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31. Mai 2010, 12:13 Uhr

Neue Methode könnte Ölaustritt noch vergrößern

Nach dem Scheitern von "Top Kill" will der Ölkonzern BP mit einer neuen Methode gegen die Ölpest im Golf von Mexiko vorgehen. Das geplante Manöver gilt als hochriskant und könnte die Situation sogar noch verschlimmern.

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Ölbarrieren reichen inzwischen bis in die küstennahen Marsch- und Feuchtgebiete an Louisianas Küste© Bevil Knapp/DPA

Die US-Regierung warnt vor möglichen Komplikationen beim weiteren Vorgehen gegen die Ölpest im Golf von Mexiko. Der vom Ölkonzern BP geplante nächste Schritt könnte dazu führen, "dass der Öl-Ausfluss aus dem Leck zeitweise um bis zu 20 Prozent steigt". Darauf wies Carol Browner, Beraterin von Präsident Barack Obama in Energiefragen, am Sonntag (Ortszeit) hin.

Bei dem weiteren Vorgehen wollen die Ingenieure des BP-Konzerns versuchen, das defekte Steigrohr mit Unterwasserrobotern abzusägen. Das Leck würde so erst einmal vergrößert, bis zu 20 Prozent mehr Öl könnte ins Meer fließen. An einer kleinen Glocke, die bereits am Meeresboden ist, soll dann eine Leitung befestigt werden, die mit dem Bohrschiff "Discovery Enterprise" verbunden ist. Ein hochriskantes Manöver: Gelingt es nicht, die Auffangglocke über der Öffnung des Lecks zu platzieren, würde noch mehr Öl austreten. Glückt das Vorgehen, soll so zumindest ein Teil des ausströmenden Öls aufgefangen und auf das Schiff gepumpt werden. Für die vollständige Installation brauchen die Ingenieure laut BP vier bis sieben Tage.

Ökosystem langfristig geschädigt

Mit der Operation solle am Montag oder Dienstag begonnen werden, teilte die Regierung mit. Allerdings äußerten sich BP-Experten bereits im Vorfeld skeptisch. Zuvor war die Operation "Top Kill" gescheitert. Dabei hatten die Experten versucht, das Leck in 1500 Meter Tiefe mit schwerem Schlamm zu verschließen.

Unterdessen warnte die Umweltorganisation Greenpeace vor enormen Umweltschäden. Man könne schlimmste Verschmutzungsszenarien, mit mehreren hunderttausend Tonnen Öl nicht ausschließen, sagte der Meeresbiologe und Öl-Experte von Greenpeace, Christian Bussau, der "Berliner Zeitung".

Langfristige Schäden für das Ökosystem an der Küste des US- Bundesstaates Louisiana sind nach Einschätzung von Greenpeace wahrscheinlich, selbst wenn das Leck innerhalb der nächsten Tage geschlossen würde. Bussau rechnet im schlimmsten Fall mit Regenerationszeiten von bis zu 15 Jahren.

Bis zu 150 Millionen Liter Öl ausgetreten

Zum ganzen Ausmaß der Ölpest im Golf von Mexiko gibt es nur Schätzungen: Wissenschaftler der US-Geologiebehörde gehen mittlerweile davon aus, dass täglich zwischen 1600 und 3400 Tonnen Öl ins Meer strömen. BP hatte lange von 700 Tonnen gesprochen, zunächst war von nur 140 die Rede.

Falls sich die schlimmsten Befürchtungen bewahrheiten, könnten seit dem Untergang der Bohrinsel "Deepwater Horizon" am 20. April bis heute rund 140.000 Tonnen Rohöl ins Meer gelangt sein. Das entspricht ungefähr 150 Millionen Litern Öl oder der Ladung von 7000 durchschnittlich großen Tankwagen.

Selbst wenn die geplanten Entlastungsbohrungen Erfolg hätten, würden bis Anfang August weitere rund 210.000 Tonnen Öl ins Meer sprudeln. Die Gesamtmenge von 360.000 Tonnen wäre größer als jede bei einem Tankerunglück auf hoher See jemals freigesetzte Menge. Bei der bisher größten Umweltkatastrophe in der Geschichte der USA waren im März 1989 40.000 Tonnen Rohöl ausgelaufen und hatten 2000 Kilometer Küste verschmutzt. Der Tanker "Exxon Valdez" war vor Alaska auf ein Riff gelaufen.

DPA
 
 
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