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16. August 2006, 15:00 Uhr

Von wegen "sanfter Riese"

Blauwale sind sanfte Riesen. Ihre Vorfahren aber waren gefährliche Räuber mit spitzen Zähnen, wie ein Fossilienfund belegt. Nun muss die Evolutionsgeschichte der Meeressäuger neu geschrieben werden.

Ein Bartenwal bei der Jagd, dargestellt in einer Illustration© Museum of Victoria/DPA

Die als sanfte Riesen bekannten Bartenwale hatten räuberische und gefährliche Vorfahren. Darauf deutet der Fund eines 25 Millionen Jahre alten Fossils aus dem Südosten Australiens hin. Demnach waren die Urahnen dieser Meeressäuger, zu denen auch der Blauwal gehört, vergleichsweise klein und hatten scharfe Zähne. Die Barten, mit denen die Wale Plankton aus dem Wasser filtern, entwickelten sich erst später nach und nach. Der Fund des Janjucetus hunderi genannten Fossils stelle daher die heutige Theorie über die Evolution der Meeressäugetiere infrage, schreibt Erich Fitzgerald vom Victoria-Museum in Melbourne in der Fachzeitschrift "Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences".

Kein Filter im Maul

Die bis zu 30 Meter langen Bartenwale verdanken ihren Namen den kammartigen, ausgefransten Hornplatten die sie anstelle von Zähnen im Oberkiefer tragen. Sie filtern damit Kleinkrebse und anderes tierisches Plankton aus dem Meerwasser, indem sie zunächst große Mengen Wasser aufnehmen und es dann durch die Barten hindurch wieder nach außen pressen. Einige Arten fressen auch Fische, Zähne besitzen die heute lebenden Bartenwale wie der Blauwal jedoch nicht.

Der fossile Schädel eines Ur-Wals - gut sichtbar die spitzen Zähne© Museum of Victoria/DPA

Bei einigen Bartenwalfossilien wurden zwar Zähne entdeckt, doch die Forscher sind der Meinung, dass sich auch diese Tiere mithilfe eines Filtersystems ernährten. Mit J. hunderi hat Fitzgerald nun das älteste bisher entdeckte Bartenwalfossil untersucht. Es gehört laut dem Biologen zu einer bislang unbekannten Familie von kleinen Bartenwalen, die lediglich rund dreieinhalb Meter groß wurden.

Erspäht, gepackt und zerrissen

Erstaunlicherweise fehlen bei J. hunderi alle Hinweise auf eine filtrierende Ernährung: Er hatte Zähne anstelle von Barten und riesige Augen. Normalerweise sind bei filtrierenden Tieren die Augenhöhlen und die Augen kleiner. Fitzgerald vermutet, dass J. hunderi mit seinen scharfen Zähnen große Tiere jagte. Zahlreiche Merkmale des Fossils sind auch bei verschiedenen ausgestorbenen, im Meer lebenden Reptilien sowie bei den heute lebenden Seeleoparden zu finden. Vermutlich gingen die archaischen Bartenwale gezielt auf die Jagd nach Fischen, die sie erspähten und dann mit ihren scharfen Zähen packten und zerrissen.

Die Evolution der sanften Meeresriesen müsse nun neu überdacht werden, meint der Biologe: Die frühesten Bartenwale unterschieden sich von ihren heute lebenden Verwandten sowohl im Aussehen als auch in der Lebensweise. Sie spalteten sich also wohl in verschiedene Familien mit unterschiedlichen Ernährungsweisen auf. Die Barten und damit die filtrierende Ernährungsweise entwickelten sich demnach erst im Lauf der Zeit, erklärt Fitzgerald.

DPA/DDP
 
 
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