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16. Februar 2006, 17:42 Uhr
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Wenn das Wetter Kapriolen schlägt

Beim 1. Extremwetterkongress spüren Wissenschaftler Ursachen und Folgen von Hurrikans, Hochwasser und Schneestürmen nach. Und diskutieren die Frage: Ist die Erderwärmung schuld an den immer extremeren Wetterphänomenen? Von Angelika Unger

Eine Folge der Erderwärmung? Nach dem Hurrikan Katrina stehen im Spätsommer 2005 die Straßen von New Orleans unter Wasser© Rocco DeFilippis/DDP

Tropenstürme fegten 2005 übers Meer und verursachten Milliardenschäden an den Küsten, jetzt peitschen Schneestürme durch New York und in Bayern sind ganze Landstriche unter den Schneemassen begraben - in den vergangenen Jahren hatten die Menschen häufig unter extremen Wetterbedingungen zu leiden. Erleben wir die ersten Folgen einer Klimaerwärmung? Über diese Frage diskutieren ab Donnerstag 400 Experten beim 1. Extremwetterkongress in Hamburg.

Die Antwort lautet Jein, sagt Mojib Latif, Professor am Leibniz-Institut für Meereswissenschaften der Universität Kiel. "Der Klimawandel löst nicht einzelne Extremwetter-Ereignisse aus, wohl aber Veränderungen in deren Häufigkeit und Intensität." So seien etwa die große Anzahl und die verheerende Gewalt der Hurrikans darauf zurückzuführen, dass die Temperaturen an den Meeresoberflächen steigen. Andere Wetterkapriolen, wie etwa das derzeitige Schneechaos in Bayern, entstünden gänzlich losgelöst von Kohlendioxid-Ausstoß und Erderwärmung. "Es gibt auch Wetterphänomene, für die kann der Mensch einfach nichts."

Wüste rund ums Mittelmeer

Latif rechnet damit, dass der Trend zu extremen Wetterlagen auch in Deutschland zunehmen wird. "Wir werden immer längere Trockenperioden bekommen - und wenn es mal regnet, dann richtig heftig", sagte er. "Extreme Trockenheit und sintflutartige Niederschläge sind keine Gegensätze."

Nach Angaben der Nasa ist die Temperatur auf der Erde in den vergangenen hundert Jahren um 0,8 Grad gestiegen. Latif hält einen Anstieg um bis zu weitere sechs Grad für möglich, wenn die Menschheit weiterhin auf fossile Brennstoffe setze. In diesem Fall werde es bereits 2050 rund um das Mittelmeer so extrem heiß und trocken sein, dass das Trinkwasser knapp werde und der Tourismus zusammenbreche.

Unaufhaltsamer Trend

Umkehren lässt sich der Trend zur Erderwärmung wohl nicht mehr - allenfalls abschwächen. "Selbst wenn wir aufhören würden, CO2 zu produzieren - was nicht möglich ist - würde die Temperatur auf der Erde binnen hundert Jahren um ein Grad ansteigen", sagte Martin Claussen, Direktor am Max Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg. Denn was die Menschheit heute tue, wirke sich erst Jahrzehnte später auf das Klima aus. Diese Trägheit des Klimas könne man aber auch nutzen: Selbst wenn es erst in zehn oder zwanzig Jahren gelinge, den weltweiten Kohlendioxid-Ausstoß drastisch zu reduzieren, sei dies ein großer Schritt nach vorn.

Eines halten die Wetterexperten für ausgeschlossen: das Horroszenario, das der Film "The Day After Tomorrow" malte. Zwar könnte der Treibhauseffekt in ein- bis zweihundert Jahren tatsächlich dazu führen, dass sich der Golfstrom deutlich abschwächt und die Temperaturen in Deutschland nach und nach um einige wenige Grad Celsius sinken. Eine plötzliche neue Eiszeit werde dadurch aber nicht hereinbrechen, sagte Latif. "So etwas passiert nur in Hollywood."

Von Angelika Unger
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