Weltregionen im Klima-Umbruch

2. März 2007, 10:32 Uhr

Der Klimawandel ist in vollem Gang, ganze Erdteile befinden sich im Umbruch. Die Zukunft gleicht einem Schreckensszenario: In Nordamerika brennen verstärkt die Wälder, in Australien verschwinden einmalige Tier- und Pflanzenarten. Ein Überblick.

Vom Klimawandel wird die ganze Welt betroffen sein - je nach Region in unterschiedlicher Ausprägung©

Der noch bislang geheime zweite Teil des Weltklimaberichtes der Uno liest sich wie ein Katalog des Schreckens. Die bereits im ersten Teil des IPCC-Berichts veröffentlichten Bestandsaufnahmen, dass der Klimawandel "sehr wahrscheinlich" menschengemacht und in seinern Auswirkungen eine globale Erwärmung von bis zu 6,4 Grad Celsius bis zum Ende des 21. Jahrhunderts nach sich ziehen könnte, werden nun von den Wissenschaftlern für alle großen Erdregionen durchdekliniert.

Fazit: Keine Region wird vom globalen Klimawandel verschont bleiben. Besonders hart betroffen sind nach Ansicht der Klimaforscher die Arktis, die kleinen Inselstaaten im Pazifik, große Teile Afrikas und die Flussgebiete in Asien.

Alle Folgen des Klimawandels für die einzelnen Erdregionen finden Sie hier im Überblick.

Europa - Verlierer im Süden, Gewinner im Norden

- In ganz Europa wächst das Risiko für Hochwasser nach Starkniederschlägen wie 2002 bei der Flut-Katastrophe an der Elbe.

- Besonders in Mittel- und Osteuropa dürften Überschwemmungen durch Wärmeeinbrüche und eine beschleunigte Schneeschmelze zum Ende des Winters zunehmen.

- Auf Südeuropa kommt Einiges zu: häufigere Hitzewellen und Waldbrände, verminderte Ernteerträge, rückläufige Wasserverfügbarkeit und dadurch Probleme für Wasserkraftwerke.

- Nordeuropa dagegen darf sich auf wachsende Ernte- und Forsterträge einstellen, auch winkt eine höhere Stromproduktion mittels Wasserkraft.

Afrika - Wasser und Nahrung noch knapper

- Intensivere Dürren in den außertropischen Teilen des Kontinents vergrößern die Wasserknappheit für große Teile der Bevölkerung.

- Fischerei und Tourismus erleben Einbrüche durch die zunehmende Zerstörung von Mangroven-Sumpfwäldern und Korallenriffen; auch in den großen Binnenseen nehmen die Fischerträge ab.

- Der Rückgang der urbaren Landfläche schmälert das Nahrungsangebot und erhöht das Risiko für Hungersnöte.

Asien - Fluten von oben und unten

- Die Gletscherschmelze im Himalaja wird Gebirgsseen überlaufen lassen, was verheerende Sturzfluten auslöst und die lokalen Wasser-Reservoire bedrohlich schmälert.

- Steigende Pegelstände in Flüssen und im Ozean erhöhen vor allem für die stark bevölkerten Mündungsgebiete großer Ströme an der Küste von Pazifik und Indischem Ozean das Risiko für folgenschwere Überschwemmungen.

- Abnehmende Niederschläge reduzieren gebietsweise die Felderträge und erhöhen das Risiko für Hungersnöte in den ärmeren Ländern des Kontinentes.

Nordamerika - Flirrende Städte, brennende Wälder

- Städte wie Chicago, die schon in der Vergangenheit unter Hitzewellen litten, werden in Zukunft noch "viele mehr" erleben.

- Waldbrände werden sich räumlich und zeitlich sehr wahrscheinlich stark ausdehnen.

- In westlichen Gebirgszügen wie den Rocky Mountains und der Sierra Nevada schwinden Schnee und Schmelzwasserflüsse, was zum Beispiel die Trinkwasserversorgung Kaliforniens vor immense Probleme stellt.

- In dicht besiedelten Küstenregionen sind infolge des Meeresspiegelanstieges und stärkerer Sturmfluten noch höhere Schäden zu erwarten als etwa 2005 durch den Hurrikan "Katrina".

Mittel- und Südamerika - Savanne statt Wald, Wüste statt Feld

- Infolge steigender Temperaturen und abnehmender Bodenwassergehalte tritt Gras- und Strauchsavanne im östlichen Amazonas-Gebiet an die Stelle des Regenwaldes, dort lebenden Tierarten droht das Aussterben.

- In trockenen Regionen versalzen und veröden Ackerböden, was die Erträge wichtiger Kulturpflanzen stark mindern könnte; dagegen sollen die Soja-Ernten in Anbaugebieten mit gemäßigtem Klima sogar üppiger ausfallen.

- Mit dem Meeresspiegel-Anstieg wächst für Buenos Aires, Montevideo, Salvador und andere, tief gelegene Städte an der Atlantikküste das Risiko für Überschwemmungen.

Australien und Neuseeland - Naturschätze unter Druck

- Der Wassermangel im Süden und Osten Australiens wie auch in Teilen Neuseelands verschärft sich.

- Das Große Barriere-Riff, aber auch andere, einmalige Naturreservate wie Regenwälder und Feuchtgebiete im Nordostzipfel Queenslands stehen vor weiteren Artenverlusten.

- Küstenzentren mit wachsender Bevölkerung wie um Brisbane und Cairns herum müssen sich auf stärkere Stürme und häufigere Überschwemmungen einstellen.

- Solange die Erwärmung noch moderat (unter 1 Grad Celsius) bleibt, profitiert vor allem Neuseeland von einer verlängerten Wachstumsperiode und einem erhöhten Wasserangebot.

Polargebiete - Abschied von Eis und Einzigartigem

- Das Auftauen der Dauerfrostböden gefährdet Häuser, Straßen, Erdöl-/Erdgas-Pipelines und andere Infrastruktur in der Arktis, die verkürzte Frostphase engt das Zeitfenster für Transporte immer weiter ein.

- Steigende Temperaturen erlauben es fremden Arten, in die Kälte-Biotope an beiden Polen einzudringen und deren einzigartige Lebensgemeinschaften aus dem Gefüge zu bringen.

- Durch den Rückgang des Meereises könnte es so weit kommen, dass Säugetiere wie der auf Packeisschollen jagende Eisbär keinen geeigneten Lebensraum mehr finden und auch die traditionelle Jagdkultur der Inuit verschwindet.

Kleine Inseln - Land unter, Touristen weg

- Mit steigendem Wasserpegel geht nicht nur Land an das Meer verloren, auch Sturmfluten dringen tiefer ins Inselinnere vor und zerstören Infrastruktur.

- Die Erwärmung dürfte die Trinkwasser-Reservoire zum Teil drastisch schmälern.

- Durch die Erosion von Badestränden und das Ausbleichen von Riff-Korallen werden viele Inseln höchstwahrscheinlich ihre Attraktivität als Urlaubsziele verlieren - und damit auch wichtige Einnahmen.

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