26. Mai 2010, 20:49 Uhr

BP geht mit Hochdruck gegen Ölleck vor

Seit Tagen ist davon die Rede, nun hat sie begonnen: die Operation "Top Kill". Der Ölkonzern BP unternimmt einen neuen Versuch, endlich das offene Bohrloch im Golf von Mexiko zu schließen, aus dem unablässig Öl ins Meerwasser fließt. Die Aktion kann bis zu zwei Tage lang andauern.

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BP-Unterwasservideo: Wird "Top Kill" das auslaufende Öl stoppen©

Der Ölkonzern BP hat am Mittwoch einen neuen Anlauf unternommen, das defekte Bohrloch im Golf von Mexiko abzudichten. Bei dem als "Top Kill" bezeichneten Verfahren wird Schlamm mit Zement unter hohem Druck in die undichte Stelle in 1500 Metern Tiefe gepumpt werden. Das wurde unter Wasser allerdings noch nie versucht. BP bezifferte die Erfolgschancen für die Aktion auf 60 bis 70 Prozent. Das Unternehmen gilt als riskant: Geht etwas schief, können die Lecks und damit die Katastrophe sogar noch vergrößert werden. Bislang sind aus dem Leck mindestens sieben Millionen Liter Öl in den Golf von Mexiko geströmt und haben eine Ölpest gigantischen Ausmaßes verursacht.

BP-Chef Tony Hayward sagte am Mittwoch dem US-Sender NBC, bis man wisse, ob "Top Kill" wirklich Erfolg hatte, könnten noch "ein oder zwei Tage" vergehen. BP sagte zu, den Versiegelungsversuch am Meeresgrund per Video zu übertragen. Dies sei auf Druck der US-Regierung erfolgt, verlautete aus Regierungskreisen in Washington.

Offenbar tritt nun schweres Öl aus

Über zwei Leitungen sollen 6300 bis 8000 Liter der Masse aus Schlamm und Zement in den Abdichtkopf gepumpt werden. Geht alles gut, stoppt der Gegendruck der Dichtmasse das aufsteigende Öl, der "Kill" wäre erfolgreich. Falls nicht, fließt im schlimmsten Fall noch mehr Öl als bisher in den Golf.

Ein Technik-Professor der Universität Berkely, Bob Bea, sagte, der Erfolg der Aktion hänge davon ab, wie hoch die austretende Ölmenge tatsächlich sei. Alles was über sechs Millionen Liter pro Tag liege, wäre nach seiner Ansicht zuviel für den beschädigten Abdichtkopf.

Unterwasseraufnahmen zeigten unterdessen, dass das austretende Öl dunkler geworden ist. Dies deutet nach Einschätzung von Wissenschaftlern darauf hin, dass inzwischen schwereres Öl austritt, dessen Zerstörungspotenzial für die Meereslebewesen noch höher ist als bisher.

Trauerfeier für elf getötete Arbeiter

In Washington verliert die Politik offenbar zusehends die Geduld mit BP. Nach einem neuen Bericht aus dem Innenministerium sollen die Beamten der für die Aufsicht von Ölbohrungen zuständigen Behörde Minerals Management Service zahlreiche Verstöße gegen Ethik-Richtlinien begangen haben. Bedenklich sei vor allem die große Nähe zwischen Beamten und Industrie gewesen, sagte die amtierende Generalinspekteurin des Innenministeriums, Mary Kendall. So sei es oft zum Austausch von Geschenken gekommen.

US-Präsident Barack Obama reist am Freitag, knapp vier Wochen nach seinem ersten Besuch in der Katastrophenregion, erneut nach Louisiana. Ein hoher Regierungsbeamter sagte der Nachrichtenagentur AP, Obama wolle sich persönlich ein Bild über von der Lage an der Golfküste und etwaige Fortschritte bei der Bekämpfung der Ölpest machen. Ölklumpen haben inzwischen die ökologisch sensiblen Feuchtgebiete von Louisiana erreicht.

In Mississippi fand unterdessen eine Trauerfeier für elf Arbeiter statt, die bei der Explosion der Ölbohrplattform am 20. April ihr Leben verloren. "Dies ist für viele von uns einer der schwersten Tage", sagte der Vorstandschef des Konzerns Transocean, dem die "Deepwater Horizon" gehörte.

APN/DPA/AFP
 
 
KOMMENTARE (10 von 13)
 
RDUKE7777777 (27.05.2010, 07:02 Uhr)
Halbe Berichterstattung
Wieder kein Wort darüber, dass die USA bereits 2 mal die Hilfe des Iran ausgeschlagen haben.Die dortigen Experten haben nach eigener Angabebereits mehrere Bohrlöcher dieser Art geschlossen.

Peinlich,peinlich liebe Amerikaner. Lieber die ganze Küste verseuchen lassen als sich vom Iran helfen zu lassen.

Quelle: (unteres Drittel)
http://fr-online.de/in_und_ausland/panorama/?em_cnt=2680072
Sanjoaquin (27.05.2010, 06:49 Uhr)
Bewegungsunfähig
Jetzt wird's aber schwierig. Zu BP und Aral kann ich nimmer, zu Esso (Exxon Valdez), zu Shell (Brent Spar), zu ELF (Korruption) geht auch nicht. Beim zu Fuss laufen hab ich auch ein politisch schlechtes Gewissen, (Adidas, Nike - Kinderarbeit) und selbst mit dem Fahrrad hab ich Probleme, da gibt es nämlich die Fichtel-Sachs Bremse und die hatten was mit den Nazis zu tun. Politische Korrektheit führt unweigerlich zur Immobilität.
Tempelhofer (27.05.2010, 06:35 Uhr)
Der Stern als Top Kill
Ich finde, man sollte das Bohrloch mit einigen Hunderttausend unverkauften Exemplaren des "Sterns" verschließen.

Was eignet sich denn besser, um mit Schlamm und Dreck ein Bohrloch zu verstopfen ?

So löst man zwei Umweltprobleme auf einen Streich.
Heinerich (27.05.2010, 03:44 Uhr)
Die USA ist doch selbst Schuld an diesem
Desaster.
Normal ist als letzter Abschlus an einer Bohrung ein automatisches Ventil vorgesehen welches mittels Fernbedienung geschlossen werden kann.
Diese wichtige Vorrichtung wurde bei der Vergabe der Bohrrechte durch die einflussreiche Öllobby im US Senat als nicht notwendig eingestuft und somit nicht eingebaut.
Fazit: Das Geld hat wieder einmal vor der Natur gewonnen
cosmo_kramer (27.05.2010, 01:32 Uhr)
@ JimPanse
Das hat wenig mit heisser Luft zu tun, als dieses ewige geheuchle sobald sowas passiert.
Toll, dann tankt doch alle bei Shell, soll das besser sein?? Irgendwann wird auch dort auch eine Katastrophe passieren, dann heisst es wieder tankt bei BP.
Super, Hauptsache man steht selber toll da und kann heisse Luft verbreiten, sein eigenes Gewissen beruhigen! Wir können da natürlich GAR nichts dafür, schon klar, es sind immer die anderen...
goten272 (27.05.2010, 00:26 Uhr)
neues bild
schaut man sich jetzt mal den live stream an sieht man, dass einige zeit mit einem gerät gehandwerkelt wurde, kurz darauf wurde das bild schwarz und nun sieht man statt einem leck gleich 4-5. top kill ging wohl mächtig in die hose!
wohei-dho (27.05.2010, 00:16 Uhr)
Die Macht liegt in unseren Händen!!!
Das Beispiel von SHELL (Stichwort: Brent Spar, siehe: http://www.greenpeace.at/293.html) hat gezeigt, daß ein Boykott der Autofahrer das einzig(!) probate Mittel für Veränderungen ist. Da gibt es doch überhaupt keine Diskussionen. Und wenn doch, sollte man hinterfragen, warum einer nicht zum Boykott von BP bereit ist.

Was hat derjenige davon? Entweder gehört er zu diesem unglaublich fahrlässigen Verein oder er ist zu bequem.

An mir wird BP auf absehbare Zeit absolut nichts verdienen. Und jeder andere Mensch mit ein bißchen Grips im Kopf sollten genau so handeln. Dann wird sich sehr schnell was ändern für die Zukunft. Diesen profitgierigen Dilettanten muß man einfach zeigen, daß es so nicht geht. Das ist meines Erachtens die Pflicht von jedem anständigen Menschen.

jomimo (26.05.2010, 23:56 Uhr)
Interessanterweise haben die ...
Mineralölgesellschaften ja Gebiete untereinander aufgeteilt.

Wir haben hier in unserem kleinen Ort 3 x Aral und sonst nichts mehr.
Für Shell muss ich schon ein Stückchen fahren.
facilidad_de_ser (26.05.2010, 22:48 Uhr)
Es geht darum....
...was Ihr in Zukunft tut, Euren Autos ist es sowieso egal wo ihr tankt, also tankt bitte weder bei Aral noch bei BP.
JimPanse (26.05.2010, 22:23 Uhr)
@cosmo_kramer
"Ich stehe dazu, ich habe auch bei BP getankt, bin somit auch verantwortlich für diese Scheisse! "

Und was machst du jetzt dagegen? Heisse Luft kann ich auch einfacher mit Bohnen haben.
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