechend 122 ppm!!!
Das entspricht der 69,7 fachen Menge des vorhandenen Methan (1,75 ppm)
Der Anteil CH4 / CO2 = 0,05 Vol, aber, da CH4 23 mal so stark IR Emissionen erzeugt wie CO2 ist der Strahlungsanteil
0,05 * 23 = 0,115, entsprechend 11,5% der emittierten Strahlung. Erhöht sich der Methananteil auf 20 ppm setzt das Methan schon 50% an der Gesamtstrahlung frei, bei 40% gestiegener Strahlung, danach tritt der IR-Eintrag durch CO2 in den Hintergrund der CH4 IR-Emissionen, denn wir sprechen von 122 ppm …
Das CH4 wird in einem relativ kurzen Zeitraum – es hat ca. 10 Jahre Standzeit in der Atmosphäre – zu CO2 oxidiert: CH4 + 2 O2 = CO2 + 2 H2O. Aus 1,858 X 10^16 Mol Methan entstehen 2,716 X 10^16 Mol H2O; 1 MOL = 18 ccm, somit 4.889 X 10^17 ccm = 488,9 Km^3 Wasser; sodann erhöht sich im Laufe von ca. 10 Jahren der CO2 – Anteil in der Atmosphäre auf 350 + 122 = 472 ppm CO2. Die Wärmestrahlung geht zurück und stabilisiert sich auf einem hohen Level.
Wenn also allein dieses eine Methanhydratfeld auf nur 2 Meter ausgast ist das für die Meisten von uns das Ende und auch das Ende vieler Arten auf der Erde. Es wäre der Startpunkt zum nächsten Massensterben meint …
Kuni
mojo.man (13.03.2009, 11:59 Uhr)
@ ElPrimo
Warum sollten die Deutschen in diesem Bereich nicht mit wehenden Fahnen voranstürmen?
Die anderen Industrienationen und auch Schwellenländer denken fast alle, sollen doch die anderen erstmal was tun. Je mehr so denken, desto weniger passiert und desto unwahrscheinlicher wird es, dass sich etwas ändert.
Sehen Sie die Investitionen in Bereichen der Umwelttechnik und erneuerbaren Energien doch mal positiv. In Deutschland werden diese Wirtschaftsbereich in letzten Jahren ordentlich voran gebracht. Welche Ausreden werden andere Industriestaaten noch haben wenn man zeigen kann, dass man eine effiziente Industrie auch mit geringen Emissionen betreiben kann? Industrie und Umweltschutz schließen sich nicht aus.
Mittel- bis langfristig werden alle Länder eine vergleichbaren Weg einschlagen. Und derjenige, der dann die entsprechende Technik und das sprechende know-how für diese Wirtschaftsbereiche anbieten kann, wird profitieren.
Heute in Umweltschutz in weitesten Sinn zu investieren ist in zweifacher Weise von Nutzen. Zum einen für die Umwelt direkt, zum anderen wird ein neuer Wirtschaftszweig ins Leben gerufen. Und warum sollte Deutschland nicht versuchen sich bei diesem Wirtschaftszweig ein Platz in den oberen Bereichen zu sichern?
ElPrimo (13.03.2009, 11:30 Uhr)
Es muss was getan werden...
soviel ist klar. Ich frage mich aber trotzdem wieso wir hier in Deutschland immer mit wehenden Fahnen vorausschreiten müssen. Erstmal sollten doch die restlichen Industrienationen nachziehen. Oder sollen wir immer bessere und teurere Projekte gegen die Schadstoffemission ins Leben rufen damit die anderen Nationen dafür umso mehr Schadstoffe rausblasen können ??
nightmare_online (13.03.2009, 10:39 Uhr)
@sophisticated
Das Argument mit der anstehenden kleinen Eiszeit aus den 70ern find ich immer äusserst putzig. Es gab in dieser Zeit - ein paar populärwissenschaftliche Bücher, die diese These vertraten, und 2 (!!) wissenschaftliche Artikel. Daraus machen die selbsternannten "Klimaskeptiker" dann "eine allgemein anerkannte Theorie".
Heute hingegen ist die Situation völlig eindeutig: Es gibt seit 1993 keine einzige Veröffentlichung die es in ein seriöses (-> peer review) Wissenschaftmagazin geschaffft hat, die den anthropogenen Anteil am Klimawandel bestreitet.
Die Idee, erstmal abzuwarten, finde ich äusserst putzig. Machen Sie das auch so wenn ihr Haus brennt? Nach dem Motto: "Es brennt ja nur der Dachstuhl, bevor wir da was unternehmen, sollten wir erstmal abwarten ob das Feuer die Wohnräume erreicht?"
Und zu den angeblich so hohen Kosten: Tun wir nichts, können die Kosten die DURCH den Klimawandel entstehen, bis zu 20% des BIP ausmachen. Jedes Jahr.
> http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,445410,00.html
provocateur (13.03.2009, 10:35 Uhr)
Der Weltstaat...
Die Lösung dieser globalen Probleme setzt eine globale Lösung voraus. Vorassetzung dafür kann nur in der Abschaffung des Nationalstaats liegen.
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