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14. August 2006, 11:25 Uhr

Der gefräßige Asiate erobert Europa

Als chemiefreie Waffe zur Schädlingsbekämpfung wurde der Asiatische Marienkäfer nach Europa gebracht. Er hat kaum Fressfeinde und breitet sich schnell aus. Verdrängt er die heimischen Marienkäfer-Arten?

Der Asiatische Marienkäfer sieht seinen europäischen Kollegen zum Verwechseln ähnlich© Michael Hanschke/DDP

Ein fernöstlicher Vetter der heimischen Marienkäfer erobert Mitteleuropa. Nach massenhaftem Auftreten in Hamburg und im Rhein-Main-Gebiet vor vier Jahren ist der Asiatische Marienkäfer in diesem Jahr erstmals in großer Zahl in Berlin aufgetaucht. Nach Angaben des Berliner Pflanzenschutzamts verbreitet sich der Käfer äußerst schnell in der Hauptstadt. Er ist ursprünglich in China beheimatet und kommt in Asien von den Subtropen bis in subarktische Zonen vor.

Wie das Insekt mit dem lateinischen Namen "Harmonia axyridis" nach Europa gelangte, ist nicht vollständig geklärt - eine Möglichkeit ist, dass es gezielt als biologische Waffe gegen Blattläuse eingesetzt wurde. 1999 wurde der rot-schwarz gepunktete Käfer, der seinen heimischen Artgenossen zum Verwechseln ähnlich sieht, erstmals im Rhein-Main-Gebiet beobachtet. Welche Folgen sein Vordringen auf die 80 heimischen Marienkäfer-Arten hat, ist noch ungewiss.

Chemiefreie Schädlingsbekämpfung

Verschwinden wird der Asiatische Marienkäfer nach Überzeugung von Wissenschaftlern nicht mehr: "Die Art wird in wenigen Jahren weite Bereiche von Mitteleuropa besiedelt haben", sagt Horst Bathon von der Biologischen Bundesanstalt in Darmstadt. In großen Teilen Deutschlands vom Südwesten bis in den Nordwesten seien die Käfer schon etabliert. In diesem Jahr gebe es stellenweise neue Massenvermehrungen - möglicherweise ausgelöst durch ein reiches Vorkommen bestimmter Blattläuse.

Eine der charakteristischen Eigenschaften des Asiatischen Marienkäfers und ein möglicher Grund für seine Ansiedlung in Europa ist nämlich sein unglaublicher Appetit auf Läuse: Ein Tier frisst hunderte davon und kann das Problem in Gärten völlig ohne Chemie lösen. Bis vor wenigen Jahren seien die Käfer deshalb als Nützlinge gegen Blattläuse in Belgien und den Niederlanden verkauft worden, sagt Bathon. Entweder die Insekten seien von dort aus nach Deutschland zugewandert, oder jemand habe sich dort welche gekauft und hierzulande in seinem Garten ausgesetzt.

Sie schmecken übel und haben kaum Fressfeinde

Charakteristisch für den Asiatischen Marienkäfer ist die schwarze Zeichnung auf dem Halsschild, die einem "M" ähnelt. Die Zahl der Punkte ist dagegen sehr unterschiedlich. Nur das massenhafte Auftreten lässt nach Angaben der Spezialisten aber sichere Schlüsse auf "Harmonia axyridis" zu. Sonst leben sie wie ihre europäischen Verwandten: Sie suchen sich im Herbst Verstecke, in denen sie den Winter in einer Art Starre verbringen, um im Frühjahr wieder aufzuwachen, sich zu paaren und Eier zu legen. Sie sammeln sich an Felswänden - in den Städten nehmen sie auch gern Hausmauern an - und krabbeln über die kalte Jahreszeit in schmale Ritzen. Die Weibchen legen im Sommer bis zu drei Monate lang 20 Eier am Tag.

Natürliche Feinde haben Marienkäfer kaum, weil sie ungenießbar sind. "Sie schmecken saumäßig schlecht", sagt Bathon - das merkten sich Vögel nach einem Versuch für ihr ganzes Leben. Auch mit Parasiten hätten die Krabbeltiere kaum Probleme.

Sabine Ränsch/DPA
 
 
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