Wissenschaftler messen neuen CO2-Höchststand

12. Mai 2013, 15:05 Uhr

US-Forscher schlagen Alarm: Klimaschädliches Kohlendioxid belastet die Atmosphäre wie noch nie zuvor in der Geschichte der Menschheit. Der Lebensraum vieler Tier- und Pflanzenarten ist bedroht.

CO2, Atmosphäre, Kohlendioxid, Treibhauseffekt

Die Konzentration des Treibhausgases Kohlendioxid in der Atmosphäre hat nach Angaben von US-Wissenschaftlern den höchsten Stand seit Millionen von Jahren erreicht©

Die Konzentration des Treibhausgases Kohlendioxid in der Atmosphäre hat den höchsten Stand seit Millionen von Jahren erreicht. Das haben US-Wissenschaftler bei Messungen auf Hawaii entdeckt. Die Forscher registrierten am 9. Mai durchschnittliche CO2-Werte von mehr als 400 ppm (Teilchen pro Million), wie die US-Wetterbehörde NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration) und das Forschungszentrum Scripps Institution of Oceanography am Freitag mitteilten.

"Dieser Anstieg ist keine Überraschung für Wissenschaftler", sagte Pieter Tans von der NOAA. Das Verbrennen von Kohle, Öl und Gas sei verantwortlich für die starke Kohlendioxid-Zunahme. "Wir bewegen uns in einem gefährlichen Bereich", erklärte Ralph Keeling von der Scripps Institution of Ozeanography in San Diego dem Sender CBS News. Seiner Ansicht nach sind die Bemühungen fehlgeschlagen, CO2-Emissionen zu verringern. Einige Auswirkungen des Klimawandels seien nun unumkehrbar.

Messstation seit 1958 in Betrieb

Seit 1958 messen Wissenschaftler die CO2-Konzentration in der Luft von der Station Mauna Loa auf Hawaii aus. Es ist die älteste Kohlendioxid-Messstation der Welt; die Ergebnisse gelten als Referenzwerte. Nie zuvor waren dort an einem Tag so hohe Durchschnittswerte registriert worden.

Als die Untersuchungen dort einst begannen, lag der CO2-Wert noch bei etwa 317 ppm. Vor der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert betrug er weltweit im Durchschnitt noch 280 ppm. Im Laufe der Erdgeschichte waren die Werte auch natürlichen Schwankungen unterworfen, beispielsweise als Folge von Vulkanausbrüchen.

Diese jetzt vom Menschen gemachten Veränderungen könnten gefährlich werden, sagte der Geochemiker Keeling. "Wir wissen nicht genau, wie groß diese sein werden, aber es ist sehr unwahrscheinlich dass diese Veränderungen ohne große Turbulenzen ablaufen werden."

Treibhauseffekt bedroht Lebensräume

Ein britisches Forscherteam untersuchte derweil, wie sich die zu erwartenden Klimaveränderungen auf mehr als 48.000 Tier- und Pflanzenarten auswirken werden. Die Wissenschaftler vom Tyndall Centre for Climate Change Research (Norwich/Großbritannien) errechneten, dass sich der geeignete Lebensraum für mehr als die Hälfte aller Pflanzen- und mehr als ein Drittel aller Tierarten halbieren könnte. Besonders stark bedroht seien Amphibien, aber auch Reptilien und Pflanzen, weil sie nicht so schnell in neue Lebensräume ausweichen können, so die Forscher. Vor allem in Afrika südlich der Sahara, in Mittelamerika, Amazonien und Australien seien große Verluste an Tieren und Pflanzen zu erwarten. In Nordafrika, Zentralasien und Südosteuropa seien besonders viele Pflanzen bedroht.

Die Gruppe ging bei ihren Untersuchungen davon aus, dass die globalen Temperaturen bis zum Jahr 2100 voraussichtlich um vier Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau liegen. Gelingt es hingegen, die globalen Emissionen schnell und deutlich zu reduzieren, erwarten die Forscher viel geringere Lebensraumverluste, heißt es im Journal "Nature Climate Change". Dann würden die Arten bis zu vier Jahrzehnte mehr Zeit haben, sich an die Klimaveränderungen anzupassen.

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