23. April 2012, 07:28 Uhr

Russische Forscher sichten seltenen Schwertwal

Forscher haben im Nordpazifik einen schneeweißen Schwertwal-Bullen gesichtet. Wegen seiner hoch aufragenden Rückenflosse tauften sie das seltene Tier "Iceberg".

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"Eisberg" voraus: Forscher haben nahe der Kommandeurinseln im nordpazifischen Beringmeer einen seltenen weißen Schwertwal entdeckt©

Mission "Iceberg" geht in die zweite Runde: Im August 2010 hatten Meeresforscher der Universitäten Moskau und St. Petersburg erstmals einen vollständig weißen erwachsenen Schwertwal gesichtet. In dieser Woche gehen die Wissenschaftler des Far East Russia Orca Projects (FEROP) erneut auf Beobachtungsjagd - in der Hoffnung, nahe der Kommandeurinseln im Nordpazifik die weiße Zwei-Meter-Rückenflosse des Orcas zu erspähen.

FEROP-Ko-Direktor Eric Hoyt, spricht von einem "atemberaubend schönen Tier". Mit seinem Team will er klären, ob es sich bei Iceberg ("Eisberg"), wie das Tier von den Forschern getauft wurde, um einen Albino-Schwertwal handelt. Der weiße Schwertwal lebt in einer Schule mit zwölf weiteren Orcas. Icebergs Familie sei einer von 61 identifizierten Sozialverbänden in der Region, erläuterte die Agentur. Die meisten davon seien ortstreue Familien, die sich ausschließlich von Fisch ernährten. Das Alter des Orca-Bullen schätzen die Wissenschaftler auf mindestens 16 Jahre. Hoyt fügte hinzu, dass zwei weitere weiße Orcas östlich der Halbinsel Kamtschatka in Russlands Fernem Osten gesichtet wurden. Bei ihnen handelt es sich aber um Jungtiere.

Bei Walen und Delfinen gebe es nur vereinzelte Sichtungen erwachsener Albinos, erläuterte Shifting-Values-Gründer Nicolas Entrup. Die fehlende Pigmentierung der Haut mache die Tiere unter anderem anfälliger für Hautkrebs. Das Hauptproblem sei jedoch die Einschränkung der Sehfähigkeit, die bei vielen betroffenen Tieren das Leben deutlich verkürzen dürfte. Die Meeressäuger sind für die Jagd auf gute Augen angewiesen. Alternativ kann auch eine Genmutation namens Leuzismus zu fehlenden Pigmenten führen. Beim Leuzismus fehlen die pigmentbildenden Zellen komplett, während sie beim Albinismus nicht in der Lage sind, Pigmente zu bilden.

Orcas: intelligent und vom Aussterben bedroht

Die vom Aussterben bedrohten Orcas gelten als sehr sozial und intelligent. Sie legen ohne weiteres Tausende von Kilometern zurück und leben gewöhnlich in stabilen Familienverbänden. Dabei haben sich zwei Lebensweisen herausgebildet: Sesshafte Orca-Gruppen sind mit etwa acht Tieren größer und haben sich auf Fischschwärme als Nahrung spezialisiert, die sie bei der gemeinsamen Jagd einkreisen. Wandernde Schwertwal-Gruppen sind kleiner und jagen andere Meeressäuger. Sie bestehen typischerweise aus nur drei Tieren.

Diese beiden Orca-Typen seien so verschieden, dass sie kaum mehr als das äußere Erscheinungsbild verbinde, erläuterte Entrup. Das müsse bei den Schutzbemühungen berücksichtigt werden. Schwertwale nähmen als größte Vertreter der Delfinfamilie die wichtige Funktion der Großjäger im Nahrungsnetz des Meeres ein.

jwi/DPA/AFP
 
 
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