Schweine lebend unter Schneemassen begraben

14. Januar 2010, 14:42 Uhr

In Österreich vergraben Wissenschaftler lebende Schweine im Schnee. Damit wollen sie das Ersticken von Lawinenopfern simulieren. Tierschützer gehen auf die Barrikaden.

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Schweine als Lawinenopfer: Wissenschaftler simulieren mithilfe der Tiere den Erstickungstod von Verschütteten©

Wissenschaftler haben in Österreich lebendige Schweine unter Schneemassen begraben und damit landesweit Entsetzen ausgelöst. Der am Dienstag gestartete Tierversuch, bei dem am Ende alle 29 Schweine ums Leben kommen werden, soll Aufschluss über die Umstände des Todes in Lawinen bringen. Als "unfassbar", "unethisch" und "widerwärtig" bezeichneten am Donnerstag zahlreicheTierschutzverbände und Parteien die Aktion und forderten ihr sofortiges Ende. Selbst das Land Tirol - wo das Experiment stattfindet - und die österreichische Bergrettung distanzierten sich.

Dem Versuchsablauf zufolge sollen noch etwa zwei Wochen lang jeden Tag zwei bis drei Schweine im Ötztal von einer simulierten Lawine begraben werden, zitiert der Sender ORF die Wissenschaftler der Medizinischen Universität Innsbruck. Die Schweine werden dafür betäubt und an Geräte angeschlossen. Je nach Größe der Atemhöhle verfolgen die Wissenschaftler über Minuten oder Stunden das langsame Ersticken der Tiere. Andere Schweine werden nur bis zum Kopf im Schnee vergraben und erfrieren. Danach zerteilen die Forscher die Tiere und nehmen Gewebeproben.

Wissenschaftler rechtfertigen Vorgehen

Der Versuch sei vom Wissenschaftsministerium genehmigt worden, verteidigte sich die Medizin-Uni am Donnerstag in einer Mitteilung gegen die Angriffe von allen Seiten. Durch die Narkose bemerkten die Tiere nichts von ihrem Tod, die Belastung sei deutlich geringer als bei herkömmlichen Schlachtmethoden, versicherte Studienmitarbeiter Volker Wenzel. Mit dem Versuch wolle man Erkenntnisse über die Überlebenschancen von Opfern in Lawinen erlangen: "In der dramatischen Situation nach einer Bergung können Notärzte somit besser beurteilen, ob und für welche Opfer reelle Überlebenschancen bestehen."

Die Tierschützer werfen den Forschern mangelndes Gefühl für die ethische Vertretbarkeit von Versuchen vor: "Das ist wohl einer der widerwärtigsten Tierversuche, der jemals in Österreich durchgeführt worden ist", kritisierte der österreichische Tierschutzverein. Der Versuch diene lediglich der Profilierung von Wissenschaftlern, das Geld könne zielführender für Lawinensuchgeräte und die Aufklärung von Wintersportlern verwendet werden. Wodurch Menschen bei Lawinen sterben und wie lange das dauert, sei aus jahrzehntelanger Erfahrung bekannt, erklärte die Organisation "Vier Pfoten".

Tiroler Landesregierung gibt sich überrascht

Unterstützung erhalten die Kritiker von der Politik. Der Tierschutzreferent der Tiroler Landesregierung, Anton Steixner, will von dem Versuch nichts gewusst haben und ist von den "sonderbaren Methoden" überrascht. "Schweine lebendig unter Schneemassen zu begraben, ist moralisch äußerst bedenklich", meinte Steixner. Er distanziere sich von derart experimentellen Methoden. Auch die österreichische Bergrettung will damit nichts zu tun haben und stellt den Sinn des Versuchs infrage. Die Sozialdemokratische SPÖ und die Grünen fordern ein sofortiges Ende und wollen die Genehmigung im Parlament diskutieren.

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KOMMENTARE (10 von 18)
 
Latze (15.01.2010, 02:10 Uhr)
Wo waren
denn die, die sich jetzt so über 29 Schweine aufregen, als beschlossen wurde unseren Muslimischen und Jüdischen Mitbürgern das Schächten
( Kehle bei lebendigem Leibe OHNE NARKOSE durchschneiden und langsam ausbluten lassen ) ihrer Tiere zu erlauben??
Und dass obwohl es ganz klar gegen unser Tierschutzgesetz verstößt !! Mir tun die Schweine auch leid und ich finde den Versuch Pervers, aber denkt auch bitte mal über den zig tausendfachen illegalen Tiermord in eurer Nachbarschaft nach.
Swissmiss (15.01.2010, 00:27 Uhr)
@ xris
Die allermeisten Lawinenverschütteten haben sich völlig freiwillig eine solchen Gefahr ausgesetzt (und lösten die Lawine gar selbst aus, die sie und ihre Begleiter mitreisst). Das Mitleid mit den Verunglückten hält sich darum bei vielen oft in Grenzen.

Wie die aus den Versuchen angeblich gewonnen Infos (z.B. wie eine Erstickung im Detail voranschreitet) Verunglückten helfen sollen, ist mir schleierhaft. Dass es hierbei um jede Minute geht, ist hinlänglich bekannt. Insofern buddeln die Retter jeden sofort aus, den sie finden, und schlagen sich nicht lange mit weiteren Fragen rum. Der Erkenntnisgewinn für unmittelbare Rettungseinsätze ist folglich als sehr gering zu betrachten und rechtfertigt deshalb keine Tierversuche.
Swissmiss (15.01.2010, 00:13 Uhr)
Massentierhaltung und lawinentod
An alle, die nicht verstehen, warum man wegen ein paar erfrorenen und erstickten Schweinen ein derartiges Trara macht: Ja, es gibt die Massentierhaltung und nein, sie ist wirklich kein schönes Phänomen. Im Gegenteil: Es gibt dort viel Elend und es wäre schön, wenn weniger Fleich gegesssen würde. Aber fast dreissig Schweine zu töten, nur um ein paar fragwürdige (oder längst bekannte) Infos über Lawinenunfälle zu sammeln, ist der Gipfel der Dekadenz. Schliesslich setzten sich die allermeisten Lawinenverschütteten völlig freiwillig dieser Gefahr aus.
chatahootchee (14.01.2010, 20:06 Uhr)
@LEBEWESEN 'MARIA1000'
Ich gehe davon aus, dass auch Sie ein Mensch sind.
Greeper (14.01.2010, 19:02 Uhr)
Tierschützer
Ich würde vorschlagen, daß sich der Tiere zuliebe einfach stattdessen 29 Tierschützer freiwillig für die Experimente zur Verfügung stellen. Und wenn dazu keiner bereit ist, dann sind das auch keine richtigen Tierliebhaber, sondern haben alle nur eine große Klappe.
xris (14.01.2010, 18:27 Uhr)
ich findes es fazinierend...
...welch ein trara um 29 Schweine gemacht wird - die narkotisiert noch nicht einmal mitbekommen, dass es mit ihnen zu Ende geht.

Von daher kann ich auch nur olii68 zustimmen. Gerade die Kommentatoren, die am lautesten nach "Steinigung" rufen, sind mit großer Sicherheit diejenigen, denen das Steak zu 99 Cent das Kilo viel zu teuer ist...
ykarsunke (14.01.2010, 18:22 Uhr)
also, wenn ich ein schwein waere...
...wuerde ich lieber in narkose erfrieren, als nach ein paar monaten massenviehhaltung im schlachthof zu landen. sind die entsetzten kommentatoren hier alle vegetarier? was den erkenntnisgewinn dieser experimente betrifft, habe ich allerdings auch meine zweifel: schweine und menschen haben doch eine recht unterschiedliche physiologie, und die narkose verfaelscht die ergebnisse zusaetzlich, vermutlich bis zur unbrauchbarkeit. trotzdem gibt es fuer mich als tierliebenden menschen wichtigeres, worueber ich mich aufregen kann.
Manthey (14.01.2010, 18:21 Uhr)
Urlaub stornieren
Wenn alle sofort den Urlaub in Österreich mit der Begründung der Tierquälerei sofort storniert, dann wird die Politik und auch der Tourismusverband schnell handeln.
Leider ist immer noch das beste Druckmittel das Geld und nicht Menschlichkeit!!!

Maria1000 (14.01.2010, 18:01 Uhr)
Ich schlage vore, diese perversen "Wissenschaftler" psychiatrisch erstmal
begutaachten zu lassen. Denn wer so etwas ABSICHTLICH tut, kann nur krank sein!
Zitat: "...Je nach Größe der Atemhöhle verfolgen die Wissenschaftler über Minuten oder Stunden das langsame Ersticken der Tiere. Andere Schweine werden nur bis zum Kopf im Schnee vergraben und erfrieren..."
Maria1000 (14.01.2010, 17:59 Uhr)
Das widerwärtigste Lebewesen ist und bleibt der Mensch!
für mich nur ein weiterer Beweis dieser These, die ich seit einiger Zeit schion vertrete....Und dieses verrohte Gesocks soll die nächste Generation sein? Bin ich da aber FROH, dass ich da nicht mehr dabei sein muss!
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