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1. Juni 2006, 08:07 Uhr

144 Babys pro Minute

Kindermangel, Überalterung? Das sind typische Probleme des Westens. In den Entwicklungs- und Schwellenländern wächst die Bevölkerung - im Jahr 2050 werden sich auf der Erde 9,1 Milliarden Menschen tummeln, so eine UN-Studie.

Kinder, Kinder ... kommen immer seltener in den entwickelten Industrienationen zur Welt© Mario Behnke/DPA

In Deutschland sterben ganze Dörfer aus - Probleme, die in anderen Regionen des Globus unbekannt sind. Pro Sekunde kommen statistisch gesehen 2,4 Menschen zur Welt. Das ergibt 144 zusätzliche Erdenbürger in der Minute oder 207.360 am Tag. Acht von zehn Babys werden in einem Entwicklungs- oder Schwellenland geboren, mit Abstand die meisten in China und Indien, berichten die Vereinten Nationen (UN) in New York. Die Daten hat die UN in dem Report "World Population to 2300" zusammengetragen.

China ernährt schon jetzt 20 Prozent der Menschheit. Und in Indien werden sich in 50 Jahren 515 Einwohner einen Quadratkilometer Land teilen müssen. Europas Bevölkerung hingegen schrumpft in der selben Zeit auf 28 Menschen pro Quadratkilometer. In Australien und Neuseeland werden sich selbst im Jahr 2050 nur durchschnittlich 3,8 Bewohnern pro Quadratkilometern tummeln.

25 Prozent der Weltbevölkerung aus Afrika

Ein Ende der Bevölkerungsexplosion sehen die Demographen der UN- Abteilung für Wirtschafts- und Sozialfragen erst für Mitte des 21. Jahrhunderts voraus. Bis dahin dürfte die Geburtenrate pro Frau global auf zwei Kinder gesunken sein, nachdem sie dank Pille und anderer Möglichkeiten der Geburtenkontrolle von 1950 bis 2000 bereits von fünf auf drei Kinder abgenommen hat.

Dem UN-Bericht zufolge vermehrt sich die Menschheit bis 2050 noch um fast 50 Prozent auf 9,1 Milliarden Erdenbürger. Afrika wird seinen Anteil an der Weltbevölkerung von derzeit etwa 13 Prozent bis zum Jahr 2100 auf 25 Prozent verdoppeln, während der Anteil der Europäer im gleichen Zeitraum um die Hälfte auf knapp 6 Prozent schrumpft.

Mehr Menschen, mehr Treibhausgase

Wie die Erde dem Ansturm künftiger Generationen standhalten wird, hängt laut UN maßgeblich von den beiden Bevölkerungsriesen China und Indien ab. Beispiel Klima: Beide Länder schicken derzeit noch weniger Treibhausgase in die Erdatmosphäre als selbst so vorbildliche Industrieländer wie Japan und Schweden.

Richtig frappierend aber ist der Vergleich zu den USA. Amerikaner produzieren pro Kopf und Jahr 20 Mal so viel klimaschädliches Kohlenstoffdioxid (CO2) wie die indische Bevölkerung. Sollten sich China und Indien mit ihren jetzt schon 2,4 Milliarden Einwohnern eines Tages aber den Traum vom Lebensstandard á la USA erfüllen, wäre eine globale Klimakatastrophe kaum mehr aufzuhalten, warnen die UN.

Die Internationale Energie-Agentur (IEA) fürchtet, dass der Anstieg der Treibhausgas-Emissionen von China allein bis zum Jahr 2030 dem aller Industrieländer entsprechen wird. Für Indien sagt das World Resources Institut einen Anstieg der Emissionen um 70 Prozent bis 2025 voraus.

Habenichtse und Wohlhabende

Ähnlich explosiv wie die Klimafrage sei die Kluft zwischen den reichen Industrieländern mit ihrer rapide alternden Bevölkerung und den armen Entwicklungsländern, die weit mehr Nachwuchs als Jobs hervorbrächten, sorgte sich kürzlich das "Wall Street Journal".

Dass der Babyboom ausgerechnet jene Länder herausfordert, die politisch, wirtschaftlich und umweltmäßig dazu am wenigsten in der Lage sind, hält die führende Wirtschaftszeitung der USA für überaus alarmierend: "In der Weltgeschichte haben zahlenmäßig überlegene und hungrige Habenichtse häufig genug die Wohlhabenden überwältigt und um ihrer Reichtümer beraubt."

Gisela Ostwald/DPA
 
 
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