4000 Liter - jeder Mensch, jeden Tag

13. Februar 2012, 21:00 Uhr

Jeder Mensch verbraucht durchschnittlich 1,4 Millionen Liter Wasser im Jahr. Dabei wird nur der geringste Teil getrunken oder im Haushalt benutzt - über 90 Prozent verschlingt die Landwirtschaft.

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Deutschland belegt einen der Spitzenplätze beim Wasserfußabdruck-Ranking©

Im weltweiten Durchschnitt braucht und verschmutzt jeder Mensch rund 1385 Kubikmeter Wasser im Jahr – etwa 8600 Badewannen mit jeweils 160 Litern. Das hat eine umfassende Analyse zum weltweiten Wasserverbrauch ergeben. Die Unterschiede sind demnach erheblich: In den USA kommen pro Kopf und Jahr 2842 Kubikmeter zusammen, in Indien sind es 1089. In Deutschland liegt der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch bei 1426 Kubikmetern, zeigt die von Arjen Hoekstra und Mesfin Mekonnen von der Universität von Twente in den Niederlanden veröffentlichte Untersuchung.

Die Forscher sprechen vom Wasserfußabdruck, den der Mensch mit der Produktion industrieller Güter und landwirtschaflicher Produkte sowie beim persönlichen Gebrauch im Haushalt hinterlässt. Der Untersuchung lag der Zeitraum von 1996 bis 2005 zugrunde - dies ist die aktuellste Zehnjahresperiode, für die alle nötigen Daten vorlagen. Der globale Wasser-Abdruck betrug jährlich 9087 Milliarden Kubikmeter - rund 190 Mal so viel wie der Inhalt des Bodensees. Inzwischen ist die Weltbevölkerung und damit der Verbrauch noch gestiegen.

Landwirtschaft verbraucht 92 Prozent

"Die Agrarproduktion hat den größten Anteil, sie ist für 92 Prozent des weltweiten Fußabdrucks verantwortlich", schreibt Hoekstra. Die industrielle Produktion trägt 4,4 Prozent bei, der häusliche Verbrauch 3,6 Prozent. China, Indien und die USA benötigen besonders viel Wasser, und zwar 1207, 1182 und 1053 Milliarden Kubikmeter. Damit sind die drei Länder für 38 Prozent des globalen Fußabdrucks verantwortlich. Danach folgt Brasilien (482 Milliarden Kubikmeter). China ist zugleich das Land mit der größten Menge Abwasser: 360 Milliarden Kubikmeter - mehr als ein Viertel der gesamten Menge weltweit (26 Prozent).

Weil große Teile der Agrar- und Industrieproduktion weltweit gehandelt werden, exportieren die Staaten indirekt auch große Mengen Wasser - etwa, wenn Deutschland Tomaten aus den Niederlanden oder Großbritannien Festplatten aus Thailand einführt. Zu den großen Importeuren zählen die USA (234 Milliarden Kubikmeter), Japan (127), Deutschland (125), China (121) und Italien (101). An dem Wasserfluss von Kontinent zu Kontinent haben wiederum Agrarprodukte den größten Anteil, vor allem Ölfrüchte wie Sonnenblumen, Raps, Palmöl und die daraus gewonnenen Produkte. "Diese Studie zeigt, wie verschiedene Produkte und Bevölkerungsgruppen zum Wasserverbrauch und der Wasserverschmutzung an verschiedenen Orten beitragen", notieren die Autoren.

Der Wasserfußabdruck lässt sich unter anderem am Beispiel einer Tasse Kaffee zeigen: Der Farmer benötigt Treibstoff und Maschinen, deren Produktion ebenfalls Wasser nötig machte. Die Helfer auf der Plantage müssen kochen und waschen, der Kaffee muss gereinigt werden. Auch für die Veredlung, den Transport und den Zwischenhandel wird Wasser benötigt - bis hin zum Trinkwasser, mit dem die Kaffeemaschine befüllt wird. Hinzu kommen noch der Abwasch sowie das Wasser für die Produktion von Milch und Zucker. Zusammen mit Kollegen kam Hoekstra zu dem Schluss, dass allein eine Latte macchiato zum Mitnehmen 200 Liter Wasser benötigt - mehr als eine Badewannenfüllung.

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