22. März 2002, 00:00 Uhr

Teller aus der Tiefe

Fünfhundert Jahre heil geblieben: Vor der philippinischen Küste bargen Forscher kostbares Porzellan aus dem Wrack einer chinesischen Dschunke. Schatzräuber hatten sie auf die Spur gebracht.

Fragiler Fund: In 37 Meter Tiefe präsentieren Taucher Teller und eine halbmondförmige Kanne aus der Ming-Zeit©

Dynamitfischer hatten altes Porzellan verkauft

Nie, nie wieder wolle er so etwas tun. »Es war fürchterlich«, sagt Franck Goddio, »ein Albtraum.« Übelste Wetterprognosen, eine Taifun-Warnung nach der anderen, permanent Angst um die Mannschaft und die Schiffe. »Selbst nachts klopfte es an meine Kabinentür, da stand dann einer von der Crew mit einem neuen Wetter-Fax in der Hand.« Alle paar Stunden musste der Expeditionschef entscheiden: Sollte er das Unternehmen nicht doch lieber abbrechen und einen sicheren Hafen anlaufen? Doch Goddio und seine Leute hatten Glück. »Alle sieben Taifune, die von Osten auf uns zu rasten, änderten kurz zuvor ihre Richtung.«

Der französische Unterwasserarchäologe und sein Trupp waren im Sommer vergangenen Jahres mit ihrem Equipment 15 Kilometer vor der westphilippinischen Küste vor Anker gegangen, um einen Schatz zu heben. Tagaus, tagein bewacht von der Coast Guard. Die schützte die Mannschaft vor den in dieser Gegend gefürchteten Piraten und sicherte das geheimnisvolle Objekt in der Tiefe. Im Sand des Meeresbodens, 37 Meter unter Wasser, schlummerte eine chinesische Dschunke mit wertvollem Porzellan an Bord. Vor einem halben Jahrtausend war der Frachtensegler gesunken.

Auf das Wrack aufmerksam geworden war die Regierung in Manila, nachdem auf dem Antiquitätenmarkt altes Porzellan aufgetaucht war. Recherchen ergaben, dass es Dynamitfischer verkauften, die die Preziosen beim Tauchen auf dem Grund der See entdeckt hatten und sich immer wieder heimlich an der einträglichen Quelle bedienten. Um dem Spuk ein Ende zu bereiten, wurde Goddio beauftragt. Der 54-jährige Franzose ist ein Spezialist: Vor der ägyptischen Küste grub er nach dem Königspalast von Kleopatra und nach Napoleons Flotte, und in der Südchinesischen See spürte er schon manch andere Keramik-Kostbarkeit auf.

 
 
Jetzt bewerten
0 Bewertungen
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (21/2013)
Geht's jetzt an mein Geld?