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16. Januar 2008, 12:21 Uhr

Piraten unter sich

Gestern enterten zwei Umweltschützer ein japanisches Walfangschiff und wurden prompt festgenommen. Während sich beide Seiten der Piraterie beschuldigen und über eine Übergabe der Männer verhandeln, versucht Australiens Regierung, den Konflikt zu entschärfen.

Die Besatzung der "Yushin Maru Nr. 2" versuchte die Umweltschützer von ihrem Vorhaben abzuhalten - ohne Erfolg© AP/The Institute of Cetacean Research

Die Auseinandersetzung zwischen der japanischen Fangflotte und der Anti-Walfang-Gruppe Sea Shepherd hat sich zunehmend verschärft. Die Besatzung des Walfangschiffs "Yushin Maru Nr. 2" hält seit dem 15. Januar zwei Aktivisten fest, die das Schiff geentert hatten. Für ihre Freilassung wurde nach Angaben der Walfang-Gegner ein Ende der Protestaktionen verlangt.

Paul Watson, der Kapitän des Sea-Shepherd-Schiffs "Steve Irwin", forderte indessen eine bedingungslose Freilassung der zwei Männer. Beide Seiten beschuldigten sich gegenseitig der Piraterie. Der Australier Benjamin Potts und der Brite Giles Lane betraten am Dienstag die "Yushin Maru Nr. 2", um eine Petition zur Einstellung des Walfangs zu übergeben. Die japanische Besatzung warf ihnen vor, illegal an Bord des Schiffes gelangt zu sein, und nahm sie gefangen. Glenn Inwood vom Japanischen Institut für Walforschung, das die Waljagd organisiert, sprach von einem Akt der Piraterie. Zugleich warf er Sea Shepherd vor, die Übergabe der Gefangenen bewusst hinauszuzögern, um eine größe Öffentlichkeitswirkung zu erzielen. Die japanische Fischereibehörde erklärte, Sea Shepherd könne die beiden Walfang-Gegner mit Schlauchbooten abholen.

Watson verteidigte die Protestaktion in der Antarktis als gerechtfertigt, weil die Waljagd der japanischen Schiffe gegen das Völkerrecht verstoße. "Die Piraten sind die Japaner", sagte der Sea-Shepherd-Kapitän in einem Radio-Interview. Die australische Regierung warf beiden Seiten vor, sich fahrlässig zu verhalten, zumal in der Abgeschiedenheit der Antarktis bei einem plötzlichen Notfall keine schnelle Hilfe bereitstünde. Australien wurde inzwischen auf diplomatischen Wegen in Tokio vorstellig. Anschließend erklärte Außenminister Stephen Smith, die japanischen Behörden hätten zugesagt, die beiden Aktivisten auf das Schiff von Sea Shepherd zurückzubringen. An den Protestaktionen gegen die japanische Walfangflotte nehmen auch Mitglieder von Greenpeace teil. Die japanische Walfangflotte ist im November in Richtung Antarktis ausgelaufen. Die Besatzung will bis zu 1000 Wale töten. Die Ausnahmeregelung vom Walfangmoratorium der Internationalen Walfangkommission wird mit wissenschaftlichen Zwecken begründet. Im Anschluss an die Untersuchungen werden die meisten der getöteten Wale jedoch verzehrt.

Rohan Sullivan/AP
 
 
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