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8. September 2008, 14:09 Uhr

"Sie werden die Welt zerstören"

Selten hat ein Experiment für so viel Wirbel gesorgt: Einige Wissenschaftler warnen, dass der neue Teilchenbeschleuniger LHC am Cern in Genf die gesamte Erde vernichten wird. Die Cern-Physiker werden jetzt mit verzweifelten Mails bombardiert, ein Nobelpreisträger erhielt eine Todesdrohung.

Am 10. September beginnen die Experimente am LHC© Martial Trezzini, Keystone/AP

Am 10. September startet das komplexeste physikalische Experiment der Welt: In einem 27 Kilometer langen Tunnel - mehr als 100 Meter unter der Erde - werden physikalische Teilchen unterhalb der Größe eines Atoms auf nahezu Lichtgeschwindigkeit beschleunigt, damit sie kollidieren. Die Temperatur im "Large Hadron Collider" (Großer Hadronen-Speicherring, LHC) beträgt dabei minus 271 Grad Celsius. Ziel ist es, die Geheimnisse der Materie zu ergründen.

Doch einige Forscher warnen vor den Risiken dieser Experimente - allen voran Chaosforscher Otto E. Rössler. Er sieht die Gefahr, dass winzige Schwarze Löcher, die bei den Versuchen entstehen können, die Erde in naher Zukunft zerfressen. Die Forscher des Cern weisen dies zurück. Auch wenn im LHC ab Mittwoch Schwarze Löcher erzeugt werden könnten, würden diese "mikroskopisch" klein sein und sich praktisch sofort wieder auflösen, schreiben Cern-Physiker in einer aktuellen Studie im Fachblatt des Londoner Instituts für Physik. Die Energie reiche demnach nicht aus, um die Schwarzen Löcher wie im All zu hungrigen Monstern werden zu lassen, die alles um sich herum verschlingen. Auch die Befürchtung, so genannte "Seltsame Materie" könne die Erde zu einem undefinierbaren Klumpen machen, sei unbegründet.

Doch diese Argumente überzeugen nicht jeden. Täglich, so berichtet Cern-Pressesprecher James Gillies im britischen "Daily Telegraph", bekomme er verzweifelte Anrufe und Emails. "Bitte sagen sie mir, dass meine Kinder in Sicherheit sind", zitiert Gillies einen Anrufer. Oder: "Sie sind böse und gefährlich und werden die Welt vernichten." Nobelpreisträger Frank Wilczek erhielt nach Aussage eines britischen Kollegen sogar Todesdrohungen.

Zudem versuchten Gegner des Experiments, den LHC-Start in letzter Minute durch eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte zu stoppen. Die Straßburger Richter verwarfen die Beschwerde jedoch am 29. August.

Zusammenstoß von zwei Mücken

"Jede Kollision eines Protonenpaars im LHC wird so viel Energie freisetzen, wie beim Zusammenstoß von zwei Mücken entsteht", schreiben die Cern-Experten. Folglich würden die im LHC erzeugten Schwarzen Löcher deutlich kleiner sein, als diejenigen, die aus dem Weltall bekannt seien.

Letztlich fänden Ereignisse wie in dem Teilchenbeschleuniger ständig auf der Erde statt, wenn diese auf ihrem Weg durch den Weltraum auf hochenergetische kosmische Strahlung stoße, hieß es in der Studie. "Die Natur hat bereits die Entsprechung von hunderttausend LHC-Testprogrammen auf der Erde durchgeführt und der Planet ist noch immer da."

AFP/bub
 
 
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