. .
Natur und Umwelt
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
4. Juni 2010, 10:37 Uhr

Diese Katastrophe betrifft uns alle

Es findet in den Meerestiefen vor der Küste eines anderen Kontinents statt, tausende Kilometer von Deutschland entfernt. Und doch ist das Drama im Golf von Mexiko auch unser Drama. Aus vielen Gründen. Von Nina Bublitz, Sönke Wiese und Lea Wolz

Ölpest im Golf von Mexiko, Ölpest, Ölkatastrophe, US-Küste, BP, Deepwater Horizon

Die Wut auf BP wird immer größer: In Washington demonstrieren diese Menschen gegen den Konzern© Alex Wong/Getty Images/AFP

Fast 90 Millionen Liter sind seit der Explosion der BP-Plattform Deepwater Horizon in den Golf von Mexiko gelangt. An Land wird die Katastrophe langsam sichtbar, tote Tiere und verklebte Landstriche bieten ein trauriges Bild. Auch wenn sich das Umweltdesaster tausende Kilometer von Deutschland entfernt abspielt, geht es uns alle an.

1. Weil diese menschengemachte Umweltkatastrophe die Frage aufwirft, ob wir alles machen sollten, was technologisch möglich ist

Auch wenn wir es im Alltag nicht immer wahrhaben wollen: Es handelt sich um eine der schlimmsten von Menschen verursachten Umweltkatastrophen. Sie wirft die Frage auf, ob wir alles machen sollten, was technologisch möglich ist. "Aus immer tieferen Tiefen Öl zu fördern, ist ein gefährliches Geschäft", sagt Meeresexperte Christian Bussau von der Umweltorganisation Greenpeace. Das Unglück im Golf von Mexiko mache deutlich, "dass wir die Bohrungen in der Tiefsee nicht im Griff haben". Bussau fordert daher: "Raus aus der Tiefsee." Auch neue Genehmigungen zur Förderung von Öl und Gas in den Tiefen des Meeres sollten nicht mehr erteilt werden.

Matthias Reich, Experte für Bohrtechnik an der Technischen Universität Bergakademie Freiberg, ist anderer Meinung. Er selbst hat 16 Jahre bei einer US-Firma gearbeitet, die Bohrtechnik für Ölplattformen liefert und jetzt für die Entlastungsbohrungen an der versunkenen Plattform Deepwater Horizon zuständig ist. "Es gibt keine hundertprozentig sichere Technologie", sagt er. "Wenn wir ohne Risiken auskommen wollen, müsste jeder einzelne seinen Energiebedarf zurückschrauben." Solange die Menschheit nach den Rohstoffen verlange, werde es Firmen geben, die die Gier nach Öl befriedigen, ist Reich sich sicher. Dabei steigen beim Wettrennen der Ölkonzerne um die immer tiefer verborgenen Schätze auch die Gefahren.

1995 waren im Golf von Mexiko 800 Meter Wassertiefe noch Rekord. Die 2001 fertig gestellte Deepwater Horizon reichte schon 1500 Meter bis zum Meeresgrund. Bis zu 2500 Meter wären laut Betreiber Transocean möglich.

"In diesen Tiefen hat man es mit ganz anderen Kräften zu tun, wir greifen in diese ein, ohne sie zu beherrschen", kritisiert Greenpeace-Experte Bussau. "Man arbeitet in diesen Tiefen am Limit - auch am technischen", sagt Reich. "In der Lagerstätte herrschen extreme Zustände. Die Technik, die hier zum Einsatz kommt, ist ähnlich anspruchsvoll wie die Weltraumtechnik." Und sie muss ähnlich viel aushalten: an Hitze und Kälte, an Druck, an Vibrationen. "Die Ingenieure betreten hier ständig Neuland." Auch bei dem Versuch, die Katastrophe im Golf von Mexiko zu beenden - nachdem alle Sicherungsmaßnahmen sie nicht verhindern konnten.

Auch wenn BP mit der Absaugglocke nun einen Teilerfolg vermelden kann: Die Liste der gescheiterten Operationen ist lang. "Alle Versuche am Meeresboden sind im Prinzip nur Kosmetik. Auch mit der Glocke wird bestenfalls nur ein Teil des Öls abgefangen", sagt Reich. Um die Ölquelle zu stopfen, muss man tiefer ansetzen - kurz oberhalb der Lagerstätte. Alle Hoffnung ruht daher nun auf Entlastungsbohrungen. Dabei soll der bereits bei "Top Kill" eingesetzte Spezialschlamm drei bis vier Kilometer unterhalb der Meeresbodens in das alte Rohr eingefüllt werden und so den Ölfluss zurück in die Lagerstätte drängen. Die Bohrköpfe müssen dafür die alte Leitung, die einen Durchmesser von 20 Zentimetern hat, präzise treffen.

"Entlastungsbohrungen sind eine erprobte Methode, die seit Jahrzehnten eingesetzt wird, wenn nichts mehr anderes funktioniert", sagt Reich. "Ich bin zuversichtlich, dass es klappt." Doch die Bohrungen dauern. Frühestens im August sollen sie fertig sein.

Bis dahin fließen weiter täglich schlimmstenfalls bis zu vier Millionen Liter Öl in den Golf von Mexiko. Insgesamt haben sich seit der Explosion der BP-Plattform am 20. April Schätzungen zufolge bereits fast 90 Millionen Liter (76.000 Tonnen) Öl in den Golf von Mexiko ergossen.

Ölkatastrophe im Golf von Mexiko - ganz weit weg oder zu nah dran? Diskutieren Sie mit uns auf Facebook.

 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
Live-Video So versucht BP das Ölleck zu schließen

Es sind die traurigsten Bilder, die je auf dem Meeresgrund gefilmt wurden: Live überträgt BP, wie das Öl aus dem Leck im Golf von Mexiko schießt - und wie der Multi versucht, es zu stopfen. Szenen einer Katastrophe. mehr...

Ölpest im Golf von Mexiko BP stülpt Glocke über abgesägtes Ölrohr

Man muss ja mittlerweile vorsichtig sein, mit solchen Botschaften, doch BP ist im Kampf gegen die Ölpest offenbar ein Erfolg geglückt: Unterwasserroboter haben eine Absaugglocke über das abgesägte Steigrohr gestülpt. US-Präsident Obama machte derweil seinem Ärger über die Katastrophe Luft. mehr...

Verwandte Fragen

Sie kennen die Antwort? Beantworten Sie die Frage hier oder senden Sie selber eine Frage

 
stern testen, Serie sichern

Jetzt den stern inklusive der aktuellen Gesundheits-Serie testen! Jetzt sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (7/2012)
Unser täglich Fleisch