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1. Juli 2006, 15:32 Uhr

"Kein Urlaub bei Mördern"

Der Abschuss des Braunbären Bruno lässt weiterhin die Emotionen hochkochen - nun haben Touristen aus Protest ihren Urlaub in Bayern storniert. Gegen den bayerischen Umweltminister Schnappauf liegen mehrere Anzeigen vor.

Kein Urlaub in Bayern: Besonders Engagierte tragen ihren Protest auf T-Shirts zur Schau© DPA

Vor allem Schliersee ist von den Stornierungen betroffen, wie der Leiter der Kurbetriebe, Matthias Schrön, am Samstag bestätigte. Bis Freitag seien 35 Absagen eingegangen. Dabei sei die Gemeinde an der Entscheidung, Bruno zu töten, überhaupt nicht beteiligt gewesen. "Wir fühlen uns wie die Prügelknaben, die den Kopf hinhalten müssen, obwohl wir nicht dabei waren", sagte Schrön. Der Bär habe sich bei seinen Wanderungen im österreichisch-bayerischen Grenzgebiet zufällig gerade in der Region aufgehalten.

Tatsächlich war der Bär am Montagmorgen nicht auf Schlierseer Gebiet erlegt worden, sondern auf dem direkt angrenzenden Gebiet der Gemeinde Bayrischzell. In Schliersee fand allerdings die Pressekonferenz nach der Tötung statt. Beide Gemeinden hätten mit dem Abschuss, den ein staatlich beauftragtes Sicherheitsteam vornahm, nichts zu tun gehabt, unterstrich Schrön.

"Komme nie wieder!"

Dennoch häufen sich in den Internet-Gästebüchern der beiden oberbayerischen Ferienorte wütende Einträge. "Urlaub in Bayern? Nö!", ist dort zu lesen, und: "Bei Mördern wollen wir kein Urlaub machen. Wir reisen ab - und kommen nie wieder!" Andere Stimmen mahnen hingegen zu Mäßigung: "Was kann denn die Gemeinde Schliersee dafür, dass 'JJ1' geschossen wurde! Also lasst mal die Kirche im Dorf und besucht weiter Bayern! Und Schliersee hat eine schöne Kirche!"

Es gebe allerdings auch Touristen, die nach dem Abschuss erleichtert seien - sie hätten Angst gehabt, sagte Schrön. Erst in etwa einem Jahr werde absehbar sein, ob in Schliersee tatsächlich ein wirtschaftlicher Schaden entstanden sei. Schliersee zählt im Jahr durchschnittlich 500.000 Übernachtungen.

Anzeigen gegen Schnappauf

Gegen Bayerns Umweltminister Werner Schnappauf (CSU), seine Mitarbeiter und die Jäger liegen wegen "Brunos" Abschuss eine Reihe von Strafanzeigen vor. Die Staatsanwaltschaft München II will frühestens Ende der kommenden Woche entscheiden, ob ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wird.

Der Bär, dessen Kadaver derzeit tiefgefroren aufbewahrt wird, soll ausgestopft und in einem Museum ausgestellt werden. Sein Skelett und die präparierten Organe gehen an wissenschaftlichen Einrichtungen. "Bruno" war am vergangenen Montag im Morgengrauen erlegt worden, nachdem wochenlange Fangversuche gescheitert waren.

DPA
 
 
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