Orgasmus auf Knopfdruck

7. Dezember 2003, 07:55 Uhr

Mit Billigung der Gesundheitsbehörden haben in den USA klinische Versuche mit dem so genannten Orgasmatron begonnen, einem Gerät, das Frauen ins Rückenmark eingesetzt wird und per Knopfdruck Orgasmen auslösen kann.

Orgasmus auf Knopfdruck - ein Wunschtraum? Offenbar doch nicht, Chirurg Stuart Meloy sucht händeringend Interessentinnen für sein "Orgasmotron"©

Mit Billigung der Gesundheitsbehörden haben in den USA klinische Versuche mit dem so genannten Orgasmatron begonnen. Im Rahmen der Testreihe soll Frauen ein Gerät ins Rückenmark eingesetzt werden, das beliebig Orgasmen auslösen kann. Die Entdeckung der Apparatur vor zwei Jahren machte zwar viel Furore. Aber trotz des damaligen Medienrummels hat der Chirurg Stuart Meloy ein Problem mit seinem Versuch: Er findet keine Teilnehmerinnen.

Kaum Interessenten

"Ich dachte, die Leute würden mir die Tür einrennen, um an dem Versuch teilzunehmen", sagte Meloy dem Magazin "New Scientist". Auf die Annoncen des Mediziners meldeten sich bislang jedoch erst zwei Frauen. Meloy hofft auf acht weitere Teilnehmerinnen. In der ersten Testreihe sollen diesen Drähte durch die Haut ins Rückenmark geleitet werden. In der zweiten Phase wird den Frauen ein Gerät unter die Haut gepflanzt, das per Fernbedienung ein- und ausgeschaltet werden kann.

Meloy war per Zufall während einer Schmerzbehandlung auf das Verfahren gestoßen. Als er einer Patientin zwei Elektroden ins Rückenmark einsetzte, begann die Frau zu stöhnen und bat: "Das müssen Sie meinem Mann beibringen." Dieser Effekt war unter Chirurgen schon vorher bekannt. Der Arzt meldete auf das Verfahren jedoch ein Patent zur Behandlung von sexuellen Funktionsstörungen an. Ein Implantat soll nach seiner Einschätzung etwa 13.000 Dollar kosten.

"Warum sollte man etwas per Operation tun, was man auch mit einem Vibrator erreichen kann"

Die erste Versuchsteilnehmerin, eine verheiratete Frau, hatte nach Darstellung des Chirurgen seit vier Jahren keinen Orgasmus gehabt. Sie trug den Apparat neun Tage lang, hatte während dieser Zeit sieben Mal Sexualverkehr mit ihrem Mann und kam dem Chirurgen zufolge jedes Mal zum Höhepunkt. "Sie erzählte mir sogar, sie habe mit dem Gerät den ersten multiplen Orgasmus ihres Lebens gehabt", berichtet Melroy.

Andere Sexualforscher bewerten den Nutzen des Orgasmatrons skeptisch. Marca Sipski von der Universität Miami hält das Einpflanzen eines Implantats für etwas überzogen. "Warum sollte man etwas per Operation tun, was man auch mit einem Vibrator erreichen kann", fragt die Wissenschaftlerin. "Meine Forschung zeigt, dass der Orgasmus eine reine Reflexreaktion ist." Die britische Sexualtherapeutin Paula Hall betont, die meisten sexuellen Probleme seien psychisch bedingt: "Die häufigsten Gründe sind mangelndes Selbstbewusstsein und unzureichendes Experimentieren."

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